So spannend wie diesmal waren die Kommunalwahlen im Landkreis München selten: Allein in 14 Städten und Gemeinden entschieden die Wählerinnen und Wähler in der Stichwahl, wer die kommenden sechs Jahre das Rathaus führen wird. Auch der Posten des Landrats wurde erst in einem zweiten Durchgang erneut an Christoph Göbel (CSU) vergeben. Dabei mussten mitunter langjährige Amtsinhaber im nördlichen Landkreis, in großen Gemeinden und im Isartal ihre Posten als Bürgermeister räumen. Und dort, wo die Amtsinhaber nicht mehr antraten, war das Rennen mancherorts äußerst knapp. In einigen Orten gab es eine faustdicke Überraschung.
Einen dramatischen Showdown erlebten die Wählerinnen und Wähler in Ottobrunn, wo der amtierende CSU-Bürgermeister Thomas Loderer das Rathaus an SPD-Herausforderer Florian Schardt verlor. Der frühere SPD-Kreisvorsitzende und aktuelle Fraktionschef im Kreistag eroberte dieses mit mehr als deutlichen 61,5 Prozent nach 19 Jahren zurück für seine Partei. „Ich freue mich über das Ergebnis, aber ich muss das erst einmal sacken lassen und für mich bewerten“, sagte Schardt, 44, als einige Wahllokale ausgezählt waren und sich das Ergebnis abzeichnete.

In seiner Rede nach dem Wahlsieg dankte er dem unterlegenen Amtsinhaber für dessen Glückwünsche in einer „für dich nicht einfachen Situation“. Er könne nun auf dem aufbauen, was Loderer geleistet habe. Loderer, 56, wirkte sehr gefasst, als er dem Gewinner gratulierte und sagte, dass das Ergebnis für ihn persönlich sehr unerfreulich sei. Es sei aber ganz klar der „Bürgerwille, den ich natürlich akzeptiere“. Dem Gemeinderat werde er nicht angehören. Er denke, ein Neuanfang in dieser Konsequenz sei sinnvoll.
Ebenfalls ihr Amt verloren hat die einzige Grünen-Bürgermeisterin im Landkreis: Susanna Tausendfreund in Pullach. Sie musste sich nach 2020 ein weiteres Mal in der Stichwahl mit Christine Eisenmann von der CSU messen. Dieses Mal gewann Eisenmann mit 54,6 Prozent. Im Gemeinderat hat die CSU in der Isartal-Gemeinde bereits die Grünen als stärkste Fraktion abgelöst. Siegerin Christine Eisenmann (CSU) wurde im großen Sitzungssaal gefeiert und konstatierte: „Ich bin überwältigt. So viele Menschen haben ihr Vertrauen in mich gesetzt. Ich freue mich sehr auf die Arbeit in Rathaus.“ Es habe eine Wechselstimmung in Pullach gegeben und nach dem ersten Wahlgang sogar eine „Aufbruchstimmung“, sagte sie.

Eisenmann kündigte an, sie wolle jetzt vieles anpacken, was in den vergangenen Jahren liegen gelassen wurde. Wahlverliererin Susanna Tausendfreund weiß dagegen noch nicht, ob sie ihr Mandat im Gemeinderat wahrnehmen will, meinte aber: „Eher nicht.“ Sie war sichtlich enttäuscht, hatte aber nach eigenen Worten so ein Ergebnis befürchtet.
Die Mehrheit der Neubiberger hat ihrem Bürgermeister offenbar die Kokain-Affäre verziehen
In Neubiberg ist dagegen der alte Bürgermeister auch der neue. In der Stichwahl hat Amtsinhaber Thomas Pardeller (CSU) mit 54,7 Prozent die Wahl klar für sich entschieden. „Ich bin erleichtert und überwältigt“, sagte er am Wahlabend, den er mit Familie und Unterstützern zunächst im Wahltreff im Haus für Weiterbildung verbrachte und später im Lokal „Lara Belle“ feierte.

