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Energieeffizienznetzwerk:Kontakte knüpfen für den Klimaschutz

Erinnerungsfoto: Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (rechts) posiert mit dem örtlichen Klimaschutzmanager Lukas Röder vor Schautafeln.

(Foto: Claus Schunk)

Vertreter von 14 Städten und Gemeinden aus den beiden Landkreisen schließen sich zum Kommunalen Energieeffizienznetzwerk Ebersberg-München zusammen. Die Bürgermeister erhoffen sich fachliche und moralische Unterstützung bei der Umsetzung konkreter Projekte.

Von Bernhard Lohr, Haar

Sie wollen alte Turnhallen sanieren, in ihren Gemeinden Nahwärmenetze knüpfen oder suchen nach der passenden klimafreundlichen Heizung für die neue Schule: Vertreter von neun Kommunen aus dem Landkreis München und fünf aus dem Landkreis Ebersberg haben sich am Donnerstag im Bürgerhaus in Haar getroffen und mit ihren Unterschriften das Kommunale Energieeffizienznetzwerk Ebersberg-München ins Leben gerufen. In einem von der Energieagentur Ebersberg-München moderierten Bündnis wollen sie voneinander lernen, sich gemeinsame Ziele setzen und konkrete Projekte umsetzen.

Die Zusammenkunft der knapp 50 Amtsträger und Rathausmitarbeiter fand unter außergewöhnlichen Umständen statt. Landrat Christoph Göbel (CSU) kam direkt von einer Online-Pressekonferenz, auf der er verschärfte Regelungen zum Schutz vor Infektionen bekannt gegeben hatte, um dann in Haar kurz die Maske vom Gesicht zu ziehen und unter Wahrung des Abstands sein geplantes Grußwort zu halten. Er ermunterte die Teilnehmer, das Netzwerk dazu zu nutzen, all das umzusetzen, was angesichts des Klimawandels in Sonntagsreden verkündet werde. Sobald es gelte, hehre Absichten "in konkretes Handeln zu überführen, wird es schon etwas schwieriger", sagte er.

Das neue Energieeffizienznetzwerk ist ein auf drei Jahre angelegtes von der Bundesregierung gefördertes Bündnis, bei dem den beteiligten Städten und Gemeinden Beratungsleistungen und auch Hilfe bei konkreten Vorhaben zur Verfügung gestellt wird. Das Projektmanagement und die energietechnische Beratung liegt bei dem an der Hochschule Rosenheim angesiedelten Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH (Inev). Der Geschäftsführer der Energieagentur, Willie Stiehler, nannte es einen großen Erfolg, ein nahezu einmaliges Bündnis aus 14 Kommunen in unmittelbarer Nachbarschaft geschmiedet zu haben. Dies verspreche eine wirksame Kooperation. Er lud weitere Rathäuser zum Mitmachen ein.

Zwei Kommunen, die schon mitmachen wollten, waren im letzten Moment doch noch abgesprungen. Die beiden äußerst unterschiedlichen Gemeinden Neubiberg und Anzing schlossen sich dafür noch kurzfristig an. Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) sagte: "Das Wichtigste ist der Austausch, das Kennenlernen." Man müsse das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Er erhoffe sich für die 15 000-Einwohner-Gemeinde am Münchner Stadtrand Impulse beim Ausbau der Photovoltaik und bei Energieeinsparung. Anzings Bürgermeisterin Kathrin Alte (CSU) sagte, einige der kommunalen Liegenschaften in ihrer 4500 Einwohner zählenden Gemeinde bedürften "einer Auffrischung." Außer über die Sanierung von Gebäuden werde in Anzing darüber diskutiert, wie die 40 bäuerlichen Betriebe am Ort in die Energiewende eingebunden werden könnten.

Dem Treffen in Haar sollen noch viele weitere der in den Rathäusern benannten Netzwerkkoordinatoren folgen. Wie sich zeigte, verbindet die Gemeinden vor allem die Hoffnung, mit Hilfe externer Berater manches Klimaschutz-Projekt besser anschieben zu können. "Wir haben oftmals nicht so die Manpower im Rathaus", sagte Schäftlarns Bürgermeister Christian Fürst (CSU). Wobei Schäftlarn beabsichtigt, eine halbe Stelle für einen Klimaschutzmanager einzurichten und sich diesen mit Straßlach-Dingharting zu teilen. Baierbrunns Dritter Bürgermeister Robert Gerb (Grüne) setzt auf ökologisches Bauen und Beistand bei der Schulerweiterung. Die Stadtwerke München und die Innovative Energie Pullach planten ein Geothermiekraftwerk am Ort. Da wolle man mit einem Nahwärmenetz profitieren.

Einige hoffen auch wie Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU), mit Hilfe von externen Beratern Projekte in kommunalen Gremien besser durchsetzen zu können. Es gibt viele Ideen: In Grasbrunn etwa wird darüber nachgedacht, eine große Photovoltaik-Anlage an einem Autobahnwall zu installieren. In Grafing sollen konkret drei kommunale Gebäude auch energetisch saniert werden. Der dortige Zweite Bürgermeister Johannes Oswald (Grüne), hofft auf Impulse bei Energiespeichern, die ein Schlüssel für ein Gelingen der Energiewende seien. Vielleicht lasse sich da gemeinsam etwas in die Wege leiten, sagte er. "Es kommen viele Ideen und Gedanken zusammen", sagte Kirchheims Dritte Bürgermeisterin Marianne Hausladen (CSU). Ihre Gemeinde stehe davor, mit dem Projekt "Kirchheim 2030" Wohnraum für 3000 Bürger zu schaffen, ein neues Gymnasium und ein neues Rathaus. Die Aufgaben seien gewaltig. So wie für Poing, wo ähnliches Wachstum mit Klimaschutz vereinbart werden soll. Bürgermeister Thomas Stark (CSU) sagte: "Die Erwartungshaltung im Gemeinderat ist groß".

Dominikus Bücker von der Inev sagte zu, für jede Gemeinde individuelle Ziele und Lösungen zu finden und stellte zugleich einen klaren, verbindlichen Fahrplan für die nächsten drei Jahre vor, mit Grundlagenermittlung, der Benennung von Zielen und Projekten und einem Monitoring, das teilweise öffentlich auf einer Internet-Plattform einsehbar sein wird. Die Gemeinden sind verpflichtet, Ansprechpartner zu benennen. Bei der Inev ist dies Isabel Bücker, bei der Energieagentur Richard Röck. Ebenfalls im Netzwerk dabei sind Feldkirchen, Gräfelfing, Neuried, Kirchseeon und Zorneding.

Das nächste Treffen ist für 12. November anberaumt - wenn Corona es zulässt. Die Auftaktveranstaltung am Mittwoch in Haar, sagte Landrat Göbel, hätte wegen der Verschärfung der Regelungen am Freitag schon nicht mehr stattfinden können.

© SZ vom 16.10.2020/hilb

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