Kommunalwahl 2026Drei Männer fordern Unterschleißheims Bürgermeister heraus

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Eine moderne Stadtmitte als pulsierendes Herz von Unterschleißheim. So stellen sich die Planer den künftigen Blick vom Rathaus aus in Richtung S-Bahn vor.
Eine moderne Stadtmitte als pulsierendes Herz von Unterschleißheim. So stellen sich die Planer den künftigen Blick vom Rathaus aus in Richtung S-Bahn vor. Visualisierung: Steidle Architekten

Christoph Böck von der SPD kandidiert in Unterschleißheim für eine weitere Amtszeit. CSU, Grüne und erstmals auch die Linke schicken eigene Kandidaten ins Rennen – einer davon war früher ein Parteifreund des Rathauschefs.

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim

Gerade hat Unterschleißheim sein 25-jähriges Bestehen als Stadt gefeiert. Und die Menschen haben mit Staunen und Stolz auf das geschaut, was seit der Jahrtausendwende aus ihrer einst beschaulichen Gemeinde geworden ist. Die Ansiedlung der Entwicklungssparte für selbstfahrende Fahrzeuge des Autobauers BMW steht für den Aufstieg der mit 30 000 Einwohnern größten Kommune im Landkreis München zu einem modernen Wirtschaftsstandort im Norden der Landeshauptstadt. Dabei gilt es jetzt, die politischen Weichen zu stellen, um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden.

Die Schulen werden erweitert. In zentraler Lage entsteht der 70 Millionen Euro teure Neubau der Michael-Ende-Grundschule samt Musikschule. Große Wohnbauvorhaben stehen im Gartenquartier und in Lohhof-Süd an. Und vor allem soll Unterschleißheim mit der neuen Stadtmitte am Rathausplatz ein belebtes Zentrum erhalten. Bei der Wahl am 8. März entscheidet sich, wer all das federführend umsetzt. Denn Bürgermeister Christoph Böck von der SPD muss sich bei der Kommunalwahl der Konkurrenz von drei Gegenkandidaten erwehren.

Amtsinhaber Christoph Böck, SPD

Christoph Böck ist seit 25 Jahren Mitglied des Stadtrats und seit 2013 Bürgermeister.
Christoph Böck ist seit 25 Jahren Mitglied des Stadtrats und seit 2013 Bürgermeister. Claus Schunk

Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck strebt mit 59 Jahren bei der Kommunalwahl am 8. März seine dritte Amtszeit an. Schon früh engagierte er sich politisch am Ort. Er arbeitete im Projektmanagement bei BMW und zog im Jahr der Stadtgründung 2000 erstmals in den Stadtrat ein.  Im Jahr 2002 übernahm er den Fraktionsvorsitz der SPD, und 2007 kandidierte er erstmals fürs Amt des Bürgermeisters, war dann dritter Bürgermeister unter dem langjährigen CSU-Rathauschef Rolf Zeitler.

Als dieser aus Altersgründen nicht mehr antrat, sicherte sich Böck im März 2013 in der Stichwahl gegen Brigitte Weinzierl von der CSU erstmals das höchste Amt. 2020 setzte er sich in der Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Stefan Krimmer durch. Als Wahlziel 2026 gibt der Familienvater mit zwei Kindern, der oft mit seiner Frau Petra an seiner Seite anzutreffen ist, unter anderem an, den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken. Die Arbeit der Vereine wolle er unterstützen und in der wachsenden Kommune das Miteinander fördern. Die erste Amtsperiode von Böck dauerte sieben Jahre, weil die Wahlen nach dem plötzlichen Tod von Hans Bayer im Jahr 1989 nicht mehr synchron stattfanden. 2020 wurde das angeglichen.

Thomas Bittner, CSU

Thomas Bittner gilt als Machertyp und hat als Häufelkönig bewiesen, dass er Leute von sich überzeugen kann.
Thomas Bittner gilt als Machertyp und hat als Häufelkönig bewiesen, dass er Leute von sich überzeugen kann. privat

Thomas Bittner soll das Unterschleißheimer Rathaus wieder für die CSU zurückerobern. Der 51-Jährige ist als Feuerwehrmann und Notfallsanitäter bei der Landeshauptstadt München tätig. Als er 2014 erstmals für den Stadtrat kandidierte, wurde er als Häufelkönig zehn Plätze auf der Liste nach vorne gewählt. Damals zog er gemeinsam mit Stefan Krimmer, dem starken Mann in der Unterschleißheimer CSU, erstmals in den Stadtrat ein. Nun soll Bittner seine Popularität ausspielen und das schaffen, was Krimmer 2020 versagt blieb, als er gegen Böck unterlag.

