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Kommunalwahl im Landkreis München:AfD will erstmals in den Kreistag

Doppelspitze: Landratskandidat Gerold Otten und seine Lebensgefährtin Christina Specht, die die Liste für den Kreistag anführt.

(Foto: Claus Schunk)

Die Partei tritt auch mit einem Landratskandidaten und einer Stadtratsliste in Unterschleißheim an

Kurz vor Meldeschluss beim Landkreiswahlleiter an diesem Donnerstag steht fest, dass auch die Alternative für Deutschland (AfD) zur Kreistagswahl antreten wird. Die Aufstellungsversammlung fand nach Angaben des Kreisvorstands bereits am 11. Januar statt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Ergebnis gab die Partei erst am Mittwoch auf SZ-Anfrage bekannt.

Den erstmaligen Einzug in den Kreistag versucht die Partei mit 24 Kandidaten auf ihrer Liste. Sie bleibt damit weit hinter den 70 möglichen Kandidaten zurück. Angeführt wird die Liste von der AfD-Kreisvorsitzenden Christina Specht, 53. Mit ihrem Lebensgefährten, dem Bundestagsabgeordneten Gerold Otten, 64, aus Putzbrunn schickt die AfD auch einen Landratskandidaten ins Rennen. Das Bewerberfeld um den Chefposten am Mariahilfplatz erweitert sich damit auf insgesamt sechs Aspiranten. Um einen Sitz im Kreistag bewirbt sich Otten nicht.

In der Fläche aber wird die AfD bei der Kommunalwahl nicht antreten. Einzig in Unterschleißheim, der bevölkerungsreichsten Kommune im Landkreis, stellt die Partei eine Liste mit elf Stadtratskandidaten; dreißig wären möglich. Auf Listenplatz eins steht die Sekretärin Christina Kronawitter, Platz zwei belegt der Sicherheitsangestellte Mirko Zimniok.

"Dass wir es nicht geschafft haben auch in anderen Städten und Gemeinden anzutreten, liegt auch daran, dass wir zu wenig Mitglieder haben", sagt die Kreisvorsitzende Specht. Derzeit hat die AfD im Landkreis nach eigenen Angaben 120 Mitglieder, der stärkste Ortsverband ist in Unterschleißheim mit zwölf eingetragenen Anhängern. "Für eine Aufstellungsversammlung sind mindestens drei Mitglieder notwendig. Aber nicht jeder ist dazu bereit, das zu machen", sagt Specht. "Manch einer hat Angst vor negativen Auswirkungen, wenn er für die AfD kandidiert, etwa im Job, oder davor, dass seine Kinder gemobbt werden."

Im Osten des Landkreises ist es der AfD nicht gelungen, Gemeinderatslisten aufzustellen, obwohl es dort einen gemeinsamen Ortsverband für die Gemeinden Haar, Grasbrunn und Putzbrunn gibt. Der Posten des Vorsitzenden ist allerdings vakant.

Dass die Aufstellungsversammlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, war laut Specht eine bewusste Entscheidung: "Das war vielen Mitgliedern lieber." Bei künftigen Versammlungen wolle man sich aber öffnen.

Listenführerin Specht, die von sich selbst sagt, "Mitglied der ersten Stunde" zu sein, will im Wahlkampf auf die Themen "Transparenz und Mitbestimmung" setzen. Sie wirbt ferner für "bezahlbares Wohnen, Umweltschutz mit Augenmaß, ein vernünftiges Mobilitätskonzept, eine leistungsfähige, wohnortnahe Gesundheitsversorgung, Familienfreundlichkeit und Sicherheit". Auch im Landkreis München sei mehr Mitbestimmung der Bürger notwendig und wünschenswert.

Gerold Otten, der bei der Bundestagswahl vor etwas mehr als zwei Jahren über die Liste ins Parlament einzog, soll als Landratskandidat Stimmenfänger der AfD im Landkreis sein. "Wir wissen, dass er bei der Landratswahl kaum Chancen hat", sagt Specht. "Aber es geht darum, im Landkreis präsent zu sein, auch bei Podiumsdiskussionen."

Damit hat sich das Bewerberfeld um den Posten des Landrats noch einmal erweitert: Wie schon vor sechs Jahren werden erneut Amtsinhaber Christoph Göbel (CSU), Annette Ganssmüller-Maluche (SPD), Christoph Nadler (Grüne) und Otto Bußjäger (Freie Wähler) antreten. Neu in der Riege der Bewerber ist neben Gerold Otten der Grünwalder Michael Ritz, der für die FDP ins Rennen gehen wird.

Wie die AfD bei der Kommunalwahl abschneiden wird, ist kaum vorherzusagen. Selbst politische Gegner räumen hinter vorgehaltener Hand ein, dass die Partei das Potenzial besitze, einige Mandate im Kreistag zu erringen. Bei der Bundestagswahl im September 2017 kam die AfD im Landkreis auf 9,4 Prozent der Zweitstimmen, bei der Landtagswahl im Oktober 2018 schnitt sie in den beiden Stimmkreisen München Land-Süd (7 Prozent) und Nord (7,4 Prozent) schlechter ab. Bei der Europawahl kam sie auf 6,7 Prozent.

Die ersten zehn Kandidaten der AfD-Liste zur Kreistagswahl: 1. Christina Specht, 2. Mirko Zimniok, 3. Peter Kremer, 4. Simon Baumgartner, 5. Holger Layer, 6. Jürgen Kleinfelder, 7. Florian Müller, 8. Jürgen Thierack, 9. Walburga Herzog, 10. Uwe Görler.

© SZ vom 23.01.2020
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