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Klinikum Harlaching in München:Hygiene-Richtlinien "nur unzureichend" eingehalten

Angesichts der Personalknappheit sei es "offensichtlich", dass auch die Hygiene-Richtlinien oft nicht eingehalten werden könnten. Wo die Mitarbeiter für derart viele Patienten gleichzeitig zuständig sind, werde es früher oder später passieren, dass in akuten Notfällen die Desinfektion der Hände oder das Anlegen eines Schutzkittels "nur unzureichend ausgeführt wird", warnen die Assistenzärzte.

In Harlaching gebe es momentan derart wenige Mitarbeiter, dass es schon bei Ausfall einer Person "immer wieder zum Zusammenbruch des geordneten Betriebs" komme. Bei den Ärzten seien sogar "schon des öfteren Beinahezwischenfälle, die potentiell auch lebensbedrohlich waren", dokumentiert worden.

"Wir nehmen den Brief sehr ernst", versicherte Kliniksprecher Michel Rodzynek - auch wenn man strukturelle und betriebliche Probleme eigentlich nicht in der Öffentlichkeit diskutieren wolle. "Es fehlt an Leuten, das stimmt". Deutschlandweit würden derzeit 5000 Klinikärzte benötigt, das Problem sei also keineswegs spezifisch für das Harlachinger Krankenhaus oder den Münchner Klinikkonzern. Die Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal für das hochpreisige München zu bekommen und gleichzeitig die Kosten im Griff zu halten, führten bereits dazu, dass Betten bewusst nicht mehr belegt würden. Rodzynek zweifelt allerdings an einigen Details aus den Schilderungen der Assistenzärzte. Die Vorstellung, Magenspiegelungen würden bei nicht nüchternen Patienten ausgeführt, sei "unrealistisch". Entsprechende Dokumentationen lägen zumindest der Klinikspitze nicht vor.

Die Geschäftsführer des Klinikkonzerns, Franz Hafner, Birgitta Köbach und Dieter Daub, statteten dem Harlachinger Krankenhaus am späten Montagnachmittag einen Besuch ab. Dabei sollte, wie Rodzynek bestätigte, auch über den Personalmangel gesprochen werden, unter anderem bei einem Treffen mit den Chefärzten. Die Struktur des städtischen Klinikkonzerns wird nach dem Hygieneskandal derzeit per Gutachten untersucht. Dabei soll, so hat es der Aufsichtsrat beschlossen, auch eine Studie zum Themas Pflege verfasst werden.

© SZ vom 24.08.2010/hai
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