Kommunalwahl 2020 Der Jüngste will gestalten

Matteo Dolce plant den Machtwechsel in Taufkirchen und will für die SPD das Rathaus erobern.

(Foto: Claus Schunk)

Der 29-Jährige Matteo Dolce ist der Bürgermeisterkandidat der SPD

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Sein Redemanuskript liegt vor ihm auf dem Tisch, flankiert von einem Stift und einem Glas Wasser auf der einen sowie drei USB-Sticks auf der anderen Seite - alles akkurat angeordnet, was durchaus zum Wesen des dahinter sitzenden Menschen passt. Vor ihm steht das Schild mit dem Schriftzug "Matteo Dolce, Vorsitzender" - und ebendieser schnauft noch mal tief durch, ehe er bei dieser Pressekonferenz seiner SPD ohne Umschweife zur Sache kommt.

"Nach vielen Gesprächen im Vorstand und Beratung mit unseren Mitgliedern", sagt Dolce, habe er entschieden, sich für die Bürgermeisterwahl 2020 als SPD-Kandidat zur Verfügung zu stellen. Und er fügt an: "Es ist mein ernsthafter Wille für und mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Bürgermeister von Taufkirchen zu werden."

Neben Dolce sitzen der Zweite Bürgermeister Alfred Widmann und Fraktionschefin Rosemarie Weber, die 2014 als SPD-Kandidatin das Bürgermeisteramt anstrebte. Sie zog damals in der Stichwahl mit 43,7 Prozent den Kürzeren gegen den parteilosen und von der CSU nominierten Ullrich Sander. Der 55-Jährige ist seither Bürgermeister und hat bereits seinen Willen bekundet, 2020 abermals zur Wahl anzutreten. Vor allem ihn wird der 26 Jahre jüngere Dolce schlagen müssen, um der jüngste Rathauschef in der Geschichte Taufkirchens zu werden.

Den Namen des Amtsinhabers nimmt er nicht in den Mund

Den Namen des Amtsinhabers nennt der SPD-Mann bei dieser Pressekonferenz indes kein einziges Mal, und doch lassen sich etliche Passagen seiner Rede als Seitenhiebe in Richtung Sander deuten. Etwa wenn Dolce betont, er wolle ein Bürgermeister sein, "der sich nicht wegduckt, wenn es unbequem wird" und "der sich nicht wie ein Fähnchen im Wind dreht und es jedem recht machen will". Taufkirchen, sagt Dolce, müsse zukunftsfähiger werden. Hierfür müsse "die Gesamtentwicklung der Gemeinde im Auge behalten" werden. Und Rosemarie Weber ergänzt: "Wir sollten agieren und nicht reagieren - so wie wir's jetzt tun."

Sein Programm hat Dolce mit "Taufkirchen 2050" überschrieben, "weil dreißig Jahre eine realistische Zeit ist, um auch größere und schwierigere Projekte voranzutreiben". Schwerpunkte sollen die Themen Wohnen, Soziales und Verkehr sein - unter anderem fordert Dolce eine kommunale Mietpreisbremse, eine Abschaffung der Gebühren für die Kinderbetreuung und bis 2050 die komplette Einhausung der A 995 aus Lärmschutzgründen. "Dabei wollen wir die Fläche, die darüber entsteht nutzen und Wohnungen bauen", sagt er. Überdies soll Taufkirchen ein kostenfreies flächendeckendes Wlan-Netz erhalten. Wie all das finanziert werden soll, sagt Dolce an diesem Abend nicht.

Was er denn abseits dieser inhaltlichen Punkte an "persönlichen Skills" für das Bürgermeisteramt mitbringe, will ein Besucher wissen. Hier verweist der 29-Jährige zunächst auf seinen fachlichen Hintergrund. So hat der in Italien geborene und in München aufgewachsene Dolce eine Ausbildung im Verwaltungsdienst absolviert sowie öffentliches Recht und Politikwissenschaften studiert; aktuell arbeitet er bei der Stadt München und kenne daher die Arbeit in einer großen Behörde, wie er sagt.

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Wer sich außer ihm und dem amtierenden Bürgermeister 2020 zur Wahl stellen wird, ist bislang noch ungewiss. Allein die Initiative Lebenswertes Taufkirchen (ILT) hat angekündigt, keinen eigenen Bewerber ins Rennen um die Rathausspitze zu schicken. Die Freien Wähler wollen ihren Kandidaten im Sommer vorstellen, die Grünen im Frühjahr.