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Kommentar:Politik braucht Köpfe

Die Grünen haben sich den Misserfolg in den Stichwahlen zum Teil selbst zuzuschreiben

Hinterher ist es müßig zu spekulieren, was gewesen wäre, wenn. "Hätte, hätte, Fahrradkette", sagte schon Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, als er auf seinen verunglückten Wahlkampfslogan als SPD-Kanzlerkandidat angesprochen wurde. Und doch stellt sich die Frage, ob die Grünen bei der Kommunalwahl vor zwei Wochen und bei den Stichwahlen am Sonntag besser abgeschnitten hätten, wenn sie denn mit anderen, prominenteren, vielversprechenderen Köpfen angetreten wären. Ihr Scheitern beim Sturm auf Rathäuser und Landratsamt allein mit dem Söder-Effekt zu erklären, wonach die Wähler in diesen Krisenzeiten der guten alten CSU und den amtierenden Politikern vertrauen, greift jedenfalls zu kurz.

Eine zweite Erklärung ist nämlich, dass den Grünen jenseits von Pullach und Susanna Tausendfreund profilierte und interessante Köpfe fehlen. Ein Christoph Nadler war als Landratskandidat mit seinen 63 Jahren trotz aller kommunalpolitischen Erfahrung für die Wähler keine überzeugende Alternative zum zupackenden, energiegeladenen 45-jährigen Amtsträger Christoph Göbel. In Unterhaching wäre das vielleicht Claudia Köhler, die Landtagsabgeordnete, gewesen; sie hätte SPD-Bürgermeister Wolfgang Panzer zumindest gefährlicher werden können als Armin Konetschny. Und in Neubiberg hätte Kilian Körner in anderen Zeiten vielleicht die grüne Welle ins Ziel reiten können, ebenso Marcel Tonnar in Schäftlarn, dem am Sonntag nur ein klitzekleiner Rückenwind fehlte. In anderen Gemeinden dagegen war das grüne Angebot von Haus aus keiner breiten Wählerschaft vermittelbar oder es gab mangels Personal nicht einmal grüne Bürgermeisterkandidaten.

Die Umweltpartei hat zwar etliche Mandate in Stadt- und Gemeinderäten und im Kreistag hinzugewonnen und wird die kommenden sechs Jahre deutlich stärkeren Einfluss auf die Kommunalpolitik im Landkreis München nehmen. Damit sie nach der nächsten Wahl in sechs Jahren aber auch führende Köpfe stellt, darf sie nicht nur die politische Agenda bestimmen, sondern muss auch die richtigen Leute finden, die für diese stehen.

© SZ vom 31.03.2020
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