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Kommunaler Wohnungsbau:Marshallplan für die Mediengemeinde

Am Standort der Feuerwehr könnten in Zukunft Wohnungen entstehen.

(Foto: Catherina Hess)

Altbürgermeister Klaus Läßing fordert für Unterföhring eine Offensive beim sozialen Wohnungsbau. Die Parteien nehmen Grundstücke ins Visier, die der Kommune gehören

Anhaltender Zuzug und horrende Mieten sowie Grundstückspreise, die kaum noch bezahlbar sind: In Unterföhring sind erschwingliche Wohnungen seit Jahren Mangelware. Das hat damit zu tun, dass Eltern die Stadtrandgemeinde vor allem dafür schätzen, dass Krippen, Kindergärten und Horte kostenlos sind und es sich auch sonst ganz gut hier mit Kindern leben lässt. So gibt es zum Beispiel eine Bücherei mit einem großen Medienbestand und zahlreichen Veranstaltungen im Angebot, für die keine Gebühren erhoben werden. Es gibt eine Musikschule und derzeit wird ein moderner Campus mit Gymnasium und zweiter Grundschule gebaut. Rührig ist darüber hinaus die Jugendarbeit der vielen Sportvereine.

Doch mit der Beliebtheit Unterföhrings bei Familien sind auch die Bodenpreise gestiegen. Immobilienmakler werben, sehr zum Ärger der örtlichen Lokalpolitiker, mit der kostenlosen Kinderbetreuung - und verlangen Quadratmeterpreise, die nicht weit unter Münchner Niveau liegen. Die Kommune verfügt zwar über knapp 500 Gemeindewohnungen, in denen die Mieten noch etwas günstiger sind, trotzdem reicht der Bestand nicht aus. Wann immer das Rathaus solche Wohnungen ausschreibt, erreicht den über die Vergabe entscheidenden Sozialausschuss des Gemeinderats ein Vielfaches an Bewerbungen.

"Wir können doch nicht nur Parkhäuser bauen."

Der Unterföhringer Altbürgermeister Klaus Läßing von der Parteifreien Wählerschaft (PWU) macht sich seit langem Gedanken darüber, wie die Gemeinde ihre in Eigenbesitz befindlichen Grundstücke für den Wohnungsbau nutzen könnte. In einem Ortsplan hat er sieben über die ganze Gemeinde verteilte Flächen markiert, auf denen die Kommune Mietshäuser errichten lassen könnte, weil ihr der Grund gehört. Darunter das Gelände des Bauhofs an der Münchner Straße, der verlegt werden soll, und der Feuerwehr, die ebenfalls umziehen wird.

"Wir können doch nicht nur Parkhäuser bauen", sagt Läßing. Die Fraktionen im Gemeinderat müssten endlich etwas unternehmen, um der Wohnungsknappheit Einhalt zu gebieten, fordert Läßing. "Unterföhring braucht eine Art Marshallplan für den subventionierten Mietwohnungsbau." Dieses Thema habe oberste Priorität in der Mediengemeinde.

Die SPD hat im Dezember immerhin durchsetzen können, dass eine Mehrheit im Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zur Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) fasste. Angewendet werden sollen die Richtlinien, wenn etwa neue Baugebiete im Außenbereich ausgewiesen werden, bei Nachverdichtungen und wenn eine wesentliche Baurechtserhöhung innerorts genehmigt wird.

Eine Vorstellung, wie es an der Bergstraße 4 in der Isarau weitergehen könnte, wenn der FC Unterföhring 2021/22 in den neuen Sportpark an der Mitterfeldallee zieht, hat die PWU ebenso.

(Foto: Catherina Hess)

Ausgearbeitet wurde das Papier von Rechtsanwalt Ulrich Numberger, der Unterföhring unter anderem rät, die Vorgaben dann anzuwenden, wenn die Bauleitplanung eine Geschossfläche für Wohnraum von mehr als tausend Quadratmetern entsteht, was zehn bis zwölf Wohnungen entspricht, und wenn das im Außenbereich gelegene Planungsgebiet eine Fläche von mehr als einem Hektar umfasst. Mit diesem Instrument zur Steuerung der Wohnbautätigkeit sollen in Zukunft Investoren an den Lasten, die durch eine kommunale Bauleitplanung ausgelöst werden, angemessen beteiligt werden.

Dazu zählen die anteilige Übernahme von Herstellungskosten und Abtretungen für Erschließungsmaßnahmen, für Gemeinbedarfseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Grundschulen sowie für Grün- und Ausgleichsflächen. In Unterföhring bleiben laut Gemeinderat dem sogenannten Planungsbegünstigten 35 Prozent der mit Baurecht ausgestatteten Flächen. Tritt der Fall ein, dass die Gemeinde ausnahmsweise auf den Kauf der Flächen verzichtet, müssen 40 Prozent der Wohnungen, die der Investor errichtet, entweder der Sozialbindung unterliegen oder aber zu einem günstigen Mietpreis angeboten werden, wie es in dem Grundsatzbeschluss heißt, den auch Bürgermeister Kemmelmeyer (PWU) unterstützte.

