KommentarVerfahrene Situation

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Wer den öffentlichen Nahverkehr attraktiver gestalten will, muss auch das Personal besser schulen

Von Bernhard Lohr

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Es läuft immer nach dem selben Muster: Die Politik verschläft eine Entwicklung. Mit der Folge, dass es dann ganz, ganz schnell gehen muss. Die Konsequenzen dieser Hauruck-Aktionen müssen dann die Bürger tragen. Das ist bei der Kinderbetreuung zu erleben, wo nach dem rapiden Ausbau der Einrichtungen das Personal fehlt, um die Kinder adäquat unterzubringen. Das erklärt die traurige Realität auf vielen Pflegestationen in Seniorenheimen, wo es an Pflegekräften fehlt. Und es erklärt auch die großen Probleme jetzt im Nahverkehr. Auch dort werden plötzlich von allen Seiten ehrgeizige Pläne verfolgt, immer mehr Busse auf die Straße geschickt. Doch es fehlt an qualifiziertem Personal.

Nein, die verfahrene Situation kann niemanden verwundern. Die Probleme im Busverkehr haben mit politischer Schlafmützigkeit zu tun. Sie haben auch damit zu tun, dass Beschäftigte in all den Bereichen, in denen jetzt über schlechten Service gejammert wird, schlecht bezahlt werden. Wer will den Job machen, wenn er in einer Region mit aus dem Ruder laufenden Wohnkosten eine Familie nicht ernähren kann? Die Konkurrenz unter den Unternehmen ist zudem groß. Die Betreiber der neuen Fernbuslinien werben Fahrer an. Und dann ist da noch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die Kampagnen fährt, bei denen Angestellte 1000 Euro Prämie erhalten, die einen neuen Kollegen vermitteln.

Gegen solch eine Konkurrenz versucht nun die Deutsche Bahn mit ihrer Bus-Tochter Fuß zu fassen. Sie hat bei der regelmäßigen Ausschreibung des Landratsamts Buslinien übernommen. Doch seit Monaten gibt es Beschwerden gerade über dieses Unternehmen. Die Frage stellt sich zu Recht, wann wegen Verletzung von vertraglicher Vereinbarungen Konsequenzen folgen müssen. Auf jeden Fall muss der Landkreis den Ärger der Fahrgäste ernst nehmen. Es geht um viel Geld. Wer Menschen zum Umsteigen auf den öffentlichen Personennahverkehr bewegen will, der muss diesen attraktiv gestalten. Dazu gehören Busspuren, Programme zur Busbeschleunigung. Aber dazu gehört auch das Personal. Wie wichtig Erzieher, Pflegekräfte und Busfahrer sind, zeigt sich, wenn sie fehlen.

© SZ vom 01.02.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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