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Konstituierende Gemeinderatssitzung:Grüne stellen in Oberhaching Dritte Bürgermeisterin

Oberhaching, konstituierende Gemeinderatssitzung, Stefan Schelle BM, Nina Hartmann, neue 3. Bürgermeisterin, Ludwig Pichler, 2. Bürgermeister

Bürgermeister Stefan Schelle (links) wird künftig von seinem Parteifreund Ludwig Pichler und der Grünen Nina Hartmann vertreten.

(Foto: Angelika Bardehle)

Das gewachsene Gewicht der Ökopartei spiegelt sich in Oberhaching auch bei der Wahl der Stellvertreter von Rathauschef Stefan Schelle wider. Ihre Kandidatin Nina Hartmann setzt sich im zweiten Durchgang klar durch.

Ein bisschen ist es vielleicht seit Mitte März in Vergessenheit geraten, dass der Landkreis bei der Kommunalwahl reichlich ergrünt ist. Wie sehr die Ökopartei im Landkreis München zugelegt hat, wird jetzt allerdings deutlich sichtbar bei den konstituierenden Sitzungen der Gemeinde- und Stadträte.

Auch wenn letztlich kein weiterer Grüner neben Susanna Tausendfreund in Pullach einen Chefsessel im Rathaus erobern konnte - die Fraktionen sind mächtig gewachsen.

Wie etwa in Oberhaching, wo am Dienstagabend unter den neun neu vereidigten Gemeinderatsmitgliedern allein fünf von den Grünen sind. Deren Fraktion hat sich damit verdreifacht und ist mit sechs Sitzen hinter der CSU zweitstärkste Gruppe im Gemeinderat. Und erstmals bekommt Oberhaching in Nina Hartmann eine grüne Dritte Bürgermeisterin. Sie setzte sich in einer Stichwahl mit 17 zu 8 Stimmen gegen den bislang amtierenden Zweiten Bürgermeister Johannes Ertl (Wählergemeinschaft Oberhaching, WGO) durch. Zum neuen Zweiten Bürgermeister wurde Ludwig Pichler (CSU) gewählt.

Der große Saal ist fast zu klein

Der Oberhachinger Gemeinderat ist es gewohnt, in U-Form zu tagen. Das sei kommunikativer, findet Bürgermeister Stefan Schelle (CSU). Doch bis sich die 24 Mandatsträger nebst Rathauschef und Verwaltungsmitarbeiter wieder in gewohnter Runde austauschen können, wird es wohl noch etwas dauern. Die erste Sitzung des neuen Gremiums musste in Cornona-Zeiten mit einer anderen Ordnung auskommen: Lange Reihen mit ausreichendem Abstand, Einzelplätze für die Zuschauer. Trotzdem mussten die Beteiligten sehr darauf bedacht sein, sich nicht zu nahe zu kommen. So groß ist der große Saal im Rathaus auch wieder nicht. Die Sitzung am 26. Mai, wenn die ausgeschiedenen Gemeinderatsmitglieder verabschiedet werden, soll im Bürgersaal beim Forstner stattfinden.

So sah es ein bisschen nach Schulklasse oder Parteitag aus, als Bürgermeister Schelle die Vereidigung der Neuen vornahm. Neben den Grünen Nina Hartmann, Valentina Eckel, Sabine Hillbrand, Kevin Terzi und Anja Reder sprachen Johann Schelle (CSU), Simon Sainer (WGO), Claudia Schmidt-Utzmann (FDP) und Dirk Schneider (Freie Bürger) ihren Amtseid.

Der Start in die Kommunalpolitik war für die Neulinge diesmal also eine eher nüchterne Angelegenheit, mit Distanz, ohne Händeschütteln, ohne Umarmungen. Nur die Amtskette des Bürgermeisters signalisierte die Wichtigkeit des Moments. "Normalerweise ist das ein Grund zum Feiern. Aber das verkneifen wir uns", sagte Schelle. Immerhin hatte man das Wandgemälde des Rathaussaals als Hintergrund und tagte nicht vor der Kulisse von Handballtoren und Geräteräumen in einer Sporthalle. Schelle verwies auf zwei Daten, die in diesem Bild bei der Fertigstellung des Rathauses 1968 fixiert wurden: 806 wurde Haching das erste Mal urkundlich erwähnt. 1818 haben die Gemeinden das Recht zur Selbstverwaltung bekommen. "Subsidiarität ist das beste Mittel gegen alle Formen des Extremismus", sagte Schelle.

Am 15. März waren in diesem Frühjahr in Oberhaching 10748 Bürger zur Wahl aufgerufen. 7054 hatten in der Gemeinde von diesem Recht Gebrauch gemacht. "Sie haben kein Parlament mit Opposition gewählt, sondern ein Verwaltungsorgan", betonte der Bürgermeister an diesem Abend der ersten Zusammenkunft des neuen Gremiums. Alle seien zur Zusammenarbeit aufgerufen, es gehe um ein demokratisches Miteinander, so Schelle. "Wir wollen mit entsprechender Gelassenheit auf Grundlagen der Gesetze die Aufgaben bewältigen", sagte er. Dies sei eine große Herausforderung in spannender Zeit, "aber auch das stehen wir durch".

Fraktionssprecher der CSU bleibt Josef Ertl, bei den Grünen wird der erfahrene Gemeinderat Claus Katzer die Fraktion führen. Margit Markl bleibt Sprecherin der SPD, Johannes Ertl führt die WGO an. FDP und Freie Bürger haben nur je ein Mandat und damit keinen Fraktionsstatus.

© SZ vom 07.05.2020/belo

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