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Kommunalwahl im Landkreis München:Grüne wollen Wahl rocken

Am 15. März 2020 ist Kommunalwahl. Die Grünen wollen dafür ihre guten Umfragewerte nutzen.

(Foto: CLAUS SCHUNK)

In Unterhaching schickt die Partei Armin Konetschny ins Rennen um das Bürgermeisteramt, in Ottobrunn versucht es Tania Campbell.

Es war wohl das am besten gehütete Geheimnis in Unterhaching in den vergangenen Wochen: Wer tritt für die Grünen als Bürgermeisterkandidat an? Viele hatten es durchaus für möglich gehalten, dass die Landtagsabgeordnete Claudia Köhler erneut Anlauf auf den Chefsessel im Rathaus nimmt. Jetzt, da die Grünen auf der Erfolgswelle schwimmen und sich bessere Chancen denn je ausrechnen. Doch nun steht fest: Armin Konetschny tritt an. Der Ortsverband hat ihn am Donnerstagabend zum Kandidaten gekürt. Gleichzeitig haben die Parteifreunde im benachbarten Ottobrunn Tania Campbell nominiert.

Sogar Richard Raiser, der CSU-Fraktionschef im Unterhachinger Gemeinderat, war offenbar so gespannt, wen die Grünen wohl aufstellen werden, dass er als Gast das Treffen der politischen Konkurrenz im überhitzten Saal des Rathauses einem Biergartenbesuch vorzog. "Mit Konetschny habe ich überhaupt nicht gerechnet", gab Raiser seine Überraschung zu. Wirklich präsent ist der 56-jährige IT-Spezialist in den vergangenen Jahren im kommunalpolitischen Geschehen der Gemeinde auch nicht gewesen.

Schon einmal im Unterhachinger Gemeinderat

Obwohl er seit 1976 mit Unterbrechungen in Unterhaching wohnt und seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl der Partei angehört. Seine Gemeinderatstätigkeit liegt aber bereits mehr als 20 Jahre zurück. Jetzt rückt er in den Fokus, sodass die Partei nach 33 Jahren seiner Mitgliedschaft bemerkt hat, dass sie seit 1986 seinen Namen falsch geschrieben hat. Rechtzeitig, bevor die Wahlplakate gedruckt werden, hat man ein überflüssiges Z gestrichen und die Schreibweise korrigiert.

Tania Campbell kandidiert in Ottobrunn.

(Foto: Claus Schunk)

Köhler ist aber nicht bange, dass der Grünen-Kandidat bis zum Wahltag seinen Bekanntheitsgrad noch enorm steigern wird. Nach der Vorstellungsrede, in der Konetschny nicht nur seine Eloquenz bewies, sondern auch die grünen Themen von Klimawandel über Artenschutz, Mobilität per Fahrrad, Energiewende und sozialgerechte Bodennutzung bis hin zu Nachhaltigkeit, Digitalisierung und einem intensiven Dialog mit den Bürgern durchdeklinierte, sah man eine begeisterte Ortsvorsitzende Köhler, die ehrlich überzeugt ist, dass ihre Grünen den Richtigen für diesen Job in Unterhaching gefunden haben. "Ich freue mich total über den tollen Start", sagt sie, nachdem Konetschny mit 18 von 19 Stimmen gewählt worden war. "Ich bin mir sicher, dass wir den Wahlkampf rocken werden." Als erste Stärkung überreichte sie dem Kandidaten einen Honig aus dem Unterhachinger Krautgarten.

Claudia Köhler will ihr Versprechen halten

Dass sie nicht selbst nach 2014 noch einmal für das Bürgermeisteramt kandidiert, begründete Köhler mit ihrem Versprechen, das sie bei der Landtagswahl gegeben hatte: "Ich bin angetreten, um ein Bindeglied zwischen Kommunal- und Landespolitik zu sein, mich für die Interessen der Landkreiskommunen einzusetzen, und bin in allen Gemeinden großartig unterstützt worden", sagte sie. Sie wolle die Menschen nicht enttäuschen. Ein Nachrücker im Bayerischen Landtag käme - würde sie Unterhachinger Bürgermeisterin werden - nämlich nicht aus dem Landkreis München.

Zwei Frauen fordern Ottobrunns Bürgermeister heraus

Die Chance, eine Bürgermeisterin zu wählen, haben die Ottobrunner Bürger bei der Kommunalwahl im kommenden Frühjahr - beziehungsweise gleich zwei Chancen. Nach den Sozialdemokraten, die ihre Vorsitzende Sabine Athen nominiert haben, gehen auch die Grünen mit einer Bewerberin ins Rennen. Am Donnerstagabend kürten sie einstimmig ihre Gemeinderätin Tania Campbell zur Bürgermeisterkandidatin. Die 51-Jährige - geboren in England und aufgewaschen in Ottobrunn - gehört dem Gremium seit 2014 an, ist aber erst vor der Landtagswahl im vergangenen Jahr der Partei beigetreten. Campbell hat in York Elektronik studiert, arbeitete viele Jahre lang als Patentingenieurin, war in der Forschung und als Managerin tätig und ist seit 2012 in der Personalentwicklung bei einem großen mittelständischen Unternehmen. Sie spricht Deutsch, Englisch, Niederländisch und Französisch.

Und sie ist passionierte Radfahrerin. Ein Auto besitzt ihre Familie nicht, in Ottobrunn hat Campbell die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs gegründet. Schon allein deshalb liegen ihr auch als Gemeinderätin vor allem Verkehrs- und Energiethemen am Herzen. "Wir brauchen auch in Ottobrunn die Verkehrswende und die Energiewende, da ist bisher nicht genug geschehen", sagt Campbell. Sie wolle auch die gesamte Arbeit der Gemeindeverwaltung auf Klimaschutz und Umweltverträglichkeit "mit entsprechender Stärkung der Rolle des Umweltamtes" ausrichten.

Tania Campbell setzt sich für bessere Radwege ein

"Einige Maßnahmen zur Förderung klimafreundlicher Mobilität durch Verbesserungen der Fahrradinfrastruktur sind ganz naheliegend und kurzfristig umsetzbar", sagt sie. "Dazu gehört es, sichere und bequeme Radwege entlang der Putzbrunner Straße, Unterhachinger Straße und Ottostraße zu bauen und die MVG-Leihräder nach Ottobrunn zu bringen." Als Ingenieurin und auch als Dozentin an einer Britischen Fernuni in den Lehrfächern Mathematik, Physik, Biologie und Geologie liege ihr auch der internationale Ruf Ottobrunns als Hochtechnologiestandort am Herzen, macht die Kandidatin der Grünen deutlich. "Dies werde ich als Bürgermeisterin auf Augenhöhe mit den relevanten Firmen und der TU München weiter ausbauen."

Armin Konetschny tritt in Unterhaching an.

(Foto: Claus Schunk)

Für den Wahlkampf darf sich Campbell auf einen deutlich gestärkten Ortsverband freuen, der nach einigen Eintritten in jüngerer Vergangenheit derzeit auf 19 Mitglieder kommt. Nach den Grünen und der SPD nominiert am kommenden Mittwoch, 3. Juli, auch die CSU ihren Kandidaten - und der wird wieder Thomas Loderer heißen. Der Mann, den zwei Frauen aus dem Amt hebeln wollen.

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