Klimaschutz:Nur kaufen, was man wirklich braucht

Die Lightcycle Rohstoffwochen zu Gast im Raum München

Mit einer mit Goldstaub gefüllten Ampulle zeigt Umweltpädagoge Holger Voigt die Menge des Rohstoffs, die für ein Mobiltelefon gebraucht wird.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Neubiberger Gymnasiasten setzen sich mit dem Rohstoffverbrauch auseinander, den unser Lebensstil mit sich bringt

Von Daniela Bode, Neubiberg

Geht es nach Holger Voigt, genügt bloßes Überlegen nicht, um das Klima zu schützen. "Nachdenken reicht nicht aus, wir müssen handeln", sagte der Biologe und Umweltpädagoge bei der "Germanwatch Rohstoffexpedition" am Dienstag am Gymnasium Neubiberg, in seinem Vortrag im Rahmen der bundesweiten Bildungsinitiative "Lightcycle Rohstoffwochen". Anhand von aktuellen und älteren Satellitenbildern zeigte er den Schülern der elften und zehnten Jahrgangsstufe auf, welche gravierenden Folgen der Abbau von Rohstoffen hat und erarbeitete mit ihnen, wie man Ressourcen schützen kann. Sensibilisiert für das Thema sind die Schüler nun allemal. Manch einer sagte auch, in Zukunft werde er noch genauer darauf achten, Dinge nur zu kaufen, wenn er sie wirklich brauche.

Angeboten werden die Rohstoffwochen von Lightcycle, dem Rücknahmesystem für ausgediente Leuchten, in Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern wie Voigt vom Umweltbildungsverein Geoscopia in Kooperation mit der Nichtregierungsorganisation Germanwatch, konzipiert und organisiert vom Institut für innovative Bildungskonzepte. Recht anschaulich lernten die Schüler über den Zusammenhang zwischen dem eigenen Lebensstil und dem Abbau von Rohstoffen. Voigt sprach etwa über den Abbau von Lithium in Südamerika und den dafür nötigen "immensen Wasserverbrauch". Den Bezug zum täglichen Leben in Deutschland lieferten die Schüler zum Teil selbst: Lithium braucht es für Akkus in Handys und auch in Elektroautos. "Auch mit neuen Technologien sind also Umweltprobleme verbunden", sagte der Biologe. Später ließ er die Gymnasiasten schätzen, wie viel Gold für eine Tonne Handys benötigt wird. Eine Gruppe lag mit ihren 200 Gramm nah dran: 250 Gramm sind es. Zuvor hatte er erläutert, dass eine Tonne Golderz benötigt werde, um ein Gramm Gold zu gewinnen, und der Abbau sehr aufwendig sei. Thema war freilich auch der CO₂-Ausstoß: Voigt zeigte Satellitenbilder des Hambacher Forsts, wo der Energiekonzern RWE roden wollte, um weitere Braunkohle abbauen zu können, was Proteste auslöste. Um die Bäume sei es da nicht gegangen, sondern um das CO₂, das beim Verbrennen von Kohle entsteht. "Das Problem ist, wir haben zu viel CO₂ in der Luft", sagte Voigt. Der Anstieg sei zu 100 Prozent auf den Menschen zurückzuführen. Dazu zeigte er auch Satellitenbilder von Gletschern, die im Lauf der Jahre immens abgeschmolzen sind.

Bei den Fakten sollte es nicht bleiben. Denn besonders nachhaltig sind Dinge bekanntlich, wenn man selbst mitmacht. So durften die Schüler gleich überlegen, was sie selbst tun können, um die Ressourcen zu schützen. "Rethink - Überdenke dein Konsumverhalten. Was ist damit gemeint?", fragte Voigt. "Dass man wirklich nur Sachen kauft, die man braucht", sagte eine Schülerin. Voigt warf zudem die Frage auf, ob man ein Auto besitzen müsse, ob nicht eher eine Mobilitätswende angebracht sei, die auch eine gute Infrastruktur für Radfahrer beinhalte. Erdkundelehrer Christopher Müller, über dessen Kontakt die Veranstaltung zustande gekommen war, verwies auch auf die vielen parkenden Autos an der Münchner Gänselieselstraße, die in den Radweg hineinreichten. "Nehmt das nicht hin, setzt euch zur Wehr", sagte Voigt. Eine Schülerin sah die Verantwortung jedoch nicht nur bei den jungen Menschen, sondern auch bei der früheren Generation. Stets heiße es. "Ihr Jungen müsst flexibel sein!" Bei den Älteren werde gesagt, sie können nicht mehr umdenken. "Warum?", fragte sie. Ähnlich äußerte sich ein Schüler: "Die Älteren sind ja die, die am meisten schuld sind."

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