Die Wahl der Bürgermeister hat im Landkreis München einige faustdicke Überraschungen ergeben – sowie einige unerwartet deutliche Gewinner. Und mancher, von dem man es so nicht gedacht hätte, muss noch zwei Wochen bis zur Stichwahl bangen. In Unterhaching schaffte es wiederum Daniel Schön von der SPD, die Jahrzehnte den Bürgermeister in der Gemeinde gestellt hatte, nicht einmal in die Stichwahl. Dafür holte die SPD in Unterföhring mit Florian Klietsch auf Anhieb das Rathaus. Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) verteidigte sein Amt mit 65,3 Prozent. Ähnlich deutlich siegte Christoph Böck (SPD) in Unterschleißheim mit 59,5 Prozent. Spannend bleibt es in Ottobrunn, Neubiberg, Taufkirchen und auch Pullach: Dort kommt es am 22. März zu Stichwahlen.
SPD-Kandidat Daniel Schön landete in Unterhaching bei 13,8 Prozent – ein enttäuschendes Ergebnis, wie er bei der Wahlparty im Rathaus einräumte. Jubeln durften wenige Meter von ihm entfernt Korbinian Rausch (CSU) und Johanna Zapf (Grüne), die beide in die Stichwahl gehen. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen hatte der CSU-Mann am Ende die Nase mit 35,3 Prozent der Stimmen vorne; seine Konkurrentin von den Grünen kam auf 33,9 Prozent. „Es liegen die beiden vorne, die 90 Prozent der Leute, mit denen ich im Wahlkampf gesprochen habe, auch vorne erwartet haben“, kommentierte Korbinian Rausch das Ergebnis. Mit Blick auf die Stichwahl in zwei Wochen, in der sich die Nachfolge von Wolfgang Panzer (SPD) entscheiden wird, sagte er: „Es gibt eine klare Mehrheit im bürgerlichen Lager, das stimmt mich optimistisch.“ Derweil sprach Johanna Zapf von einem „sensationellen Ergebnis“.

In Unterföhring holte nach Einschätzung von Beobachtern Florian Klietsch für die SPD sensationell 52,8 Prozent und sicherte sich direkt das Rathaus, obwohl vier Kandidaten um die Nachfolge von Andreas Kemmelmeyer (PWU) gerungen hatten. In Haar verfolgte Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) im kleinen Saal des Bürgerhauses gebannt, wie sich bereits um 18.30 Uhr die Zustimmung für ihn bei über 60 Prozent stabilisierte. Die Gegenkandidaten von Grünen und SPD lagen in dem Moment bei gut 13 Prozent. Am späten Abend sprach er von einem „großartigen“ Resultat. Er habe immer versucht, nah an den Menschen zu sein und Dinge anzuschieben. Solch ein Ergebnis motiviere zusätzlich. „Das gibt einen Schub.“ Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) sagte, er habe gar nicht mit so einem Resultat gerechnet, nicht beim ersten Mal. Es sei ein „Vertrauensbeweis“. „Ich bin wirklich glücklich.“

In Taufkirchen geht Sebastian Thoma (CSU) als Favorit in die Stichwahl. Er holte 38,4 Prozent der Stimmen und Naciye Özsu (SPD) kam auf 19,1 Prozent. „Ich bin positiv überrascht“, sagte der 63-Jährige, der den Wahlabend im Kultur- und Kongresszentrum verbrachte. „Ich hatte eher mit um die 30 Prozent der Stimmen gerechnet.“ „Ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis“, sagte Naciye Özsu. Trotz des klaren Rückstands auf den CSU-Kandidaten gab sie sich mit Blick auf die Stichwahl zuversichtlich: „Da kann die Sache ganz anders aussehen.“ Ex-Bürgermeister Jörg Pötke (ILT) erhielt zehn Prozent der Stimmen.
In Neubiberg schrammte Amtsinhaber Thomas Pardeller (CSU) haarscharf mit 49,7 Prozent der Stimmen am direkten Sieg vorbei. Den jungen CSU-Bürgermeister, der in seiner Partei als aufsteigender Stern galt, hat seine Kokain-Affäre offenkundig Stimmen gekostet. Er muss nun gegen Carola Grimminger (Grüne) nochmal antreten, die auf 35,3 Prozent kam. „Bei vier Kandidaten habe ich mit einer Stichwahl gerechnet“, sagte Pardeller. Es sei ein „deutliches Ergebnis“ und ein „Zeichen für die gute Arbeit der letzten Jahre“. Jetzt gelte es noch einmal zwei Wochen rausgehen und präsent sein. Ob er es ohne die Kokain-Affäre direkt zur Wiederwahl geschafft hätte, könne er nicht beantworten. Carola Grimminger sagte: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis.“

