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Kommunalwahl im Landkreis München:Freie Verlierer

FW-Kandidaten leiden am stärksten unter dem Siegeszug der CSU

Nach der Auszählung angezählt - auf diesen kurzen Nenner lässt sich die gegenwärtige Lage der Freie-Wähler-Gruppierungen im Landkreis München bringen. Die Bilanz der Bürgermeisterstichwahlen ist jedenfalls alles andere als erbaulich: In acht Landkreisgemeinden hatten es freie Kandidaten in die zweite Runde geschafft, nur zwei setzten sich am Ende durch, nämlich Andreas Janson, der in Feldkirchen auf den nicht mehr angetretenen Werner van der Weck (SPD) folgt, und Patrick Ott, der sich in Baierbrunn mit 61,2 Prozent der Stimmen deutlich gegen Uwe Harfich (SPD) durchsetzte. Dagegen konnten sich Eugen Stubenvoll (Aschheim), Hermann Oswald (Aying), Pauline Miller (Hohenbrunn) und Cornelia David (Planegg) nicht ins Amt hieven, während die bisherigen Rathauschefs Christian Kuchlbauer (Oberschleißheim) und Uta Wüst (Gräfelfing) sogar ihre Amtsketten weiterreichen müssen.

"Dass uns hier zwei Bürgermeister rausgekegelt wurden, ist natürlich schade", sagt der Vorsitzende der Freien Wähler München-Land, Nikolaus Kraus. "Unterm Strich können wir mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein", so der Landtagsabgeordnete aus Ismaning. Dass die Freien Wähler im Gegensatz zur CSU nicht von der aktuellen Situation profitieren konnten, liegt nach Meinung von Kraus vor allem an Ministerpräsident Markus Söder: "Man muss neidlos anerkennen, dass er einen super Job macht. Er hat sich angenehm entwickelt." Auch der "Grünen-Hype" der letzten Monate habe sich negativ auf das Kommunalwahlergebnis der freien Gruppierungen ausgewirkt, glaubt Kraus: "Aber ich denke, dass sich viele Dinge nach der Krise wieder relativieren und dann auch die wirtschaftlichen Folgen eine größere politische Bedeutung bekommen."

Ayings Bürgermeister Johann Eichler von der Parteiunabhängigen Wählergemeinschaft Helfendorf hätte wohl gerne seinen eigenen Mann, Hermann Oswald, als neuen Bürgermeister gesehen. Dass dieser knapp verloren hat gegen CSU-Mann Peter Wagner, dafür glaubt er einen Grund zu kennen: In Aying, Höhenkirchen, Feldkirchen oder Planegg hätten jeweils die amtierenden Bürgermeister nicht mehr kandidiert, und in all diesen Gemeinden hätten es Kandidaten aus der Bürgermeisterfraktion nicht geschafft. Die Freien hätten aber auch einen schweren Stand, weil sie keine etablierten Namen hätten wie CSU oder SPD. "Wer weiß schon, was PWH heißt", fragt Eichler rhetorisch. Die Freien müssten sich bei den Wählern immer wieder in Erinnerung bringen", sagt der Ayinger Bürgermeister, dessen 24-jährige Amtszeit am 1. Mai endet. Das sieht auch Günter Heyland so. Auch der Neubiberger FW-Gemeindechef hat nicht mehr kandidiert, und auch sein Wunschnachfolger, Reiner Höcherl, scheiterte - er kam nicht einmal in die Stichwahl. "Kandidaten aus der Bürgermeisterfraktion tun sich in der Regel schwer", sagt Heyland.

© SZ vom 31.03.2020 / stga, mm

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