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Kommentar:Zuschlag, bitte

Der Mindestlohn ist im Landkreis München ein Armutslohn. Eine Koppelung an die Mietpreise kann helfen, Menschen aus dieser Armut zu holen

Der Mindestlohn soll Menschen aus der Arbeitsarmut holen. Er legt fest, dass jede Arbeit einen Mindestwert hat. Vom Putzen in Bahnhofstoiletten über das Haareschneiden bis hin zum Bewachen von Disco-Türen - jede Arbeit ist 8,50 Euro pro Stunde wert, und das seit mehr als einem Jahr. Das reicht in manchen Gegenden von Deutschland sicherlich, um einigermaßen gut zu leben. Wo die Mieten günstig sind und der Alltag preiswert ist, da kommt einer allein ganz passabel über die Runden mit dem Einkommen, das ihm der Mindestlohn beschert. Im Großraum München aber müssen viele Menschen einen Großteil ihres Gehalts für die Miete ausgeben. Deshalb reicht der bundesweit einheitliche Mindestlohn hier nicht aus.

Ein einfaches Rechenbeispiel: Wenn jemand für 8,50 Euro die Stunde in Vollzeit arbeiten geht, dann kommt er oder sie auf gut 1400 Euro im Monat - brutto. Gut 1000 Euro bleiben nach Abzug von Steuern und Versicherungen. Davon müssen nicht nur die Miete, der Strom und die Nebenkosten bezahlt werden, sondern auch noch eine S-Bahn-Karte oder das Benzin fürs Auto. Wer sich das Leben nah der Stadt nicht leisten kann, zieht weiter aufs Land - und ohne teures Auto kommt er dann meist nicht aus. Die Konten all dieser Geringverdiener dürften am Ende des Monats gähnend leer sein. Und das, obwohl diese Mindestlohn-Menschen keine großen Sprünge gemacht haben, wie man so schön sagt. Wenn sie dann auch noch Familie haben, mag sie auch noch so klein sein, ist das Geld sicher schon Mitte des Monats weg. Spätestens dann muss trotz Mindestlohns der Staat in die Bresche springen und mit Geld aushelfen. Weil die Kohle eben nicht zum Leben reicht. In ganz Deutschland einen Mindestlohn zu haben, ist ein Erfolg. Keine Frage. Doch dieser Erfolg wird dadurch zunichte gemacht, dass der Mindestlohn in einer Region wie München ein Armutslohn ist. Von einem bundesweit höheren Lohn würden auch hier Geringverdiener profitieren. Allerdings stünden sie noch immer viel schlechter da als anderswo. Der Mindestlohn muss an die Mietpreise gekoppelt werden. Deutschlandweit braucht es Zuschläge für teure Metropolregionen. Anders holt der Mindestlohn hier niemanden aus der Armut.