Zum Interviewtermin an diesem kühlen Februartag kommt er mit dem Fahrrad und auf dem Weg zum Fraktionsraum der SPD im ersten Stock des Ismaninger Torfbahnhofs nimmt er gleich zwei Treppenstufen auf einmal. Oben angekommen, ist Bruno Rimmelspacher kein bisschen außer Puste. Der 87-Jährige geht federnden Schrittes zum großen Tisch in der Mitte des Zimmers, lässt sich in den Sessel fallen und beginnt gleich, gut gelaunt zu erzählen, warum er bei der Kommunalwahl am 8. März wieder kandidiert für den Gemeinderat in seinem Heimatort – zum neunten Mal seit 1978. Damit dürfte Rimmelspacher zu den ältesten Bewerbern in Bayern gehören. Was treibt den Ismaninger an, erneut anzutreten, während andere in diesem Alter längst im Ruhestand sind?
„Für mich wäre es ein falsches Signal, jetzt aufzuhören“, sagt der SPD-Politiker. Gerade in einer solch herausfordernden Zeit wie der jetzigen. Er, der auch immer noch an der Ludwig-Maximilians-Universität als emeritierter Professor tätig ist, will weiterhin sein Wissen und seine Expertise, seine Erfahrungen und seine Ideen für ein selbständiges und vor allem soziales Ismaning einbringen. Dass ihn der Ortsverein um eine neuerliche Kandidatur gebeten habe, „hat mir gezeigt, dass ich noch gebraucht werde“. Und dass seine Frau und seine drei Söhne – sie sind zwischen zwölf und 16 Jahren alt – ihm zugeraten hätten, habe die Entscheidung erleichtert.
Anders als bei der vergangenen Wahl steht Rimmelspacher dieses Mal auf Listenplatz sechs und nicht auf drei. Das könnte dennoch für den Wiedereinzug reichen, wo er denn wieder Alterspräsident wäre. Aktuell stellt die SPD neben Bürgermeister Alexander Greulich mit sieben Gemeinderäten die stärkste Fraktion im Rathaus – diese Position soll verteidigt werden.
Angesehen ist Rimmelspacher nicht nur in der SPD. Für den Zweiten Bürgermeister Max Kraus von der Freien Wählergemeinschaft gehört der Jurist zu „den klügsten Köpfen“. Sein Wissen und seine Erfahrung seien für die Gemeinde von großem Vorteil. Bürgermeister Greulich nennt seinen Parteifreund „unheimlich gewieft und kreativ“. Rimmelspacher sei immer bestens eingearbeitet und in allem sehr genau. Ein Mitglied des Gemeinderates habe einmal gesagt, wenn der Professor die Sitzungsunterlagen studiert habe, dann könne er es sich sparen.
1938 geboren in der Nähe von Karlsruhe, wuchs Rimmelspacher im Badischen in einem sozialdemokratisch geprägten und politischen Elternhaus auf. Schon sein Großvater saß für die SPD im Gemeinderat, sein Vater war Bürgermeister. Den Sozialdemokraten hat er sich in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre „aus Überzeugung“ angeschlossen, nicht zuletzt wegen der Debatte um eine etwaige atomare Bewaffnung der noch jungen Bundesrepublik.
Im Gemeinderat gilt Bruno Rimmelspacher stets als optimal vorbereitet
Nach dem Abitur entschied sich Rimmelspacher für ein Jurastudium in Heidelberg, München und Hamburg; anschließend sollte er schnell Karriere machen. Mit 30 Jahren erhielt er seine erste Professur am juristischen Lehrstuhl der Universität von Bielefeld, Anfang der Siebzigerjahre wurde er dort Prorektor, von 1971 bis 1973 auch Richter am Oberlandesgericht Hamm. 1973 wechselte er auf einen Lehrstuhl an die LMU. Bis heute unterrichtet er dort zwei- bis dreimal in der Woche.
1973 zog Rimmelspacher auch nach Ismaning, wo er mit seiner ersten Frau und den gemeinsamen Kindern sesshaft wurde. In die Kommunalpolitik ging er 1978, seitdem sitzt er im Gemeinderat, wo er sich als akribischer Arbeiter sieht. Als seinen größten Erfolg bezeichnet Rimmelspacher die von ihm angeregte Übernahme des Stromnetzes durch die Gemeinde Anfang der Neunzigerjahre. Rimmelspacher behält immer die Ruhe, ist eher zurückhaltend. Er weiß aber, dass sein Wort im Gemeinderat Gewicht hat. Darin liege der Schlüssel, sich auch im hohen Alter den Herausforderungen der Lokalpolitik zu stellen.
Sollte er noch einmal gewählt werden, wäre er zum Ende der Wahlperiode 93 – Gesundheit vorausgesetzt. Und wenn es nicht klappt mit der Wiederwahl? „Das Leben geht weiter“, sagt Rimmelspacher. Dann würde sich der 87-Jährige eine neue Betätigung suchen: „Vielleicht werde ich mich ein bisschen in der neueren Geschichte Ismanings, der des 20. Jahrhunderts, umsehen. Dafür habe ich ein gewisses Faible.“


