Mitten in der Natur:Einmal Universum und zurück

Lesezeit: 2 min

Eine Nacht auf freiem Feld verspricht wenig Schlaf, aber umso mehr Begegnungen.

Kolumne von Annette Jäger

Die konstant sommerliche Hitze lädt dazu ein, Raum in anderen Dimensionen zu erfahren. Die Schlafzimmer sind stickig, durch die Fenster kommt nur eine Ahnung von frischer Luft. Decken sind zu warm, aber ohne sie bleibt der Schlaf aus. Es ist der Moment für ein Abenteuer: draußen schlafen, in der Natur, unter freiem Himmel. Was es dazu braucht neben Isomatte, Schlafsack, einem Kissen für ein wenig Komfort, ein paar warmen Kleidern, falls es doch frischer wird, einem Picknick und Mückenspray ist ein guter Platz für das Nachtlager: am besten ein Aussichtspunkt, ein Hügelplateau, das rundum Ausblicke erlaubt, das den Sonnenuntergang wie auch den Sonnenaufgang erleben lässt. Ebener Boden ist von Vorteil, um nicht auf dem glatten Außenmaterial des Schlafsacks auf der Isomatte allmählich abwärts zu rutschen.

Der Sonnenuntergang beim Picknick ist spektakulär, die Sonne fällt als roter Ball dem Horizont entgegen, ist mal verschwommenes Rot, dann wieder ganz scharf zu sehen. Und dann ist sie mit einem Mal weg. Der Wind, der eben noch über den Hügelkamm gezogen ist, legt sich, es wird sofort spürbar kühler. Es dauert nicht lange, da ist der erste Abendstern am noch blauen Himmel zu sehen. Es kommen andere hinzu, die Nacht zieht auf, ganz langsam. Es wird immer dunkler und wirklich ernst: Hier soll sich nächtliche Ruhe einfinden, mitten auf der stoppeligen, verdörrten Wiese? Kein Mäuerchen, kein Baum im Rücken? Der Mensch ist auf Schutzraum gepolt, auf irgendeine Art von Dach über dem Kopf. In dieser Nacht ist einfach nur Weltraum über einem. Sterne über Sterne ziehen auf, Satelliten gleiten zügig über den Nachthimmel, Flugzeuge fliegen kreuz und quer. Man wird Teil dieses Universums.

Der Blick macht müde, irgendwann fällt man tatsächlich in den Schlaf - und wacht immer wieder auf, überwältigt vom nächtlichen Schauspiel, das man im geschlossenen Raum verpasst: Um halb drei ist die Milchstraße deutlich zu sehen und der Mond geht als Sichel mit scharfen Konturen dunkelorangerot auf. Um halb fünf hat der Mond die Farbe zu Weiß geändert und steht viel höher am Himmel, die Milchstraße ist verblasst, es wird schon wieder heller. Um halb sechs erhebt sich die Sonne rosarot über dem Horizont. Um halb acht ist die Nacht spätestens beendet, die Sonne scheint einem August-heiß mit voller Kraft ins Gesicht.

Es gibt Nächte mit tieferem Schlaf. Aber diese war eine Reise - einmal zum Universum und zurück. Auf dem Rückweg packen keine 200 Meter entfernt noch zwei Menschen ihre Schlafsachen ein. Auch im Universum ist man nicht allein.

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