Kommentar:Absturz als Chance

Die SpVgg Unterhaching muss den eingeschlagenen Weg fortsetzen und auf eigene Talente setzen

Von Stefan Galler

Nur so kann es funktionieren: Will sich die Spielvereinigung Unterhaching mittelfristig im Profifußball etablieren, ohne finanziell komplett ins Risiko zu gehen, muss Klubboss Manfred Schwabl den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Nämlich ohne Rücksicht auf sportliche Nackenschläge auf junge Talente setzen, die im eigenen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet und später gewinnbringend verkauft werden; dazu den Kader mit ein paar erfahrenen Kräften aufstocken, die mit Leib und Seele hinter dem Verein stehen. Der Versuch, mit teuren Zugängen den kurzfristigen Erfolg zu erreichen, ist in den vergangenen Jahren grandios gescheitert.

Statt zurückzukehren in Liga zwei, stürzt der ehemalige Erstligist nun in den Amateurfußball ab und trifft in der Regionalliga nicht nur auf lokale Gegner wie Heimstetten oder Deisenhofen (sofern der Bayernliga-Zweite auch wirklich aufsteigen darf), sondern auch auf ambitionierte Vereine aus dem Norden des Freistaats und womöglich auf die Reserve des FC Bayern, die in der dritten Liga ebenfalls in Abstiegsgefahr schwebt. Die starke Konkurrenz dürfte das Ziel, sofort wieder aufzusteigen, gehörig erschweren.

Der Traum Schwabls, Haching als regionalen Gegenentwurf zu den Münchner Großklubs zu etablieren, als Klub zum Anfassen mit sozialem Engagement in der eigenen Gemeinde, könnte aufgehen. Insbesondere vor dem Hintergrund, wie sehr sich der Profifußball derzeit von der Basis entfernt. Solange Super-League-Pläne grassieren, wird sich so mancher Fußballfreund eher wieder dem Klub vor der eigenen Haustüre zuwenden.

Und doch bleibt fraglich, ob der Profibereich, und sei es nur die dritte Liga, auf Dauer die sportliche Heimat der Hachinger sein kann: Ohne Sponsoren, abhängig vom finanziellen Engagement des Präsidenten und einiger finanzstarker Aktionäre könnte auch das Beschwören von Regionalität und Bodenständigkeit irgendwann nicht mehr ausreichen, um bezahlten Fußball anzubieten.

© SZ vom 07.05.2021
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