Energiewende:Nach dem Klimathon kommt der Alltag

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Urban Gardenening Unterschleißheim, 2021

Andreas Fend vom Urban-Gardening-Team in Unterschleißheim.

(Foto: Robert Haas)

662 Menschen aus dem Landkreis haben sich an dem Wettbewerb beteiligt und etwa 28 Tonnen CO₂ eingespart. Nun geht es darum, die neuen Verhaltensweisen beizubehalten.

Von Anna Lea Jakobs, Landkreis

Für den Schutz des Klimas braucht es einen langen Atem, aber anders als bei einem Marathon gibt es keine Ziellinie, nach der man sich entspannt zurücklehnen kann. So endete für die Teilnehmer des Klimathons aus dem Landkreis München zwar nach 42 Tagen der spielerische Wettbewerb zur Reduzierung des eigenen CO₂-Ausstoßes. Für die Rettung des Klimas haben sie sich aber gerade erst warmgelaufen.

Insgesamt 662 Teilnehmer haben vom 4. Oktober bis zum 14. November an dem Projekt teilgenommen, das dieses Jahr zum ersten Mal stattfand. Sie absolvierten sogenannte Challenges auf der App Klimakompass und konnten dadurch Punkte sammeln. Diese Herausforderungen waren Teil von sechs Themenwochen, die Mobilität, Ernährung, Wohnen, Freizeit und Urlaub, Konsum und das digitale Leben beinhalteten.

Die Teilnehmerzahl stimmt Christian Wolf zufrieden, der den Klimathon als Leiter des Sachgebiets Energie und Klimaschutz im Landratsamt mitorganisiert hat. "Wir haben nicht Tausende Leute hinter dem Ofen hervorgelockt, aber an sich ist es ein super Turn-out gewesen dafür, dass wir es das erste Mal gemacht haben", sagt Wolf.

Ökologischer Fußabdruck um mehr als 30 Prozent kleiner

Innerhalb der sechs Wochen sind insgesamt etwa 170 000 Klimapunkte erzielt worden, was ungefähr 28 Tonnen an C0₂-Einsparung entspricht. "Wenn wir diese Einsparung auf die Teilnehmeranzahl aufteilen und die dieses Engagement übers ganze Jahr aufrechterhalten würden, sind es ungefähr 1500 Tonnen C0₂ die nur mit diesen Maßnahmen eingespart werden können", erklärt Wolf. Aufs Jahr gerechnet könnte so jeder Teilnehmer seinen Fußabdruck mehr als 30 Prozent reduzieren, wenn das gelernte klimafreundliche Handeln beibehalten werden würde.

Urban Gardenening Unterschleißheim, 2021

Andreas Fend hat mit dem Unterschleißheimer Urban-Gardening-Team am Klimathon teilgenommen. Das Foto zeigt ihn mit einem kleinen Windrad auf dem Gelände, das die Gartler bewirtschaften.

(Foto: Robert Haas)

Dazu zählt etwa der Wechsel zum Ökostrom, den ungefähr ein Drittel der Teilnehmer erfolgreich absolviert hat. Die beliebteste Challenge war, das Mineralwasser gegen das weit umweltfreundlichere Leitungswasser auszutauschen. Über 300 Klimathon-Teilnehmer bewältigten diese Aufgabe. Ebenso trockneten viele ihre Wäsche an der Luft, statt den Wäschetrockner zu verwenden. "Man muss im Prinzip nicht viel machen, aber erreicht viel fürs Klima", betont Lehrerin Daniela Weimar, die mit dem Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn mitgemacht hat.

Als Leiterin des Arbeitskreises für Umwelt organisierte sie mit Schülern und Schülerinnen die Teilnahme beim Klimathon. Sie fertigten Plakate für die Aula an, zogen durch die Klassen, um für das Projekt zu begeistern. Nun holten sie den zweiten Platz beim Team-Ranking hinter der Mannschaft des Alpenvereins. Insgesamt 75 Vertreterinnen und Vertreter der Schule konnten 15 000 Klimapunkte erzielen, wodurch 2,4 Tonnen an CO₂ eingespart werden konnten.

Energiewende: Christian Wolf ist Leiter des Sachgebiets Energie und Klimaschutz im Münchner Landratsamt. Er hat den ersten Klimathon im Landkreis mitorganisiert und ist zufrieden.

Christian Wolf ist Leiter des Sachgebiets Energie und Klimaschutz im Münchner Landratsamt. Er hat den ersten Klimathon im Landkreis mitorganisiert und ist zufrieden.

(Foto: Privat)

Gerade der Wettkampfcharakter sporne die Kinder und Jugendlichen an, da sie sich mit den anderen Klassen vergleichen können. "Mit so einem Projekt erreicht man Schüler gut, das Handy haben sie eh immer in der Hand", erzählt Weimar. Jedoch hätten sich die Teilnehmer gewünscht, auf der App sehen zu können, wer momentan vorne liegt. Ihre Lieblings-Challenge war die fleischlose Woche. Für Inspiration in der Küche veröffentlichten die Mitglieder des Arbeitskreises für Umwelt Rezeptideen für vegetarische Ernährung auf dem Bildschirm in der Aula.

Recycelte IT-Ware

Andreas Fend, der mit dem Urban-Gardening-Team aus Unterschleißheim mitgemacht hat, erzielte sein bestes Ergebnis bei den Shopping-Challenges. Dafür recycelte er alte IT-Hardware im Freundeskreis. Nur beim digitalen Lifestyle konnte er wenig Punkte erzielen, denn als Softwareentwickler sei er nun mal dauernd online.

Neben der Bewältigung dieser Aufgaben schätzte er vor allem die lebhaften Gespräche, die in den vergangenen sechs Wochen aufkamen. Die Mitglieder des Urban-Gardening-Teams trafen sie sich und diskutierten über Müllvermeidung im Hygienebereich und den lokalen Anbau von Lebensmitteln. Doch er hätte sich noch mehr Veranstaltungen auf lokaler Ebene gewünscht.

Auch Christian Wolf sieht Verbesserungsmöglichkeiten. Eigentlich sollten sich die einzelnen Aufgaben an den sechs Themenwochen orientieren. "Die haben aber nicht so gut mit den Klima-Challenges in der App zusammengepasst, was für Verwirrung gesorgt hat", erläutert der 38-Jährige. Für nächstes Jahr wollen die Veranstalter mit dem Betreiber der App reden, damit diese beim zweiten Anlauf des Projekts besser übereinstimmen.

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