Kommunalwahl 2020 Nadler will die grüne Welle reiten

Christoph Nadler, Landratskandidat der Landkreis-Grünen.

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Der Landratskandidat kündigt nach seiner Nominierung an, im Wahlkampf auf Umweltthemen zu setzen.

Von Martin Mühlfenzl

Der Becher mit dem Sonnenblumenmuster, dessen Inhalt im Wahlkampf Kraft spenden soll, ist aus Bambusfasern, Maismehl sowie Harz und selbstverständlich kompostierbar. So ausgestattet wird Christoph Nadler, Fraktionschef der Grünen im Kreistag, in eine der schwierigeren Missionen zur Kommunalwahl am 15. März 2020 ziehen: Er soll CSU-Amtsinhaber Christoph Göbel aus dem Landratsamt vertreiben. Einstimmig schickten ihn die 53 Mitglieder des Kreisverbands bei ihrer Versammlung am Mittwochabend im Münchner Veranstaltungsforum Movimento ins Rennen um den Posten des Landrats im Landkreis München.

Die Einstimmigkeit, mit der die Kreis-Grünen ihren Landratskandidaten nominierten, lässt sich auf die momentane Stimmungslage in der Partei übertragen. Denn noch immer surfen sie auf der "grünen Welle", wie Nadler in seiner Vorstellungsrede sagte. Die hat der Partei im Oktober nach einem "megageilen Wahlkampf" ein "sensationelles Landtagswahlergebnis" und in der Unterhachingerin Claudia Köhler und dem Oberschleißheimer Markus Büchler gleich zwei Abgeordnete aus dem Landkreis im Maximilianeum beschert.

Nadler, im offenen weißen Hemd und blauen Jackett und trotz der 23 Jahre Erfahrung als Kreisrat ein wenig nervös in der Versammlung, genießt den derzeitigen Höhenflug seiner Partei, warnt aber auch: "16 Prozent in Sachsen, 42 Prozent in München - das sind nur Meinungsumfragen. Ich sage immer: Da kann sich in beide Richtungen noch was verändern."

Die Grünen wollen dafür Sorge tragen, dass dieser Trend nicht abreißt. "Wir haben in den Gemeinden ganz neue Netzwerke aufgebaut", sagt Christine Squarra, die für die Grünen das Rathaus in Aying erobern will, mit Blick auf den Erfolg des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". "Wir haben Erfolge mit Leuten gefeiert, mit denen wir vor einem halben Jahr noch nicht zusammengearbeitet haben." Diese Netzwerke müssten jetzt im Kommunalwahlkampf genutzt werden. "Wir müssen aber auch gute Konzepte haben und gut vorbereitet sein. Ich will diesen Wahlkampf auch nicht alleine führen, sondern mit euch gemeinsam aus der grünen Welle ein tolles Ergebnis machen", sagt Nadler und schickt jeweils einen Gruß an die SPD und die CSU. Man wolle die Sozialdemokraten als "zweitstärkste Kraft im Kreistag ablösen". Und er werde andere Schwerpunkte im Landratsamt setzen als sein "designierter Vorgänger", wie Nadler Landrat Göbel nennt. Unter diesem seien viele Sonntagsreden gehalten und Konzepte entwickelt worden. "Aber es wurde zu wenig umgesetzt."

Die CSU will Göbel am Samstag nominieren

Umwelt und Verkehr - diese beiden Zukunftsthemen will der Grüne voranbringen. Auch mit mehr Personal im Landratsamt, "notwendigen Experten", die unter Göbel nicht eingestellt worden sind, wie er sagt. Nadler spricht von neuen Windrädern, großflächigen Fotovoltaikanlagen, Radschnellwegen - und dem nördlichen und südlichen Isartal als Umweltschutzgebiet. "Das haben wir als Kreistag auf unseren Antrag hin schon 2013 beschlossen. Und seit sechs Jahren schlummert der Antrag bei der Regierung von Oberbayern."

CSU-Landrat Christoph Göbel, der 2014 nach einer Stichwahl ins Landratsamt gewählt wurde, wird am Samstag, 6. April, von seiner Partei offiziell für eine zweite Amtszeit nominiert. Die CSU-Kreisversammlung findet von 10 Uhr an im Fest-stadl in Aschheim statt. Dann haben sich bereits zwei Parteien im Landkreis in der Frage des Landratskandidaten festgelegt.

Es sind aber noch weitere Kandidaten zu erwarten, etwa von SPD und Freien Wählern. So hat der Landratsstellvertreter Otto Bußjäger bereits vor einigen Wochen sein Interesse an einer abermaligen Kandidatur bekundet. Aus der SPD wird zwar noch kein Name genannt, es gilt aber als sicher, dass die Partei einen eigenen Kandidaten oder eine Kandidatin aufstellt. Er habe bisher mit allen Fraktionen im Kreistag gut zusammengearbeitet, sagt Grünen-Kandidat Nadler. Für die Zukunft schließt er das für eine Partei allerdings aus, sollte diese 2020 antreten und den Einzug schaffen. Mit der AfD werde es keine vertieften Gespräche geben. "Grüßen ja, verhandeln nein."