Bittner, der mit seiner Frau Andrea und zwei Kindern in Lohhof-Süd lebt, tritt als zupackender Lokalpolitiker auf. „Wer der lebensfrohen Familie Bittner in Unterschleißheim begegnet, wird schnell merken, wieso so viele Menschen Thomas Bittner vertrauen“, sagt Ortsvorsitzender Krimmer. Dieser sei ein sympathischer, unprätentiöser Mensch, „auf den man sich einfach verlassen kann“. Er verbindet aus Sicht der CSU vieles, was mancher vielleicht für unvereinbar hält. Er besitze ein Lastenfahrrad und ein Oldtimer-Cabrio und produziere auf dem Dach seines Hauses seinen Strom komplett CO₂-frei. Das Ziel sei eine „Stadt mit Herz und Kompetenz“.

Bernhard Schüßler, Grüne

Bernhard Schüßler hat sich trotz Sehbehinderung als Stadtrat auf vielen Gebieten ein profundes Wissen erarbeitet und bringt sich intensiv ein.
Bernhard Schüßler hat sich trotz Sehbehinderung als Stadtrat auf vielen Gebieten ein profundes Wissen erarbeitet und bringt sich intensiv ein. Theresa Meyer

Bernhard Schüßler könnte Großes gelingen. Er könnte mit gerade mal 25 Jahren zeigen, wie man mit starker Sehbehinderung ein Rathaus führt. Die Grünen in Unterschleißheim haben den nahezu blinden Stadtrat einstimmig als Kandidaten aufgestellt und dieser hat seitdem mit großem Engagement die Herausforderung angenommen. „Unterschleißheim soll eine Stadt für alle sein – bezahlbar, ökologisch, inklusiv und offen für Mitgestaltung. Gemeinsam mit euch und Ihnen möchte ich sie zukunftsfest gestalten“, sagt Schüßler.

Er ist in Brasilien aufgewachsen, lebt seit Jahren in der Stadt, ist seit 2016 Mitglied bei den Grünen und rückte 2022 als jüngstes Mitglied in den Stadtrat nach. Als Jugendreferent setzt er sich für Jugendbeteiligung und generationengerechte Politik ein und steht in den Ausschüssen für Umwelt, Verkehr und Soziales sowie im Inklusionsbeirat für eine nachhaltige, sozial gerechte Politik und für eine barrierefreie Stadt ein. Schüßler schloss 2024 sein Masterstudium der Politikwissenschaft an der LMU München ab. Er war im Deutschen Bundestag tätig und arbeitet derzeit bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Ich möchte Unterschleißheim mit Weitblick zu einer Stadt für alle machen“, sagt der Klimaaktivist. Seine Ziele unter anderem: Entsiegelung von Flächen, bezahlbarer Wohnraum und mehr Bürgerbeteiligung für Jung wie Alt.

Alexander Kieslich, Linke

Alexander Kieslich war einst SPD-Ortsvorsitzender und saß für die Sozialdemokraten im Stadtrat.
Alexander Kieslich war einst SPD-Ortsvorsitzender und saß für die Sozialdemokraten im Stadtrat. privat

Alexander Kieslich war mal SPD-Vorsitzender in Unterschleißheim. Und von 2013 bis 2020 gehörte er dem Stadtrat an. Jetzt fordert er bei der Kommunalwahl am 8. März seinen früheren Parteifreund und Fraktionskollegen Christoph Böck heraus. Denn der heute 37-jährige Software-Entwickler hat sich vor allem wegen der bundespolitischen Ausrichtung von der SPD verabschiedet und bei den Linken eine neue politische Heimat gefunden. Er ist jetzt Spitzenkandidat auf einer Stadtratsliste der Linken und zugleich deren Bürgermeisterkandidat.

Kieslich leitete in jungen Jahren das Jugendparlament in Unterschleißheim. Er organisierte eine Kundgebung gegen den Einzug der AfD in den Stadtrat 2020 und nahm sich dann eine Auszeit. Mittlerweile ist er Vater von zwei Kindern und verspürt nach eigener Aussage das Bedürfnis, wieder einzugreifen. Die Linke solle auch eine Antwort sein auf den Rechtsruck. Mit den zwölf Kandidaten auf der Liste wolle er als Team die Wähler überzeugen, sagt Kieslich. Man kämpfe für bezahlbares Wohnen und eine sozial gerechte Stadtentwicklung sowie kostenfreie Bildung und Kinderbetreuung.

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