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Kommentar:Die SPD betreibt Kirchturmpolitik

Die Genossen liegen mit ihrer Kritik an den Grünen und dem Erhalt der Frischluftschneise falsch. Diese ist nicht verhandelbar

Die Grünen aus Stadt und Landkreis München hatten ihre Veranstaltung zum Schutz der Frischluftschneise vergangene Woche mit dem Worten "Gemeinsam für die Lebensqualität im Hachinger Tal" überschrieben und vor einer Bebauung des Kapellenfelds auf Neubiberger Flur gewarnt. Sie beschworen die interkommunale Zusammenarbeit und forderten eine Abkehr von jeglicher "Kirchturmpolitik". Und damit haben sie an das erinnert, was mittlerweile jedem klar geworden sein müsste: Klimaschutz ist eine gemeinsame Herausforderung. Er ist keine Empfehlung, die man hier befolgen kann und dort nicht, sondern eine Notwendigkeit.

Der SPD im Landkreis, insbesondere in Neubiberg, aber fällt nichts Besseres ein, als dieses Treffen der Grünen als "Inszenierung" und "Wahlkampf" abzutun. Natürlich müsse der Grünzug beachtet werden, schreibt der SPD-Kreisvorsitzende Florian Schardt in einer Pressemitteilung, gleichzeitig findet er aber, dass "kein Neubiberger Bürgermeister glücklich wäre, über Jahre hinaus auf dem Kapellenfeld auf jegliche Planungen zu verzichten". Er wirft den Grünen "schicke Worte" vor und fordert von allen "gesunden Menschenverstand". Nach dem Motto "Ein bissel was geht immer" schlägt er "intelligente Minimalbebauung" vor. Und wenn Neubiberg doch auf ein Gewerbegebiet verzichtet, sollen die Münchner eben für ihre frische Luft zahlen.

Das zeigt, dass die SPD nicht verstanden hat, um was es hier geht: nämlich nicht um einen Gefallen für den Nachbarn, sondern um existenzielle Fragen. Natürlich steht Thema Klimaschutz für einen Grünen-Kandidaten im Wahlkampf ganz oben auf der Prioritätenliste. Das sollte es aber für alle anderen auch sein. Die Münchner in der Hitze der Stadt nach Luft schnappen zu lassen, weil man ihnen mit irreversiblen Bauten im Grünzug die kühlen Winde aus den Alpentälern abschneidet, ist egoistisch und unverantwortlich. Die Frischluftschneise ist nicht verhandelbar.

© SZ vom 21.01.2020
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