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Kommentar:Souveräner Rückzug

Günter Heylands Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren,  ist  nachvollziehbar und geradezu vorbildlich

Die Kunst, den richtigen Zeitpunkt für den eigenen Abgang zu finden, ist wenigen Politikern gegeben. Man denke nur an Helmut Kohl und Heide Simonis. Der ewige Kanzler wollte nach 16 Jahren nicht einsehen, dass die Deutschen genug von ihm hatten, bis er die Wahl gegen Gerhard Schröder verlor; bei der schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin dauerte es sogar vier schmachvolle Wahlgänge, in denen sie keine Mehrheit im Landtag fand, bis sie verstand, dass ihre Zeit abgelaufen war. Aber nicht nur prominente Politiker hängen in der Regel so lange an ihren Ämtern, bis ein ehrenvoller Abschied verpasst ist: Erinnert sei an Ilse Weiß und Hannelore Gabor, die Bürgermeisterinnen von Neuried und Garching, oder Altlandrat Heiner Janik. Sie wurden allesamt von ihrer Abwahl kalt überrascht.

Ob Günter Heyland solches im kommenden März widerfahren könnte, ist keineswegs ausgemacht und wird man auch nie erfahren. Denn Neubibergs Bürgermeister zieht selbst die Reißleine. Mit seiner Ankündigung, nicht erneut fürs Rathaus zu kandidieren, überrascht der Parteifreie die große Mehrheit seiner Bürger. Mit seinem selbst gewählten Rückzug aufs politische Altenteil wahrt der 58-Jährige aber auch seine Souveränität, auf die er immer geachtet hat, etwa wenn er Wert darauf legte, dass seine Freien Wähler von Neubiberg und Unterbiberg nicht mit den Freien Wählern Hubert Aiwangers in einen Topf geworfen werden.

Heylands Entscheidung ist dabei nachvollziehbar und geradezu vorbildlich: Nach fast zwölf Jahren in einem verantwortungsvollen und kräftezehrenden Amt will er Rücksicht auf seine Gesundheit nehmen und mehr Zeit für die Familie haben oder auch beruflich noch einmal etwas Neues wagen. Heyland reiht sich damit ein unter Politikerkollegen wie Haars vormaligen Bürgermeister Helmut Dworzak oder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls selbst entschieden haben, wann es genug ist. Eine Rolle gespielt haben dürfte bei Heylands Entschluss aber sicher auch, dass er das politische Hickhack im Neubiberger Gemeinderat leid ist und die Nominierung von Thomas Pardeller als CSU-Bürgermeisterkandidat für die Kommunalwahl in seinen Augen nichts Gutes erwarten lässt.