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Kommunalwahl in Ottobrunn:Die Grünen blitzen ab

Ariane Wißmeier-Unverricht (links) und Monika Modrow-Lange bleiben Stellvertreter von Bürgermeister Thomas Loderer.

(Foto: Claus Schunk)

CSU und SPD teilen die Bürgermeisterposten in Ottobrunn unter sich auf

Wie sehr sich die Kräfteverhältnisse im Ottobrunner Gemeinderat verschoben haben, lässt sich am besten an der Sitzordnung erkennen. Die Grünen, die die Zahl ihrer Mandate auf neun mehr als verdoppeln konnten, saßen schon bei der konstituierenden Sitzung am Mittwochabend deutlich weiter vorne als in den vergangenen sechs Jahren - und damit sehr viel näher bei Bürgermeister Thomas Loderer. Die Sozialdemokraten hingegen, die nur noch mit vier Gemeinderäten im Gremium vertreten sind, rutschten räumlich in die zweite Reihe hinter die Grünen.

Geholfen hat der Ökopartei die neue Nähe zum Rathauschef bei der Wahl der Stellvertreter aber nicht. Vielmehr hat eine Allianz aus CSU und SPD, die mit 16 Mandaten gemeinsam die Mehrheit im Gemeinderat stellen, durchgesetzt, dass in der Frage der Stellvertreter alles beim alten bleibt: Zur Zweiten Bürgermeisterin wurde mit exakt 16 Stimmen erneut Monika Modrow-Lange von der CSU gewählt, Dritte Bürgermeisterin bleibt Ariane Wißmeier-Unverricht von der SPD, die auf 17 Ja-Stimmen kam.

Sehr zum Ärger von Tania Campbell, der Bürgermeisterkandidatin der Grünen, die sich in beiden Wahlen als Alternative zu den Kandidatinnen des schwarz-roten Bündnisse empfahl - und beide Male durchfiel. "Ich bin von der SPD sehr enttäuscht", sagt Campbell am Tag nach den Wahlen auf Nachfrage der SZ. "Noch im Wahlkampf hieß es von der SPD, es müsse Neuerungen im Gemeinderat und in der Zusammenarbeit geben." Letztlich sei es dann aber doch nur um "Machterhalt gegangen". Was das für die künftige Zusammenarbeit bedeuten werde, könne sie noch nicht sagen, sagt Campbell, die auch dem neu gewählten Kreistag angehört: "So habe ich kein Vertrauen in die SPD. Es hat sich nichts geändert."

Die SPD-Gemeinderätin und ehemalige Bürgermeisterkandidatin Sabine Athen will nicht verhehlen, dass es im Vorfeld eine Absprache mit der CSU gegeben habe. "Uns ging es aber nicht darum, die Grünen auszubremsen. Uns war wichtig, dass bei der Besetzung auch die Vorstellungen des Bürgermeisters berücksichtigt werden", sagt Athen. Modrow-Lange und Wißmeier-Unverricht hätten in den vergangenen sechs Jahren mit Rathauschef Loderer vertrauensvoll zusammengearbeitet und einen guten Job gemacht. "Im Gemeinderat geht es uns als SPD um gute Sachpolitik, und die wird in den Ausschüssen gemacht", sagt Athen. Dabei sei es selbstverständlich gewesen, dass die Grünen etwa den Posten des Referenten für Klima und Umwelt zugesprochen bekommen hätten.

Heftige Kritik am Verhalten von CSU und SPD übt auch Erika Aulenbach, Fraktionssprecherin der Bürgervereinigung Ottobrunn (BVO). Sie sagt, die Absprache sei ein "unwürdiges Postengeschacher", bei dem sich die SPD als "Steigbügelhalter" der Christsozialen und des Rathauschefs geriert hätten. Gleich zu Beginn der neuen Amtsperiode offenbare sich ein "tiefer Riss quer durch den Ottobrunner Gemeinderat" - SPD und CSU hätten offenbar keine Interesse an "einer Zusammenarbeit und einem Miteinander" zum Wohle der Gemeinde, so Aulenbach.

Campbell blickt trotz der Verwerfungen in der konstituierenden Sitzung positiv gestimmt in die Zukunft: "Wir haben eine tolle und starke Fraktion, die Stimmung ist gut, wir sind fachlich und sachlich super aufgestellt." Mit ihrem ersten Antrag, die Referenten des Gemeinderats sollten künftig dem Gremium regelmäßig Bericht erstatten, konnte sich die neue Fraktion allerdings nicht durchsetzen. Einer aber wird das wohl doch tun: Der Grüne Leon Matella, mit 21 Jahren das jüngste Gemeinderatsmitglied, der sich künftig um die Themen Kinder und Jugend kümmern wird.

© SZ vom 15.05.2020

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