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Kommunalwahl in Höhenkirchen-Siegertsbrunn:Drei Frauen an der Spitze

Bürgermeisterin Mindy Konwitschny hat in Luitgart Dittmann-Chylla und Andrea Hanisch zwei weibliche Stellvertreterinnen, CSU-Kandidat Leonhard Karl unterliegt bei beiden Wahlen

Sportwettkämpfe, Blaskonzerte und Bürgerversammlungen: Die Mehrzweckhalle an der Sigoho-Marchwart-Grundschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat schon viel erlebt. Am Mittwoch wurde dort mit der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats eine Premiere und ein bemerkenswertes Comeback geboten. Andrea Hanisch (UB) kam zurück auf die politische Bühne. Die von der CSU ausgebootete designierte Bürgermeisterkandidatin, die aus Partei und Gemeinderat austrat, für die Unabhängigen dann eine Niederlage einsteckte, wurde zur Dritten Bürgermeisterin gewählt. Die CSU ging leer aus.

Insgesamt war es ein Abend der starken Frauen in der seit Jahren schon von Frauen geprägten Gemeinde. Die nach 18 Jahren aus dem Amt geschiedene Ursula Mayer (CSU) war krankheitsbedingt nicht gekommen, um zu erleben, wie ihre Nachfolgerin Mindy Konwitschny (SPD) vereidigt wurde und vom ältesten Gemeinderat Norbert Mayer (UB) die Amtskette umgehängt bekam. Hinter Konwitschny, 46, die Zweite Bürgermeisterin gewesen war, rückte die bisherige Dritte Bürgermeisterin Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) zur ersten Stellvertreterin auf. Sie erhielt 16 Stimmen. Neun Stimmen entfielen auf Leonhard Karl von der CSU. So ging auch die Wahl von Hanisch aus, die ebenso ihren Konkurrenten Karl übertrumpfte.

Anmerken ließ sich Hanisch nichts. Doch die 60-Jährige, die vor Jahren schon mal für die CSU als Dritte Bürgermeisterin die Gemeinde repräsentierte, dürfte so etwas wie Genugtuung empfunden haben. Und die Grünen dürften zufrieden konstatiert haben, dass ihr durch die Wahl gestiegenes Gewicht im Gremium mit jetzt sechs statt drei Gemeinderäten seinen Niederschlag gefunden hat. Die CSU musste dagegen nach dem Verlust des Bürgermeisteramts als mit sieben Vertretern immerhin größte Fraktion erleben, dass gegen die kooperierenden SPD, Grüne und UB wenig zu holen ist. Per einstimmigem Votum wurden Leonhard Karl (CSU) und Max Lachner (AFW) in den erweiterten Kreis der Bürgermeister-Stellvertreter aufgenommen. Eine Besonderheit in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Sie können damit vor allem repräsentative Aufgaben wahrnehmen.

Bei ihrer ersten Sitzung als Erste Bürgermeisterin zeigte Mindy Konwitschny, dass sie aus ihrer Zeit als Mayers Stellvertreterin Erfahrung mitbringt. Sie würdigte die Arbeit ihrer Vorgängerin und verabschiedete die ausscheidenden Gemeinderäte. Hans Loidl (CSU) hatte etwa 30 Jahre dem Gemeinderat angehört, Johann Karl (CSU) sogar 33 Jahre. Nach einem kurzen Appell zur überparteilichen Zusammenarbeit "zum Wohl der Gemeinde" ging es nach der Besetzung mehrerer Posten in Gremien gleich um Kommunalwohnungen, fehlende Betreuungsplätze für Kinder und benötigte Klassenräume an der Erich-Kästner-Schule.

Martha Wachinger (CSU) und Rupert Franke (SPD) vertreten mit der Bürgermeisterin die Gemeinde im wegen der anstehenden Erweiterung des Gymnasiums und des Realschulbaus wichtigen Zweckverband weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises. Mathias Mooz (CSU) bringt als einziger Vertreter die Gemeindeinteressen im verkleinerten Aufsichtsrat der Volkshochschule Südost ein. Die CSU-Fraktion führt der Ortsvorsitzende und unterlegene Bürgermeisterkandidat Roland Spingler. Bei der SPD-Fraktion steht Anita Reiprich an der Spitze und bei den Grünen gibt es eine Doppelspitze mit Gudrun Hackl-Stoll und Karsten Voges, der sich wie Spingler und Hanisch vergeblich ums Bürgermeisteramt beworben hatte. UB-Sprecher ist Manfred Eberhard, AFW-Sprecher Walter Kratschmann.

© SZ vom 16.05.2020

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