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Kommunalwahl in Baierbrunn:Schaulaufen fürs Bürgermeisteramt

Vier gewinnt? Nein, nur einer aus dem Quartett der Kandidaten Felix Maiwald, Uwe Harfich, Patrick Ott und Reinhard Löhr (v.l.) wird Bürgermeister.

(Foto: Claus Schunk)

Bei der Podiumsdiskussion in Baierbrunn sind vier umgängliche Kandidaten zu erleben

Von Udo Watter, Baierbrunn

Peter Tilmann gab den Unparteiischen. Am Rande der Bühne sitzend weilte sein Blick auf der Handy-Uhr und immer wenn die Redezeit eines der vier Kandidaten die kritische Phase erreichte, zückte der Sprecher der Baierbrunner Grünen die gelbe Karte. Moderatorin Karolina Hofmeister von Radio Oberland näherte sich dann behutsam dem Sprecher und gab so zu verstehen: "Lange hast du nicht mehr." Die vier Männer, die sich um das Bürgermeisteramt in Baierbrunn bewerben und sich am Donnerstag in einer Podiumsdiskussion der Wählerschaft präsentierten, hielten sich an ihren Stehpulten aber quasi untadelig an die Regeln. Tillmann musste nur selten die rote Karte wegen Zeitüberschreitung zücken, und keiner der Kandidaten fiel durch verbale Ungezogenheiten auf.

Der Abend zeigte in Zeiten, in denen viele die politische Streitkultur auf einem Tiefpunkt sehen, dass es auch anders geht. Reinhard Löhr (FDP), Patrick Ott (ÜWG, Überparteiliche Wählergemeinschaft), Felix Maiwald (CSU) und Uwe Harfich (SPD), die sich auf einer Bühne in der ehemaligen Kelvionhalle der Firma Aurelis vor mehreren hundert Zuhörern zu Fragen der Baierbrunner Politik äußerten, gingen freundlich miteinander um, nannte sich alle beim Vornamen. Dabei geht es um viel: Der Nachfolger des amtierenden Rathauschefs Wolfgang Jirschik (ÜWG) wird der erste hauptamtliche Bürgermeister sein (zudem wird der Gemeinderat von 14 auf 16 Sitze erweitert). Jirschik, der nicht mehr antritt, sah, dass sich sein Nachfolger als Kandidat der ÜWG gut schlug: Ott, der in seinem politischen Leben schon Mitglied der CSU und FDP war, erwies sich als eloquent und zugewandt: "Die politische Arbeit und das politische Engagement ist Teil meines Seins." Zudem hob er seine Kompetenz hervor ("Abschluss in öffentlicher Verwaltung"). Im Prinzip war das der Zweiklang, den auch die anderen Kandidaten anstimmten, als Antwort, warum man sie wählen solle: politische Leidenschaft und fachliche Fähigkeit. Hinzu kam als Argument noch die Verwurzelung im Ort. Maiwald und besonders Harfich versuchten damit zu punkten, dass sie quasi seit ihrer Geburt in Baierbrunn leben. Aber auch Löhr und Ott, der in Schäftlarn wohnt, konnten darstellen, dass ihnen das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt. In vielen Punkten - die Kandidaten antworteten auf festgelegte sowie spontane (Publikums-)Fragen - vertraten sie ähnliche bis gleiche Ansichten: moderates Wachstum, Erhalt des dörflichen Charakters, Umweltschutz, Gewerbeansiedlung, Seniorenpolitik - was da von sich gegeben wurde, klang alles recht vernünftig. Maiwald betonte, dass er es war, der schon 2018 einen Ortsentwicklungsplan vorgeschlagen habe. Beim Thema "Grundschule" herrschte weitgehend Konsens, dass eine Erweiterung einen Neubau als realistische Option abgelöst habe. Die Aussicht, dass eine Mittelschule nach ihrem Umzug von Pullach in Baierbrunn entstehen könnte inklusive Dreifachturnhalle, wurde von Löhr, Harfich und Ott positiv gesehen. Maiwald sagte, dass er daran aufgrund von Aussagen aus Pullach nicht mehr glaube. Ansonsten gab es wenig Kontroverses: kleine Sticheleien zwischen Ott und Maiwald, die beide rhetorisch versierter agierten als Löhr und Harfich. Zudem fiel auf, dass Harfich, Vorstandsmitglied beim SC Baierbrunn, es versäumte, bei der Frage nach den jeweiligen Qualitäten der drei Gegenkandidaten konkret zu antworten. Einer Bürgerin, die sich in der Publikumsrunde äußerte, war die Diskussion dennoch zu "weichgespült", sie wollte mehr wissen über Alleinstellungsmerkmale.

Löhr, betonte, dass er es gewohnt sei, Entscheidungen zu treffen und als Betriebswirt "Zahlen lesen" könne, Maiwald, dass er versiert in Menschenführung sei und gute Kontakte zu Politikern wie Landrat Christoph Göbel (CSU) habe, Harfich hob seine Heimatverbundenheit und positive Energie hervor, Ott sieht sich als kompetenten Gestalter. Peter Tilmann musste sich nicht weiter darstellen - die Grünen, die Mitveranstalter der Diskussion waren, haben keinen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt.

© SZ vom 07.03.2020
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