In der jüngsten Sitzung ging es erneut um einen Antrag der Sozialdemokraten zum Wohnungsbau, der eine Mehrheit im Gremium fand: Weil sich Unterföhring im April vom Einheimischen-Modell verabschiedet hat, soll der Bebauungsplan für das Gebiet am Römerweg geändert werden. Anstelle weiterer Reihenhäuser will die SPD dort Mietshäuser bauen, die der Gemeinde gehören und deren Wohnungen von ihr vergeben werden. Die Gestaltung der Gebäude soll sich am Charakter der Siedlung orientieren.

Auch die Fraktion der Parteifreien, die damals noch gegen die Sobon stimmte, hat einen Antrag zum Thema in den Gemeinderat eingebracht, der unter dem Titel "PWU-Wohnbauoffensive 2025" firmiert. So soll die Verwaltung beauftragt werden, für die gemeindeeigenen Grundstücke die möglichen Baurechte zu ermitteln beziehungsweise die bestehenden Baurechte (rechtskräftige Bebauungspläne) anzupassen und zeitnah dem Gemeinderat einen Zeitplan für die Umsetzung vorzulegen.

Der Druck wird nicht nachlassen

Fraktionschef Manuel Prieler nennt folgende Flächen im Ortsgebiet, diesich für "eine gemeindliche, sozialverträgliche Wohnbauoffensive" eignen würden, und macht bereits Vorschläge, wie eine Nutzung aussehen könnte: Auf dem sogenannten Eulitz-Grundstück an der Blumenstraße 34 könnte laut PWU schon bald mit dem Bau von kleineren Mietwohnungen begonnen werden. Ähnliches sei auch auf dem südlich gelegenen Grundstück an der Damm-/Ecke Isaraustraße denkbar. Nach dem Umzug des Kleiderbügels, einer Kleiderkammer der örtlichen Nachbarschaftshilfe, vom jetzigen Standort an der Münchner Straße 122 in ein anderes Gebäude sowie der Klärung der Mietverhältnisse mit den momentanen Bewohnern könnten laut Prieler auf dem Grundstück bald schon gemeindeeigene Mietwohnungen entstehen. Solche könnten nach der Verlagerung des Bauhofs an der Münchner Straße 142 auch dort entstehen.

Eine Vorstellung, wie es an der Bergstraße 4 in der Isarau weitergehen könnte, wenn der FC Unterföhring 2021/22 in den neuen Sportpark an der Mitterfeldallee zieht, hat die PWU ebenso: Der Gemeinderat solle die Verwaltung mit beauftragen, einen "Architekten-Workshop für ein städtebauliches Konzept inklusive einer möglichen Bebauung vorzubereiten" und den Lokalpolitikern Entscheidung vorzulegen. Allerdings wollen die Parteifreien nicht nur günstige Mietwohnungen bauen, die von der Kommune vergeben werden: Aufgrund der Grundstücksgröße sind folgende Nutzungen mit Rücksicht auf das Gesamtgebiet Isarau vorzusehen: Reihenhäuser, Eigentumswohnungen und gemeindeeigene Mietwohnungen, wie es in dem Antrag heißt. Das an der Isaraustraße 25 gelegene und als WG-Einheit genutzte Gebäude solle in den Planungsworkshop für den Fußballplatz einbezogen werden. Und wenn die Freiwillige Feuerwehr von der St.-Florian-Straße in ihr neues Gebäude an der Münchner Straße gezogen ist, könnten am alten Standort ebenfalls Wohnungen entstehen. Laut PWU sollte zum einen das Feringahaus mit seinen altengerechten Wohnungen erweitert werden; der Feuerwehrparkplatz sei dafür geeignet.

Die Parteifreien begründen ihren Vorstoß mit der Einschätzung, dass sich der Druck auf den Unterföhringer Wohnungsmarkt "sicherlich in den nächsten Jahren nicht verringern" wird. Und: Die in den Wohnungen der Gemeinde erzielten Mieteinnahmen dienten einer Stärkung des Verwaltungshaushaltes. Nach Angaben der PWU sollen die im Antrag aufgeführten Wohnbauprojekte "nicht nur der kurzfristigen Schaffung von Wohnraum dienen, sondern auch zur langfristigen Entspannung auf dem Wohnungsmarkt für Unterföhringer aller Generationen beitragen".

Altbürgermeister Läßing begrüßt, dass es nun "endlich Bewegung in Sachen Wohnungsbau in Unterföhring gibt, schließlich sind bereits zwei Drittel der Amtsperiode des Gemeinderats vorbei". Die Offensive zur Schaffung von günstigem Wohnraum komme zwar spät, aber immerhin, sagt er.