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Kommunalwahl:Ruhdorfer hört auf

Nach bald 18 Jahren als Bürgermeister hält Matthias Ruhdorfer, 65, die Zeit reif für einen Jüngeren.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Schäftlarns Bürgermeister kandidiert nicht mehr, Christian Fürst will ihm nachfolgen

Von Vinzenz Gabriel, Schäftlarn

Eine politische Ära neigt sich in der Gemeinde Schäftlarn dem Ende zu. Nach nun bald 18 Jahren im Amt hat Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) erklärt, für die Kommunalwahl 2020 nicht mehr kandidieren zu wollen. Reiflich überlegt habe er seine Entscheidung, sich aber angesichts seines Alters von 65 Jahren dagegen entschieden. Auch wenn seine Partei ihn seiner Verdienste wegen ohne Weiteres für eine weitere Amtszeit unterstützt hätte, so ist Ruhdorfers Überzeugung: "Eine Wahl ist keine Abstimmung über Vergangenheit, sondern in die Zukunft gerichtet." Und auf eine weitere Amtszeit wolle er sich angesichts einer Zeitperspektive von sechs Jahren nicht mehr einlassen.

Kurz resümiert der Christsoziale seine Zeit als Rathauschef und nennt das Bürgermeisteramt eine "sehr anspruchsvolle nicht immer angenehme Aufgabe". "Es hat es mich schon mal viel Nerven gekostet und nicht immer sind die Aufgaben interessant gewesen", sagt er. Andererseits blieben ihm "schöne Begegnungen mit den Menschen und wichtige und spannende Aufgaben in Erinnerung", die zur Folge hatten, dass "mir die Entscheidung nicht leicht gefallen ist." Ganz aus dem politischen Geschäft zieht sich Ruhdorfer nicht zurück: Für den Kreistag werde er auf jeden Fall kandidieren und auch eine Kandidatur als Gemeinderat sei nicht ausgeschlossen, teilt er auf Anfrage mit.

Schwieriger wäre ihm der Abschied sicher gefallen, hätte er keinen Vorschlag für einen Nachfolger gehabt: Christian Fürst, der seit 2002 im Gemeinderat sitzt und 2017 den Ortsvorsitz der Schäftlarner CSU übernahm. "Ich bin überzeugt, dass er das Beste für die Menschen in der Region macht", sagt Ruhdorfer.

Christian Fürst stand ohne Gegenkandidat aus den eigenen Reihen bei der Aufstellungsversammlung am Dienstagabend zur Wahl. Der unverheiratete Fürst ist in Zell bei Schäftlarn aufgewachsen, studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte und ist seit 28 Jahren Mitglied der Feuerwehr in Ebenhausen. Seit elf Jahren arbeitet er als Büroleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der CSU-Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer im Stimmkreisbüro in Unterhaching.

Zu den politischen Schwerpunkten für die anstehende Kommunalwahl zählen für den 42-Jährigen die Ortsgestaltung, kommunaler Wohnungsbau, Siedlungsdruck aus München sowie diverse Bauprojekte. Die Ortskerne möchte er stärken und so gestalten, dass sie als Gemeindetreffpunkte dienen und sich die Bürger dort wohl fühlen. "Dazu gehört, dass es dort Einkaufsmöglichkeiten geben muss", sagte Fürst. Diesen Punkt verknüpft er mit seiner umweltpolitischen Ausrichtung. Der CSU-Kandidat möchte den Verkehr innerorts reduzieren und das auf freiwilliger Basis. "Es gilt, die Leute zu motivieren, innerorts mehr zu Fuß zu gehen oder das Rad zu nehmen, und dazu braucht es Einkaufsmöglichkeiten", sagte er. Damit noch mehr Menschen die S-Bahn nutzen, wolle er außerdem weitere Parkmöglichkeiten schaffen, denn die bisherigen Parkplätze reichten nicht mehr aus.

Wohnraumpolitisch gelte es, eine Antwort auf den Siedlungsdruck aus München zu finden. "Ich empfinde Schäftlarn als Teil des Oberlands, aber durch die Nähe zu München wird der Druck immer mehr", sagte Fürst. Er sieht die Gemeinde in der Pflicht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, aber eher in Form eines Einheimischenmodells und in kommunaler Hand. "Es geht mir um die Bewahrung des Dorfcharakters, ich sehe Schäftlarn nicht als Wachstumsregion, wir brauchen keine großen Neubaugebiete", sagte Fürst. Wichtige und notwendige Bauprojekte sind für ihn eine Mehrzweckturnhalle, ein neues Feuerwehrhaus und Raum für die Kinderbetreuung.

© SZ vom 26.09.2019

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