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Kommunalwahl in Sauerlach:Angriffslustige Herausforderer

Der Chef im Sauerlacher Rathaus wird gesucht.

(Foto: lks)

Mehr oder weniger Wachstum und ein Naturbad: Bei einem Aufeinandertreffen arbeiten die vier Bewerber fürs Bürgermeisteramt ihre unterschiedlichen Standpunkte heraus.

Um Punkt 21.30 Uhr ertönt ein Surren, und die weiß-blauen Jalousien an den Fenstern der Sauerlacher Mehrzweckhalle zuckeln langsam nach oben. Man kann das auch als Zeichen verstehen, denn eigentlich sollte diese Podiumsdiskussion der vier Kandidatinnen und Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 15. März jetzt in die Schlussrunde gehen.

"Aber wir haben noch so viele Fragen von Ihnen", sagt Moderator Stefan Brainbauer in Richtung des Publikums. "Deshalb werden wir jetzt etwas länger machen."

Satte 20 Fragen werden die vier Bewerber am Ende dieser Veranstaltung der örtlichen Agenda 21 beantwortet haben - kein Wunder angesichts der 350 Zuhörer in der Halle. Sie bekommen oft knackige Antworten, mitunter auch kontroverse Meinungen und mehr als eine Prise Angriffslust. Vor allem Ursula Gresser (FDP) spart nicht mit Attacken auf Bürgermeisterin Barbara Bogner (Unabhängige Bürgervereinigung). Diese habe in ihrer zwölfjährigen Amtszeit von der Arbeit ihres CSU-Vorgängers Walter Gigl profitiert, sagt Gresser. "Doch das ist aufgebraucht. Jetzt sind wir in einer Stagnation. Und dieser Stillstand tut der Gemeinde nicht gut."

In Sachen Wohnungsbau hält auch SPD-Bewerber Babak Afshar der Rathauschefin vor: "Sie hatten zwölf Jahre Zeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen." Doch geschehen sei zu wenig. Bogner lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, auch nicht, als Gresser sie einmal als "Altbürgermeisterin" bezeichnet. Ohnehin weiß die 59-Jährige, dass ihr Hauptkonkurrent mit ihr im Rathaus sitzt: Bauamtsleiter Hubert Zellner, der für die CSU ins Rennen geht.

Umdenken und enger zusammenrutschen

Der 50-Jährige ist bemüht, seine Chefin nicht frontal anzugreifen - obgleich sich die beiden, die sich duzen, hin und wieder korrigierend ins Wort fallen. Zellner verweist wiederholt auf ein "Ortsentwicklungskonzept", das er als Bürgermeister aufstellen wolle. Zudem wirbt der 50-Jährige für die Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft und eine Verdichtung in S-Bahn-Nähe. "Wir müssen ein bisschen umdenken, sparsam mit Boden umgehen und enger zusammenrutschen", betont Zellner.

Bogner gibt sich derweil betont wachstumsskeptisch. Ihr Ziel sei es, dass die derzeitige Einwohnerzahl Sauerlachs von 8300 bis zum Ende der nächsten Amtsperiode 2026 nicht über 9000 steige. "Ich will nicht, dass Sauerlach so aussieht wie Aschheim", sagt sie. Beim Thema Verkehr plädiert die Rathauschefin für eine überörtliche Lösung, um Autos und Lastwagen aus dem Ort zu bekommen. "Eine Trasse des Südrings, die müssen wir neu denken", fordert sie. Zudem sprechen sich Bogner und Zellner für ein Windrad unter dem Dach der Arge im Hofoldinger Forst aus und für eine Aufstockung des Parkdecks am S-Bahnhof.

Kritik gibt's dafür von den Nebensitzern. Gresser sagt über die Windrad-Pläne: "Wenn das vermeidbar ist, würde ich es im Hofoldinger Forst gerne vermeiden." Afshar lehnt eine zusätzliche Etage fürs Parkdeck ab: "Ich würde mich freuen, wenn wir hier andere Alternativen finden, um Autos aus Sauerlach rauszukriegen. Zum Beispiel einen E-Bus."

Ein Innovationspreis und ein Naturbad

Unterdessen sind die Herausforderer bemüht, mit neuen Ideen zu punkten. Zellner etwa möchte als Bürgermeister einen "Innovationspreis fürs Energiesparen" ausloben und einen Obstbaum für jedes neu geborene Baby in Sauerlach pflanzen. Gresser gibt sich zuversichtlich, bei der S 3 den 20-Minuten-Takt zu erreichen: "Meine persönliche Lebenserfahrung ist", sagt Gresser, "dass ich eigentlich jede Türe aufkriege". Derweil fordert Afshar ein papierloses Rathaus, ein Naturbad in Sauerlach sowie ein "parkähnliches Gewerbegebiet".

Und die Amtsinhaberin? Sie nennt als Ziele unter anderem die teilweise Umsetzung des Sportkonzepts, den Startschuss für den Bau des Gymnasiums und mehr Pflegeplätze für Senioren. "Wenn wir das alles geschafft haben", so Bogner, "dann gehe ich in Pension".

© SZ vom 07.02.2020/belo
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