Der deutsche Wald leidet, der Klimawandel fordert seinen Tribut. Mindestens so wie die Wälder sind auch die grünen Oasen in den Städten und Gemeinden bedroht, die ganz unmittelbar die Lebensqualität ausmachen. Im Münchner Umland ist das Problem besonders drängend, wird doch hier in dichten Siedlungsräumen weiter kräftig versiegelt. Baukräne bestimmen vielerorts die Szenerie. Es entsteht Wohnraum, Gewerbegebiete werden aus dem Boden gestampft. Deshalb ist es höchste Zeit, dem Schutz der Grünflächen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die Schludrigkeit, die bei Ämtern und Behörden mangels Personal und klarer Vorgaben herrscht, muss ein Ende haben.
Ausgerechnet in dem Haarer Baugebiet mit dem schönen Namen Jugendstilpark ist wie unter einem Brennglas zu beobachten, wie brisant die Lage ist: In dem einstigen Park mit altem Baumbestand verschwinden große Bäume reihenweise. Das hat mit baulichen Notwendigkeiten zu tun, oft sind Bäume aber auch nicht schützenswert, weil sie im nährstoffarmen Boden der Schotterebene leiden. Nicht selten herrscht aber auch Unwissen, wie gefährlich es ist, mit schwerem Gerät Wurzeln zu kappen oder Boden zu verdichten. Und nicht von ungefähr sehen sich Bauträger immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, Bäume bewusst zu schädigen. Das Bußgeld zahlt man locker. Wenn nicht aufmerksame Bürger sich für ihre Bäume einsetzten, sähe es noch viel schlimmer aus. Solche Wildwest-Methoden müssen ein Ende finden.
Ebenso ist es an der Zeit, bei der Diskussion über Bäume und Grün eingefahrene Wege zu verlassen. Viel zu oft wird im Klein-Klein über die Frage diskutiert, in was für Siedlungen und Orten wir in Zukunft leben wollen. Entscheidend aber ist, ob es bei einer sich aufheizenden Atmosphäre weiter Frischluftschneisen geben wird. Es geht um vernetzte Grünflächen innerorts, die eine segensreiche Wirkung entfalten können. Doch stattdessen gab es in Kirchheim und Baierbrunn dieser Tage eine Neuauflage eines seit Jahrzehnten währenden Streits um Baumschutzverordnungen. Kirchheim stimmte dafür, die Fällung von Bäumen zu reglementieren, Baierbrunn dagegen. Bei dem Austausch der Argumente schien es so, als ginge es nur um des Nachbars Garten. Dabei geht es doch längst ums große Ganze.