Kommentar Ohne Geothermie geht es nicht

Die Energiewende im Landkreis kann nur gelingen, wenn neue Energieformen erschlossen werden. Um das neue Ziel der Dekarbonisierung zu erreichen, kommt die Wärme aus dem Untergrund gerade recht, auch wenn es hie und da noch Probleme bei der Umsetzung des Konzepts gibt

Von Lars Brunckhorst

Vor ein paar Tagen verschickte die Parteifreie Wählerschaft Unterföhring eine Mitteilung an die Presse, wonach die zweite Geothermie-Bohrung am Ort so viel Wärme liefere, dass die Gemeinde nicht wisse, wohin damit. Die Wählergruppe von Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer lieferte gleich die Lösung für das außergewöhnliche Problem mit: Warum nicht die überschüssige Wärme über Rohre in die Felder leiten, um dort im großen Stil ganzjährig Gemüse und Obst anzubauen? Also Spargel, Radieserl und Co. angebaut in Unterföhring.

Eine lustige Idee, die allerdings angesichts des Datums der Pressemitteilung auch nicht mehr war, als lustig gemeint: ein Aprilscherz nämlich. Kein Scherz ist indes das Vorhaben, von 2019 an Ottobrunn, Hohenbrunn, Neubiberg und Höhenkirchen-Siegertsbrunn mit Wärme aus den Tiefen der Erde zwischen Dürrnhaar und Kirchstockach zu versorgen.

Was die vier Südostkommunen zusammen mit den Ottobrunner Gemeindewerken und den Firmen Baywa und Hochtief vorhaben, ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Energiewende im Landkreis. Diese war zuletzt ein wenig ins Schlingern geraten, weil der Energiehunger im Raum München immer größer wird. Umso mehr kommt es darauf an, die benötigte Energie durch erneuerbare, CO₂-neutrale Quellen zu substituieren. Dekarbonisierung heißt die neue Zauberformel, die auf der Klimakonferenz in Paris ersonnen wurde und auch in die Energievision des Landkreises Eingang gefunden hat.

Der Geothermie kommt dabei eine große Rolle zu. Ohne die Nutzung der Erdwärme wird eine Region wie das Münchner Umland, in der sich Wind-, Wasser- und Sonnenkraft nur sehr eingeschränkt nutzen lassen, die Energiewende nicht schaffen. Für den Landkreis und seine Menschen ist es daher ein Glücksfall, dass sie auf einem gigantischen unterirdischen Schatz sitzen, der ähnlich wertvoll ist wie bisher Ölfelder. Von Schwierigkeiten wie zuletzt in Unterhaching und Grünwald sollte man sich daher nicht entmutigen lassen. Auch wenn es für Spargelfelder nicht langt.