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Kommentar:Erzieher brauchen Solidarität

In der Krise sollte investiert werden, erst recht in Bildungseinrichtungen und ihr Personal

Diese weltumspannende Krise trifft auch die Kommunen im reichen Landkreis München hart. In vielen Städten und Gemeinden wird der Rotstift angesetzt, werden Projekte auf unbestimmte Zeit nach hinten geschoben, Nachtragshaushalte sind in Arbeit und freiwillige Leistungen kommen auf den Prüfstand. In Ottobrunn gibt es sogar Überlegungen, Personal im Bereich der Kinderbetreuung abzubauen, wenn denn eine zweite Infektionswelle übers Land rollen sollte und die Einrichtungen ihren Betrieb erneut drastisch herunterfahren müssten. Allein der Gedanke, beim pädagogischen Personal sparen zu können, ist aber grundlegend falsch.

Schon in normalen Zeiten fällt es den Trägern von Kitas und Kindergärten - egal ob gemeindliche oder private - äußerst schwer, gut ausgebildetes Personal für die Kinderbetreuung zu finden. In kaum einem anderen Berufszweig offenbart sich der Fachkräftemangel so sehr wie in diesem Bereich. Das liegt vor allem an einem Umstand: Erzieher werden schlichtweg zu schlecht bezahlt, den meisten können die hohen Lebenshaltungskosten nur dann schultern, wenn die Kommunen in Form von Arbeitsmarktzulagen etwas oben drauf packen.

Wenn Städte und Gemeinden jetzt darüber nachdenken, Personal abzubauen, weil einige Wochen lang weniger Arbeit angefallen ist und eine ähnliche Situation noch einmal drohen könnte, stellt das ein fatales Signal dar und ist eine Geringschätzung der Arbeit jener Menschen, auf die alle Familien einmal angewiesen sind. In der Krise, so lautet ein gängiger Grundsatz, muss investiert werden. Die Kommunen tun gut daran, in ihre Bildungseinrichtungen und vor allem in ihre Mitarbeiter zu investieren. Die Kinder und ihre Betreuer haben diese Wertschätzung verdient - in der Krise, wie auch im Normalzustand.

© SZ vom 03.06.2020

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