Durch eine Kokain-Affäre war der CSU-Politiker zwischenzeitlich in Kritik geraten, diese haben ihm die Wähler aber offensichtlich verziehen. „Das Ergebnis spricht dafür, dass die gute Arbeit in den letzten Jahren goutiert wurde“, sagte Pardeller. Seine verbliebene Herausforderin Carola Grimminger (Grüne) sagte, sie sei „erschöpft“, gleichzeitig aber auch sehr zufrieden über ihre 45,3 Prozent. „Wir haben ein respektables Ergebnis erzielt.“
In Unterhaching gewinnt CSU-Kandidat Rausch vor der Grünen Johanna Zapf
Dass die SPD nach 36 Jahren in Unterhaching, der zweitgrößten Kommune im Landkreis München, den Chefsessel im Rathaus räumen muss, stand bereits nach dem ersten Wahltag fest. Schwarz-Grün lautete das Duell im zweiten Durchgang, Mann gegen Frau. Wie das ausgehen würde, vermochte vor der Auszählung niemand vorhersagen, zu knapp lagen die Ergebnisse von Korbinian Rausch (CSU) und Johanna Zapf (Grüne) vor zwei Wochen beieinander. Aber auch am Abend der Stichwahl blieb es lange spannend, mitunter lagen die beiden Kontrahenten nahezu gleichauf. Am Ende setzte sich Korbinian Rausch mit 52,7 Prozent durch und wird neuer Bürgermeister. Er löst nach 18 Jahren Wolfgang Panzer (SPD) ab, der nicht mehr angetreten war.

Wahlsieger Rausch war nach relativ langem Warten auf die Ergebnisse überwältigt von seinem Wahlsieg: „Da muss ich jetzt erst einmal mehr als eine Nacht darüber schlafen.“ Dieser Erfolg nach so vielen Dekaden mit SPD-Bürgermeistern sei eine Teamleistung gewesen. Es lägen jetzt zwei Wochen der Nervosität hinter ihm, „aber ich strecke allen im Gemeinderat die Hand zur Zusammenarbeit aus, auch den Grünen“. Die hatten sich schon erhofft, mit Johanna Zapf die erste grüne Bürgermeisterin Unterhachings stellen zu können. „Es war ein knappes Ergebnis“, sagte Zapf. Jetzt müsse man schauen, was der Wählerauftrag sei, und „gemeinsam die Themen angehen“.

Jubel bei der CSU auch in Garching, Enttäuschung bei der SPD. Amtsinhaber Dietmar Gruchmann unterliegt mit 48 zu 52 Prozent seinem Herausforderer Thomas Lemke. „Das ist natürlich nicht das Ergebnis, das ich mir gewünscht habe“, sagte ein sichtlich enttäuschter Gruchmann im Rathaus vor Verwaltungsmitarbeitern, Wahlhelfern und politischen Weggefährten. Mit dem Votum für einen Wechsel endet in Garching eine 48 Jahre währende SPD-Ära.
Thomas Lemke zeigt sich nach dem Wahlkrimi, in dem die beiden Kontrahenten zum Teil nur wenige Stimmen trennten, begeistert. „Das ist ein Riesenvertrauensbeweis und eine Riesenverantwortung“, sagte der 51-jährige Neuling in der Garchinger Kommunalpolitik.

Alexander Greulich hingegen bleibt Bürgermeister von Ismaning. Mit 55,3 Prozent setzte sich der Amtsinhaber am Ende gegen seine Herausforderin Sabine Wilhelm von der CSU durch. Bei der SPD waren Jubel und Erleichterung groß. „Ich bin unheimlich froh“, sagte Greulich nach dem Ende der Auszählung. Die 61-jährige Wirtschaftsingenieurin Wilhelm hatte den Amtsinhaber mit einem sehr engagierten Wahlkampf durchaus in Bedrängnis gebracht. Am Ende aber durfte Greulich feiern, unter anderem mit seinem neuen SPD-Bürgermeister-Kollegen Florian Klietsch aus Unterföhring.
Auch in Taufkirchen ist die CSU siegreich
In Taufkirchen ist erstmals seit 42 Jahren wieder ein CSU-Kandidat zum Bürgermeister gewählt worden: Sebastian Thoma holte bei der Stichwahl 58 Prozent der Stimmen und lag damit vor Naciye Özsu von der SPD, die auf 42 Prozent kam. „Ich bin überglücklich über ein tolles Ergebnis“, sagte Thoma, der den Wahlabend im Rathaus verfolgte – ebenso wie seine SPD-Konkurrentin. Sie hatte im Verlauf der Auszählung lange auf Augenhöhe gelegen, ehe der CSU-Mann vor allem dank der Briefwähler davonzog.

„42 Prozent sind ein stolzes Ergebnis“, sagte die 46-jährige Özsu. „Sehr viele Menschen in Taufkirchen haben mir nicht zugetraut, dass ich so weit komme.“ Im ersten Wahlgang mit sechs Kandidierenden hatte der 63-jährige Thoma mit 38,4 Prozent der Stimmen deutlich vor Özsu (19,1 Prozent) gelegen. „Die CSU hat eine gewisse Basis in Taufkirchen, und die hat mich getragen“, sagte der Wahlsieger. Thoma tritt die Nachfolge des parteilosen, aber einst von der CSU unterstützten Ullrich Sander an, der das Bürgermeisteramt seit 2014 innehatte und nicht erneut angetreten war.


