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Kommunalwahl in Ottobrunn:Nuancen werden entscheiden

In Ottobrunn sind den Gestaltungsmöglichkeiten natürliche Grenzen gesetzt. Deshalb werden im Gemeinderat viele Projekte gemeinsam und einträchtig auf den Weg gebracht. Die drei Bürgermeisterkandidaten suchen dennoch nach Unterschieden - und die liegen oft im Detail

Am 15. März wird sich entscheiden, ob Erika Aulenbach recht behalten wird. Die Vorsitzende und Fraktionschefin der Bürgervereinigung Ottobrunn (BVO) ist ja gewissermaßen eine Wette eingegangen, indem sie schon vor Monaten behauptet hat, es lohne sich für ihre Gruppierung kaum, einen eigenen Bürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl aufzustellen. Der sei erstens nahezu chancenlos gegen Amtsinhaber Thomas Loderer, und zweitens sei ein Wahlkampf daher zu kostenintensiv. Soll heißen: für die BVO in diesem Fall umsonst.

Vom Kotau der Erika Aulenbach und der BVO vor dem amtierenden Rathauschef sind Sabine Athen und Tania Campbell indes weit entfernt. Und das nicht nur aus reinem Verantwortungsbewusstsein dem Wähler gegenüber, der - da sind sich die Bewerberin der SPD und der Grünen einig - schlichtweg demokratische Alternativen verdient hat. Beide sagen, unabhängig voneinander, sie wollten unbedingt in die Stichwahl gegen Loderer.

Der Christdemokrat Loderer zeichnet seit 2007 an der Spitze der Gemeindeverwaltung für die Gestaltung Ottobrunns verantwortlich, bei seiner ersten Wahl musste der ehemalige Wirtschaftsredakteur noch in die Stichwahl gegen Karl Heinz Eisfeld von der SPD, die er gewinnen konnte, sechs Jahre später setzte er sich im ersten Durchgang klar mit nahezu 53 Prozent gegen drei Mitbewerber durch.

Jetzt also haben die Ottobrunner die Auswahl aus drei Kandidaten, die sich gut kennen - und die in den vergangenen Jahren auch eng und gut zusammengearbeitet haben. Denn das mit der Gestaltungskraft in der flächenmäßig kleinsten Kommune des Landkreises mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte der Republik ist so eine Sache. Wo kein Platz zur Entfaltung besteht, müssen sich ein Bürgermeister, egal welcher Couleur, und der Gemeinderat zusammenraufen, um überhaupt etwas bewegen zu können.

Eine Schönheit soll das neue Isar-Center werden. Die verkehrliche Anbindung ist aber umstritten.

(Foto: Claus Schunk)

Die Ottobrunner Kommunalpolitik ist meist geprägt von sachorientierter, harmonischer Zusammenarbeit. Meist. In jüngerer Vergangenheit aber offenbarten sich leichte Risse im interfraktionellen Gebilde, das sich durch in der Regel einstimmige Beschlüsse im Gemeinderat auszeichnet. CSU-Gemeinderat Matthias Klebel wechselte die Fronten hin zur BVO und begründete dies vor allem mit dem Stil des amtierenden Bürgermeisters; Loderer, sagte Klebel, schlage zu oft einen unangemessenen Ton an und versuche Entscheidungen durchzudrücken. Etwa beim Thema Kunstrasenplatz, den der Rathauschef unbedingt will, der Gemeinderat aber vorerst auf Eis gelegt hat. Kritik der anderen Art kommt von FDP-Gemeinderat Axel Keller, der dem Amtsinhaber eine gewisse Bräsigkeit vorwirft, wenn es etwa um mehr Radsicherheit auf der Putzbrunner Straße mittels Radschutzstreifen geht.

Die direkten Kontrahentinnen Sabine Athen und Tania Campbell meiden frontale Angriffe, wohl auch in dem Wissen, vieles in der Gemeinde gemeinsam auf den Weg gebracht zu haben. Die Unterschiede liegen im Detail, in Vorstellungen darüber, wie das wenige, das entwickelt werden kann, neu gedacht werden soll.

Streitpunkt Verkehr: Beim Thema Sicherheit für Radler wie auf der Unterhachinger Straße gibt es Unterschiede.

(Foto: Claus Schunk)

Loderer wähnt sich auf dem richtigen Weg und sagt, Ottobrunn sei eine lebenswerte Gemeinde, zu der er mit seiner Arbeit - gemeinsam mit dem Gemeinderat - viel beigetragen habe. Schwerpunkte will der Rathauschef im Bereich Infrastruktur setzen - vor allem mit Blick auf die Ansiedlung der Fakultät für Luft- und Raumfahrt. Denn nur wenn diese mitwachse, könne der Kollaps vermieden werden, sagt er - etwa mit der Verlängerung der U 5 von Neuperlach-Süd aus. Dass die kommen muss, ist Konsens unter den Bürgermeisterkandidaten, ebenso der zweispurige Ausbau der S 7. Beides Projekte, die noch viel Zeit in Anspruch nehmen werden.

Bis dahin setzt Tania Campbell auf mehr Attraktivität beim Radverkehr, auf "sichere und bequeme" Radwege entlang der wichtigen Hauptverkehrsachsen. Und eine Einführung des MVG-Mietradsystems, das ihr CSU-Kontrahent ablehnt. Und natürlich will Campbell mit dem Klimaschutz punkten: von der Fassadenbegrünung über die Geothermie bis zu einer Verwaltung, die auf Klimaschutz setzt.

Sabine Athen will, ganz Sozialdemokratin, auch mit sozialen Themen punkten, der Schaffung von Wohnraum etwa mit sinnvoller Nachverdichtung an Hauptverkehrsachsen. Auch eine Aufstockung von Gewerbebauten wie bei der Generalsanierung des Isar-Centers wäre wünschenswert gewesen, um zusätzlichen, günstigen Wohnraum zu schaffen - hier sei eine Chance vertan worden.

Der Wahlkampf in Ottobrunn verläuft sachlich - wie es wohl auch im Sinne der Bewerber ist. Die großen Konflikte blieben aus. Das war in Ottobrunn aber schon mal anders - unter Loderers Vorgängerin Sabine Kudera von der SPD etwa. Von 1989 bis 2007 war die Sozialdemokratin Rathauschefin, was die CSU, die hier stets den Ton angab, nie so recht verschmerzen konnte. "Das war teilweise wie Krieg im Gemeinderat", erinnert sich eine erfahrene CSU-Gemeinderätin. Davon sind sie in Ottobrunn zum Glück Lichtjahre entfernt.

Wahl 2013/2014

Bürgermeister (2013):

Thomas Loderer (CSU) gewählt mit 52,7 Prozent der Stimmen

Gemeinderat (30 Sitze):

CSU 12 Sitze

SPD 7 Sitze

Grüne/ÖPD 5 Sitze

BVO 4 Sitze

FDP 2 Sitze

Wahlergebnis: CSU 40,7 Prozent

SPD 23,0 Prozent

Grüne/ÖDP 17,2 Prozent

BVO 13,4 Prozent

FDP 5,7 Prozent

© SZ vom 18.02.2020
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