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Kommentar:Recycling statt Raubbau

Die sogenannten Vorranggebiete für den Kiesabbau müssen überarbeitet und dezentralisiert werden

Von Martin Mühlfenzl

Reichtum kann Fluch und Segen gleichermaßen sein. Das Würmtal ist reich an Kies, so reich, dass er den Menschen dort sprichwörtlich bis zum Halse steht. Seit mehr als 50 Jahren leben sie im Würmtal mit dem Kies, mit Lärm und Verkehr - und es ist verständlich, dass sie es einmal satt haben, als Kiesgrube für eine ganze Region herhalten zu müssen. Die nachvollziehbare politische Entscheidung, die einst getroffen wurde, den Kies dort abzutragen, wo er benötigt wird, kann für das Würmtal auf Dauer keine Lösung mehr sein.

Fakt ist: Es wird weiterhin sehr viel Kies benötigt, um den Bauboom in der Wachstumsregion München am Laufen zu halten; und es ist weiterhin richtig, diesen nicht von weit her anzukarren. Denn im Sinne der Umweltverträglichkeit dürfen die schwer beladenen Lastwagen nicht erst durchs halbe Land und am Ende durch die Ortschaften fahren. Um Gerechtigkeit zu schaffen, ist es daher dringend geboten, die sogenannten Vorranggebiete für den Kiesabbau zu überarbeiten; der Abbau des so wichtigen Rohstoffs muss dezentralisiert, verkleinert und von den Ortsrändern weggeschafft werden. Das ist eine rein politische Entscheidung, bei der auch die Landeshauptstadt mitspielen muss. Denn die hat es sich bisher zu leicht gemacht, indem sie die Lasten, die der Kiesabbau mit sich bringt, dem Landkreis aufgebürdet hat.

Es braucht aber auch eine zweite, noch weitreichendere und zukunftsweisende politische Entscheidung: eine radikale Wende hin zur Kreislaufwirtschaft, die bestehende Rohstoffe und Ressourcen schont. Die beim Bau verwendeten Materialen müssen so lange wiederverwertet werden, bis es nicht mehr geht, erst dann dürfen im Sinne der Nachhaltigkeit noch nicht angegriffene Ressourcen wieder angegangen werden. Ganz wird der Kiesabbau im Landkreis München nicht verschwinden, das wissen auch die Würmtaler. Aber ihre Bedenken und Sorgen müssen ernst genommen werden.

© SZ vom 17.06.2021
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