Einige Amtsinhaber hat es diesmal hart getroffen. Thomas Loderer (CSU) in Ottobrunn muss nach langen Jahren im Rathaus in die Stichwahl gegen Florian Schardt (SPD). Er bekam 42,8 Prozent der Stimmen, Schardt lag mit 39,9 Prozent knapp dahinter. Loderer sagte im Rathaus, er habe sowas befürchtet. „Ich hatte aber gehofft, dass ich es im ersten Wahlgang schaffe.“ Er kämpfe jetzt um jede Stimme. Schardt gab sich froh, aber geerdet. „Wir freuen uns über das Ergebnis und sind guter Dinge für die Stichwahl“, sagte er. Sie würden nochmal kämpfen müssen und alles reinwerfen, „um in zwei Wochen zu gewinnen“. Er wolle die Mehrheit überzeugen, „dass ich der richtige Bürgermeister für jetzt bin“.
In Pullach muss die einzige Grünen-Bürgermeisterin in die Stichwahl
Der Fünfkampf der Kandidaten in Pullach ist nach der ersten Wahlrunde zu einem Duell geworden, und dieses verspricht angesichts der sonntäglichen Zahlen Hochspannung in zwei Wochen. Amtsinhaberin Susanna Tausendfreund (Grüne) hat zwar die Pole Position geholt mit 36,4 Prozent und geht daher statistisch als leichte Favoritin in die Stichwahl, ihre Herausforderin Christine Eisenmann freilich verbuchte ihre 30,7 Prozent auf der Wahlparty im Rathaus sichtlich als Erfolg: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das gibt uns Rückenwind“, sagte diese. Die Kandidatin der CSU hat rund sieben Prozent mehr Stimmen erhalten als vor sechs Jahren in der ersten Runde. Damals war sie dann Susanna Tausendfreund in der Stichwahl relativ knapp unterlegen.

Die Pullacher Bürgermeisterin, die ihren bisher zwölf Jahren im Chefsessel des Rathauses weitere sechs hinzufügen will, goutierte das Ergebnis routiniert: „Ich bin zufrieden, Ich habe mit einer Stichwahl gerechnet und dass Christine Eisenmann diese Position haben wird.“ Der Pullacher Geschäftsleiter Heinrich Klein, der für Wir in Pullach (WiP) antrat, holte 19,0 Prozent der Stimmen.
Auf der anderen Seite des Isarhochufers ist das Nervenkostüm des Amtsinhabers derartigen Belastungen nicht ausgesetzt. Der Grünwalder Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU), der diesmal ohne offiziellen Gegenkandidat antrat und bereits 2020 mit Konkurrenz auf satte 70,9 Prozent kam, erreichte 84 Prozent. „Es ist ein eindeutiges Ergebnis. Die Leute haben mir wieder großes Vertrauen ausgesprochen“, so Neusiedl. Er wolle dies rechtfertigen und mit „voller Energie“ in die nächsten sechs Jahre gehen.
Bereits im ersten Anlauf setzte sich in Oberhaching trotz zwei Herausforderern von den Grünen und der Freien Wählergemeinschaft Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) wieder durch. Er holte mehr als 61,5 Prozent. Auch Peter Köstler (CSU) in Gräfelfing kann sich zurücklehnen. Er geht als strahlender Sieger aus dem Wahlabend hervor: Mit 58,2 Prozent der Stimmen sicherte er sich in Gräfelfing souverän eine zweite Amtszeit. Das Wahlergebnis ist in seiner Eindeutigkeit eine Überraschung, denn Köstler musste sich gegen vier Wettbewerber durchsetzen.

