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Kommentar:Verpasste Chance

Frauen sind in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert. Eine paritätische Besetzung der Listen könnte das ändern

Hundert Jahre nachdem Frauen zum ersten Mal in Deutschland ihre Stimme abgeben durften, sind die gewählten politischen Vertreter immer noch zum Großteil Männer. Im bayerischen Landtag sind es derzeit mehr als 73 Prozent. Im Landkreis stehen, nimmt man Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte zusammen, etwa 31,6 Prozent weibliche mehr als 68 Prozent männlichen Vertretern gegenüber. Damit vergibt die Gesellschaft eine große Chance. All das Wissen und die Fähigkeiten nämlich, die die vielen Frauen im Landkreis in die kommunalpolitische Gremienarbeit einbringen könnten. Fachwissen aus ihrem Beruf und ihrer familiären Erfahrung ebenso wie Organisationstalent und Zukunftsvisionen.

Ja, Kommunalwahlen entscheiden sich vor allem an der einzelnen Persönlichkeit auf dem Wahlvorschlag und deren Bekanntheit. Wer sich bereits im Sportverein in der Kommune engagiert, hat sicher bessere Chancen, auch in den Gemeinderat gewählt zu werden, als eine Unbekannte oder ein Unbekannter. Das ist auch gerechtfertigt, schließlich sind Einsatz, Kompetenz und Ortskenntnis wertvolle Eigenschaften für die kommunalpolitische Arbeit. Wer sich aber wo engagiert, das hat bis heute auch viel mit den Umständen zu tun, insbesondere mit der Verteilung von beruflicher und Familienarbeit. Je mehr sich diese zwischen Lebenspartnern verteilt, desto mehr werden auch Frauen sich politisch engagieren können - so sie es denn wollen.

Um die Motivation voranzutreiben, sind auch die Parteien gefragt. Hinterzimmerklüngeleien und Machtdemonstrationen machen politische Arbeit nicht gerade attraktiv. Wer offen sein will für alle, sollte das auch demonstrieren. Eine paritätische Besetzung von Listen für die Kommunalwahl wäre ein erstes Zeichen. Wer dann welches Amt bekleidet, sollte die Eignung entscheiden.