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Kommunalwahl im Landkreis München:Klarer Sieg für Susanna Tausendfreund

Die Kandidatin der Grünen gewinnt die Bürgermeisterstichwahl in Pullach mit großem Vorsprung und setzt auf Kooperation.

Von Jürgen Wolfram

Die Sensation ist perfekt: Susanna Tausendfreund hat am Sonntag die Bürgermeisterstichwahl in Pullach klar gewonnen. Auf die Kandidatin der Grünen entfielen 69,96 Prozent der Stimmen. Damit distanzierte sie ihren Rivalen von der CSU, Andreas Most - er brachte es auf 30,04 Prozent - wie schon in der ersten Abstimmungsrunde am 16. März deutlich. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,7 Prozent. Tausendfreund und Angelika Obermayr in Grafing sind die einzigen Grünen-Frauen in ganz Oberbayern, die das kommunale Spitzenamt erobern konnten.

Pullach, Rathaus, BM-Wahl,

Gratulation für die Grüne: Der scheidende Pullacher Bürgermeister Jürgen Westenthanner freut sich mit seiner Nachfolgerin Susanna Tausendfreund.

(Foto: Angelika Bardehle)

Nach Auszählung der Stimmen zeigte sich Tausendfreund "überwältigt von dem Vertrauensbeweis" der Wählerinnen und Wähler. Sie versprach, mit allen politischen Kräften im Ort gut zu kooperieren, und dankte ihren Gegnern für einen fairen Wahlkampf. Ihr überragendes Stichwahl-Resultat quittierte sie mit einem Rückblick auf die vergangenen Tage: "Die Stimmung im ganzen Ort war phantastisch, ich habe eine richtige Sympathiewelle gespürt." Sie sei sich bewusst, dass sie im Mai eine "Riesenaufgabe" übernehme, sagte die 51-jährige Rechtsanwältin. Tatsächlich fehlt es in Pullach nicht an Herausforderungen, von der Überplanung des BND-Geländes bis zur Grundschulerweiterung, von der Hallenbad-Erneuerung bis hin zu zähen Verhandlungen über den ehemaligen Staatsbahnhof Großhesselohe. Es gehe jetzt darum, Pullach liebens- und lebenswert zu erhalten, sagte die ehemalige Landtagsabgeordnete. Ihr schwebt vor, sich mit dem neuen Gemeinderat erst einmal in Klausur zu begeben, um sich klar darüber zu werden, wo Pullach in sechs Jahren stehen soll.

Mit versteinerten Mienen verfolgten die führenden CSU-Kommunalpolitiker im Rathaussaal die Stimmenauszählung. Einen grünen Wahlsieg in dieser Deutlichkeit habe er nicht erwartet, bekannte der noch amtierende Bürgermeister Jürgen Westenthanner. Andreas Most, der geschlagene CSU-Bewerber, nahm seine Niederlage vergleichsweise gelassen. Das Scheitern seiner Aufholjagd nach dem ersten Wahldurchgang - er war mehr als 20 Mal im Einsatz - führt er auch darauf zurück, dass seine Partei "an einsamer Front" habe kämpfen müssen. SPD, FDP und viele Ortsprominente hätten ganz offen Susanna Tausendfreund unterstützt, dagegen sei nicht anzukommen gewesen. Auch sei die Wahlbeteiligung erneut enttäuschend ausgefallen - ein Manko für die CSU, wie er glaubt. Seiner Kontrahentin bescheinigte Most, sich "bravourös geschlagen" zu haben. Und er kündigte an, künftig in der dezimierten CSU-Ratsfraktion eine "führende Rolle" spielen zu wollen. Die Pullacher Kommunalpolitik sei ihn jedenfalls noch lange nicht los. Erste Erfahrungen in diesem Metier hat er einst in Hannover gesammelt.

Im großen Sitzungssaal des Pullacher Rathauses kam am Sonntagabend fast so etwas wie Partystimmung auf, die sich später im "Treibhaus" noch beträchtlich steigerte. Langjährige Weggefährten der in Pullach aufgewachsenen Grünen, die schon in zahllosen politischen Gremien Spuren hinterlassen hat, fanden sich zur Gratulationscour ein. Einer der örtlichen Ur-Grünen, der ehemalige Gemeinderat Günther Heinicke überreichte der Siegerin einen Blumenstrauß und würdigte ihre Verdienste. "30 Jahre Überzeugungsarbeit werden endlich belohnt", so Heinicke. Die Pullacher hätten eine gute Wahl getroffen, denn Tausendfreund sei eine, "die die Sache stets wichtiger nimmt als sich selbst".

Lutz Schonert, Ortsvorsitzender der Grünen, konnte das Ergebnis kaum fassen. "Ich bin einfach begeistert", kam es ihm über die Lippen. Wie so viele andere im Saal freute sich auch die ehemalige Bürgermeisterin Sabine Würthner (FDP) über den Ausgang des Pullacher Wahldramas. Nicht nur weil sie eine Frau ist, sondern weil sie eine respektable Persönlichkeit sei, findet Würthner die Nachfolgerin Jürgen Westenthanners "ganz wunderbar". Selbst die Vertreter der neuen, bei der Gemeinderatswahl so erfolgreichen Gruppierung WIP ersetzten ihre Neutralität kurz durch beifälliges Strahlen. "Frau Tausendfreund ist gut vernetzt, das kann Pullach nur nützen", sagte der WIP-Vorsitzende Reinhard Vennekold.

© SZ vom 31.03.2014
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