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Kommentar:Brennende Fragen

Der Ausstieg aus der Atomkraft ist beschlossene Sache, doch der Forschungsreaktor in Garching bleibt und mit ihm die Fragen, ob er mit hochangereichertem Uran arbeiten muss und wie die Abfälle gelagert werden

Der Ausstieg ist beschlossene Sache: 2022 soll das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz gehen. Doch nach Jahren des Ringens um das Ende der Kernenergie kann von gesellschaftlichem Konsens oder gar Frieden keine Rede sein. Zu viele Fragen bleiben unbeantwortet. Etwa jene nach der Endlagerung des Atommülls. Oder die Frage, ob weiter mit hochangereichertem Uran geforscht werden soll wie im Forschungsreaktor der TU in Garching, dessen Rückstände übrigens weit weg im nordrhein-westfälischen Ahaus eingelagert werden sollen. Was dort auf wenig Gegenliebe stößt.

Wie sehr auch in der Universitätsstadt um die Atomkraft gerungen wird, wurde deutlich, als der Bauausschuss darüber zu beraten hatte, ob weiterhin schwach radioaktives Wasser aus dem Reaktor in die Isar geleitet werden darf. Die große Mehrheit stimmte dafür, um - wie Bürgermeister Gruchmann sagte - kein Zeichen des Misstrauens an die Wissenschaft zu senden. Eine kleine Minderheit um Hans-Peter Adolf und die Grünen sprach von einem "rechtswidrigen Betrieb" und einem Verstoß gegen den "Atomwaffensperrvertrag". Drastische Worte, die zeigen, worum es eigentlich geht: die Verwendung von hochangereichertem Uran in dem Garchinger Reaktor und weniger um das Abwasser, das in die Isar geleitet wird.

Es muss eine neue, offene Diskussion darüber geführt werden, warum in Garching Brennelemente verwendet werden, die das Potenzial für Atomwaffen haben - und noch immer kein Brennstoff mit deutlich niedrigerer Anreicherung, wie es die Grünen fordern. Auch muss die Frage geklärt werden, wie die Endlagerung aussehen soll. Brennende Fragen, die für sich alleine nur eine Schluss zulassen: Atomenergie hat in Deutschland keine Zukunft.

© SZ vom 17.01.2019
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