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Kommentar:Ein Antreiber im Rathaus

Das Thema Klimaschutz ist zu wichtig, um es auf die lange Bank zu schieben

Von Gudrun Passarge

Die Zeiten sind unsicher, nicht nur weltpolitisch, sondern auch klimatisch. Kommt da noch mal ein richtiger Winter? Der neue Bob der Enkelin liegt jedenfalls völlig nutzlos im Keller. Außer einem Mini-Schneemann gab es noch keine Winterfreuden in diesem Jahr. Kein Wunder also, dass sich viele Menschen Gedanken machen. Klimawandel treibt nicht nur junge Leute um, und wenn die Anemonen im Garten seit Januar standhaft blühen, kann nicht alles in Ordnung sein.

Klimaschutz ist eines der wichtigsten Themen, das die Menschen umtreibt, was auch fast alle Parteien erkannt haben. Und wenn, wie jetzt in Taufkirchen, ein Gemeinderat kritisiert, dass auf Kosten des Klimaschutzes Wahlkampf gemacht werde, nur weil die Grünen etliche Anträge dazu gestellt haben, dann ist das falsch. Nicht auf Kosten, sondern für den Klimaschutz wird Wahlkampf gemacht - und das nicht nur von den Grünen, sondern sogar von der CSU. Endlich, sagen viele Bürger, die sich mehr innovative Ansätze zum Schutz der Umwelt wünschen.

Dazu gehört auch die Möglichkeit, einen Klimaschutzmanager einzustellen. Er könnte im Rathaus die Person sein, bei dem die Fäden zusammenlaufen, der neue Projekte initiiert und hilft, Klimaschutzkonzepte zu entwickeln, die allerdings nicht auf dem Papier stehen bleiben sollten, sondern umgesetzt werden müssten. In den Kommunen im Landkreis wird so ein Manager von manchen noch als Fremdkörper oder Kostentreiber betrachtet. Obwohl es - wenn auch zeitlich befristet - hohe Zuschüsse gibt, möchte etwa Garching lieber auf einen Klimaschutzmanager verzichten und setzt stattdessen auf einen Werkstudenten zur Unterstützung des Umweltreferenten. Taufkirchen dagegen prüft den Antrag der Verwaltung, einen Klimaschutzmanager einzustellen. Einen Manager, der einen klaren Fokus und einen Auftrag hat, damit der Schutz der Umwelt nicht in Worthülsen stecken bleibt. Es wäre gut, wenn in allen Rathäusern ein Antreiber da ist, der nichts anderem verpflichtet ist als dem Klima. Ein Klimaschutzmanager eben, der etwas zu sagen hat, und keine Hilfskraft.

© SZ vom 26.02.2020
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