Kommentar Ein Prosit der Scheinheiligkeit

Gehört das Wettpflügen beim Keferloher Montag wirklich zum Brauchtum? Oder subventioniert der Kreis mit seinem Zuschuss lediglich ein Bierfest? Da gibt es noch viele andere

Von Lars Brunckhorst

Oans, zwoa, gsuffa: Nach 2014 und 2017 wird bereits zum dritten Mal im Kreistag über den Keferloher Montag und die Frage gestritten, ob der Kreis dazu einen Obolus leisten soll. Der politische Schlagabtausch ist damit so vorhersehbar wie die Strohhüte, die jedes Jahr Anfang September in dem kleinen Weiler bei Grasbrunn gesichtet werden. Was auch auf den Ausgang der Debatte zutrifft: Am Ende findet sich immer eine breite Mehrheit, den Veranstaltern Geld zu überweisen.

Braucht's das? Gewiss nicht. Auch wenn Kreispolitiker den Zuschuss als Akt der Brauchtumspflege rechtfertigen: Der Keferloher Montag ist - Wettpflügen hin, Bullenschätzen her - nichts anderes als ein ganz normales Bierfest. Er mag zwar seine Ursprünge in einem mittelalterlichen Viehmarkt haben, aber die Zeiten, da der Keferloher Montag als größtes Landwirtschaftsfest im Raum München galt, sind lange vorbei. Das Leistungspflügen, für das der Kreis 12 000 Euro locker macht, ist nicht mehr als der Versuch, dem Fest den Anschein einer Traditionsveranstaltung zu geben.

Sicher: 12 000 Euro sind bei einem Kreishaushalt von 856 Millionen Euro nicht einmal so viel wie ein Salzkorn auf den Riesenbrezen, die es am 2. September ebenso sicher geben wird wie das Leistungspflügen. Und München lässt sich sein Oktoberfest jedes Jahr einen mehrstelligen Millionenbetrag kosten - so viel schießt die Stadt für Sicherheit, Toiletten und Straßenreinigung zu. Aber der geschickt verbrämte Defizitausgleich für ein Fest mit Bierzelt und Politikerauftritten zählt nun einmal nicht zu den Aufgaben des Landkreises.

Meinte die Mehrheit der Kreisräte es mit der Brauchtumspflege ernst, müsste sie auch Traditionsveranstaltungen wie dem Sankt-Anna-Ritt in Staucharting oder der Leonhardi-Wallfahrt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn finanzielle Zuwendungen zukommen lassen. Will man aber bloß das gesellige Zusammenkommen von Menschen fördern, dann kann der Kreis auch gleich sämtliche Volks- und Bürgerfeste von Garching bis Unterhaching bezuschussen. Na dann Prost!