Verkehrswende Fahrräder auf die Autobahn

Eine neue Perspektive ist gefragt.

(Foto: dpa)

Bis der erste Radschnellweg vom Umland in die Stadt fertig ist, werden noch Jahre vergehen. Höchste Zeit, nach Alternativen zu suchen - auch radikalen.

Kommentar von Iris Hilberth

Alle schimpfen über den Verkehr, jeder spricht über den Klimawandel, und viele fordern nicht nur ein Umdenken, sondern auch schnelles Handeln. Zum Beispiel den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad. Radschnellwege gelten inzwischen auch in der Region München als dringend notwendig, um die Leute umweltfreundlich und staufrei zum Ziel zu bringen. Doch bis es endlich soweit ist, dass solche Trassen für den schnellen Radler das Umland und die Stadt verbinden, können noch Jahre oder Jahrzehnte ins Land gehen. Das hat die Infoveranstaltung des Landkreises in Oberhaching wieder einmal gezeigt.

Seit 2016 werden solche Verbindungen geprüft. Es gibt eine Potenzialanalyse für die gesamte Region und eine Machbarkeitsstudie für eine Pilotstrecke zwischen der Münchner Stadtgrenze und dem Hochschulcampus in Garching. Gebaut wurde noch kein einziger Kilometer. Denn inzwischen weiß man: Die Errichtung von Radschnellwegen ist eine hochkomplizierte Angelegenheit mit zig Vorgaben, die vor allem in einem dicht bebauten Gebiet wie dem Ballungsraum München äußerst schwer umzusetzen sind. Man kann nicht mal eben eine neue Schneise Richtung Landeshauptstadt schlagen, um den Radlern freie Bahn zu geben. Allein Grundstücksverhandlungen können sich lange hinziehen. Auch erweist es sich als gar nicht so einfach, die bestehenden Radwege entsprechend auszubauen, um ein flotteres Vorankommen zu garantieren.

Denn im stadtnahen Gebiet folgt eine Einmündung auf die nächste, die allesamt auch den Radverkehr ausbremsen. Es sei denn man baut ihm Brücken oder Tunnel. Es kann also noch ewig dauern, bis der Landkreis München seinen ersten Radschnellweg einweiht, wenn man sich in den Ideen und in der Planung weiter auf alten Pfaden bewegt.

Vielleicht sollte man einfach mal radikal umdenken und die Bezeichnung "Radl-Autobahn" wörtlich nehmen. Man könnte ja große Ausfallstraßen wie etwa die A995 einfach für die Autos halbieren und zur Bundesstraße abstufen, um die andere Seite zum Radschnellweg zu erklären. Das Lärmschutzproblem würde das übrigens gleich mit lösen. Auch für die A 8 ab dem Kreuz München-Süd wäre das denkbar, ebenso für die Wasserburger Landstraße oder den Föhringer Ring. Für die Autofahrer würde die Fahrt nach München dann sehr unattraktiv. Aber darum geht es ja.