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Klimawandel:Haar jetzt Teil der Alianza del Clima

Gemeinde tritt Bündnis bei, das Interessen indigener Völker des Regenwaldes vertritt

Von Bernhard Lohr, Haar

Der Beschluss im Gemeinderat fiel einstimmig und die finanziellen Folgen für die Gemeinde Haar sind nicht groß der Rede wert. 220 Euro zahlt die Gemeinde fortan pro Jahr für die Mitgliedschaft im Klimabündnis der europäischen Städte mit den indigenen Völkern der Regenwälder. Haar ist nun Teil der Alianza del Clima. Man kann es als Symbol des guten Willens im Kampf gegen den Klimawandel ansehen. Doch sollte die Gemeinde die Ziele ernst nehmen, zu deren Verfolgung sie sich als Mitglied verschrieben hat, könnten die Auswirkungen gravierend sein.

Das Klimabündnis existiert seit mehr als 30 Jahren und es gehören ihm mittlerweile 1859 Kommunen aus 27 Ländern an. Auch die Landeshauptstadt München und der Landkreis München sowie die Gemeinden Pullach, Putzbrunn, Planegg, Gräfelfing und die Stadt Unterschleißheim sind mit von der Partie. Für sie alle gilt wie für Haar, dass sie sich zu einem ehrgeizigen Ziel zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen verschreiben. Außerdem haben sie sich für die Interessen der indigenen Völker des Regenwalds an der Erhaltung des Regenwalds einzusetzen.

Konkret hat Haar nun seinen Kohlendioxid-Ausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren. Bis spätestens 2030 ist die Pro-Kopf-Emission des Basisjahrs 1990 zu halbieren. Langfristig strebt das Bündnis eine Verminderung der Treibhausgasemissionen auf ein "nachhaltiges Niveau von 2,5 Tonnen pro Kopf an. Ganz neu ist das freilich nicht. Das Klimaschutzziel des Landkreises und seiner Kommunen sieht ausgehend vom Jahr 2017 eine Halbierung der Pro-Kopf-Emissionen bis 2030 vor, und zwar von 13 Tonnen im Durchschnitt auf sechs Tonnen CO₂. Der jüngste Treibhausgasbericht für den Landkreis gibt für das Jahr 2018 als Zwischenschritt 9,7 Tonnen pro Einwohner an. Haar liegt für 2018, die Belastung durch die Autobahn mitgerechnet, bei 6,1 Tonnen.

Vor dem Beschluss, dem Klimabündnis beizutreten, rief Ulrich Leiner (Grüne) dazu auf, sich 2021 zu konkreten Schritten zu verpflichten, um die Treibhausgasemissionen zurückzufahren. Er schlug einen Arbeitskreis vor, was Dietrich Keymer (CSU) aber als vorschnell kritisiert. Man solle "nicht aus der Hüfte schießen", sagte er. Es sei schon noch was anderes, wenn es konkret werde mit Maßnahmen. Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) dagegen schlug sich auf die Seite der Grünen und riet dazu, sich schon auch zu verpflichten. Er denke an eine Workshopreihe, um Maßnahmen zu erarbeiten. Es gelte, kreativ zu sein.

© SZ vom 02.01.2021
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