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Kommunalwahl in Grünwald:Suche nach Plakatdieb wird immer rätselhafter

Die Polizei stellt ihre Ermittlungen gegen einen verdächtigen Grünwalder ein, die FDP vermutet abgekartetes Spiel.

Wie sieht ein Bauhofmitarbeiter aus? Trägt er einen langen, dunklen Mantel und eine Schiebermütze? Oder doch eher einen orangefarbenen Overall? In dem rätselhaften Fall um den Plakaträuber vom Grünwalder Bavariafilmplatz stellt sich nun auch diese Frage.

Jedenfalls wird die Verwirrung immer größer, nachdem die Münchner Polizei am Freitag mitgeteilt hat, der Verdächtige sei durch die Ermittlungen entlastet. Man habe ihn zu den Vorwürfen befragt und sich auch bei der Gemeinde erkundigt, so ein Polizeisprecher zur SZ. Das Ergebnis: Der Beschuldigte habe nicht nur ein Alibi, die Gemeinde Grünwald habe zudem mitgeteilt, der Bauhof selbst habe am Dienstagmorgen vom Sturm zerstörte und zerrissene Plakate entfernt - nicht nur, aber auch am Bavariafilmplatz.

Auf die Anzeige folgte die Gegenanzeige

Zur Erinnerung: Ein FDP-Mitglied hatte am Dienstag um 10.15 Uhr einen älteren Mann mit Leiter dabei beobachtet und fotografiert, wie dieser am Bavariafilmplatz drei Plakate der Partei abhängte. Nachdem mehrere alteingesessene Grünwalder auf den Fotos einen 84-jährigen ehemaligen CSU-Politiker erkannt haben wollten, der einst Büroleiter von Franz Josef Strauß und Staatssekretär im Verkehrsministerium war und noch bis 2014 im Grünwalder Gemeinderat saß, erstattete die FDP Anzeige. Der Beschuldigte wiederum reagierte umgehend mit einer Gegenanzeige wegen Verleumdung. Seine Erklärung: Es müsse sich um einen Doppelgänger handeln.

Nachdem die Polizei nun die Ermittlungen eingestellt hat, stellt sich die Frage: Hat der Unbekannte, der am Dienstag ertappt und fotografiert wurde, im Auftrag des Bauhofs gehandelt? War der offenkundig ältere Mann mit der Leiter gar ein Angestellter der Gemeinde? "Ich weiß es nicht", sagt der Polizeipressesprecher. "Nein", sagt Grünwalds Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU). Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Die Bauhofmitarbeiter seien auf ihrer Runde nach dem Sturm in der Nacht auf Dienstag vermutlich auch früher unterwegs gewesen als um 10.15 Uhr. Warum die Gemeinde dennoch dies der Polizei zu ihren Ermittlungen mitteilt und warum die Polizei dieses wiederum zu den Akten nimmt - diese Fragen blieben am Freitag ungeklärt.

Der Zeuge bleibt bei seiner Aussage

Der Zeuge jedenfalls bleibt bei seiner Aussage, wonach der Unbekannte keineswegs auf dem Boden liegende, zerfetzte Plakate eingesammelt habe. Der Mann habe auf Grund seines Äußeren und seines Alters auch nicht nach einem Bauhofmitarbeiter ausgesehen. Auch sei kein Fahrzeug des Bauhofs zu sehen gewesen. Während eines Telefonats habe er vielmehr beobachtet, wie der Mann auf einer Leiter stand und "irgendwas am Plakat machte". Zunächst sei er davon ausgegangen, "das ist einer von uns". Als er jedoch erneut aus dem Fenster schaute, habe er gesehen: "Das Plakat ist weg, er hat eine Zange und Kabelbinder in der Hand. Das kam mir dann doch komisch vor." Daraufhin habe er die Fotos gemacht und diese an FDP-Gemeinderat Michael Ritz geschickt.

Dieser will sich mit der Auskunft der Polizei zur Einstellung der Ermittlungen nicht zufrieden geben und vermutet eine gezielte Desinformation seitens der Gemeinde. "Ich glaube, dass Neusiedl den Auftrag bekommen hat, Schaden von der CSU abzuwenden", so Ritz, der zur Kommunalwahl gegen den Bürgermeister kandidiert. "Wir ziehen die Anzeige nicht zurück. Und ob der Verdächtige entlastet ist, entscheidet nicht die Polizei, sondern der Staatsanwalt."

© SZ vom 08.02.2020/belo
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