Lärm am Kleinen Theater Haar:Endlich Ruhe

Lärm am Kleinen Theater Haar: Live im Wohngebiet: Durch die Sommerbühne des Kleinen Theaters Haar fühlten sich die Anwohner belästigt. Künftig darf es nur noch den Biergarten hinter dem Haus geben.

Live im Wohngebiet: Durch die Sommerbühne des Kleinen Theaters Haar fühlten sich die Anwohner belästigt. Künftig darf es nur noch den Biergarten hinter dem Haus geben.

(Foto: Sebastian Gabriel/)

Der zuständige Ausschuss des Landtags stärkt den Anwohnern im Jugendstilpark den Rücken und beschränkt die Außenveranstaltungen auf den genehmigten Biergarten hinter dem Kulturhaus. Sowohl die Nachbarn als auch Intendant Mathias Riedel-Rüppel geben sich zuversichtlich, dass der Streit nun beigelegt ist.

Von Laura Geigenberger, Haar

Seit September ist es ruhig geworden um das Kleine Theater im Haarer Jugendstilpark. Mit dem Ende der Sommersaison verschwand die ohne Genehmigung aufgestellte Bühne vor dem Haus - und mit ihr der Auslöser des Streits um Lärmbelästigung mit den Nachbarn. Hinter den Kulissen aber schwelte er weiter. Nach der Behandlung einer Petition von mehr als einem Dutzend Anwohnern im Landtag am Mittwoch dürfen sich diese in ihrer Position bestärkt fühlen. Aber auch Intendant Matthias Riedel-Rüppel betont, dass er mit der Entscheidung leben könne, und zeigt sich versöhnlich.

Der auch für Gaststätten zuständige Landwirtschaftsausschuss des Landtags stellte sich nach rund halbstündiger Diskussion hinter die zentrale Forderung der Nachbarn: Das Kleine Theater darf fortan keine Open-Air-Veranstaltungen mehr auf der Apfelwiese betreiben. Der genehmigte Gastrobetrieb hinter dem Haus steht hingegen nicht infrage, sofern das Theater wie gefordert Ruhezeiten und Immissionsrichtlinien achtet.

Unklar ist allerdings, ob und wie im Biergarten künftig Musikveranstaltungen stattfinden können. Das Wirtschaftsministerium schrieb in seiner Stellungnahme, dass "Art und Umfang der Nutzung" des Theatergartens in dessen Gaststättenkonzession "nicht näher definiert" seien. Eine "lärmintensive Nutzung" des Biergartens - etwa durch Konzerte oder Open-Air-Veranstaltungen - müsste allerdings beantragt und vom Landratsamt durch ein "qualifiziertes Lärmschutzgutachten" geprüft werden. Jedoch würde die Kreisverwaltung erst dann einschreiten und nachträgliche Auflagen festsetzen, wenn sich erneut die Beschwerden häuften.

Intendant Matthias Riedel-Rüppel muss sich nun überlegen, ob er sich auf die Kulanz seiner Nachbarn verlassen oder den Versuch unternehmen will, den Musikbetrieb in seinem Theatergarten genehmigen zu lassen. Er bangt vor allem um die Veranstaltungsreihe "Feierabend im Theater", welche bei gutem Wetter im Sommer oft mittwochs im Freien stattfindet. "Wenn es die Konzerte in dieser Form nicht mehr geben kann, würde man ein sehr erfolgreiches und geschätztes Programm im Kleinen Theater kaputt machen", sagt er. "Damit würde man der Gemeinde viel nehmen." So weit müsse es aber nicht kommen, versicherten drei Anwohner, die die Sitzung des Ausschusses im Maximilianeum verfolgt hatten. Sofern sich die Veranstaltungen im Theatergarten auf wenige Male im Monat beschränken und außerhalb der Ruhezeiten liegen, sei jeder zufrieden.

"Ich glaube, keiner hat gewonnen bei dieser ganzen Nummer", sagt Matthias Riedel-Rüppel

Als eine der Unterzeichnerinnen der Petition zeigt sich Katharina Klenk erfreut darüber, dass der Sachverhalt vom Ministerium so "ausführlich und eindeutig dargelegt und unsere Meinung bestätigt" worden sei. Auch Riedel-Rüppel ist mit dem Ausgang zufrieden: "Das entspricht, worauf wir uns beim runden Tisch schon mal festgelegt hatten. Damit bin ich völlig fein", sagt er. Er wolle vom kommenden Jahr an mit Ausnahme der Mittwochabende im Theatergarten auf das Sommer-Open-Air verzichten und auch keine Feiern im Freien veranstalten, die über eine gewisse Lärmgrenze hinausgehen. Allerdings räumt er auch ein, sich eine Einigung außerhalb des Landtags gewünscht zu haben. "Dass wir das bis zu einer Petition haben eskalieren lassen müssen, finde ich, ehrlich gesagt, für keine Seite besonders gut. Ich glaube, keiner hat gewonnen bei dieser ganzen Nummer." Nach Riedel-Rüppels Ansicht haben alle Betroffenen "auch persönlichen Schaden genommen".

Tatsächlich war der Nachbarschaftsstreit im Laufe des Sommers regelrecht eskalierte. In den sozialen Medien beschimpften sich die Beteiligten gegenseitig. Manche Anwohner fühlte sich zudem Anfeindungen vonseiten der Theater-Fans ausgesetzt - sie berichteten von einer "Hetzjagd". Das Theater hatte 2020 wegen der Auflagen während der Corona-Pandemie die öffentliche Freifläche nahe dem Bühneneingang zu einer Art Konzert-Biergarten umfunktioniert, mit Bühne und Gastronomiebetrieb. Beides wurde auch nach Corona weiter betrieben. Allerdings war die Fläche nie Teil des Theater-Grundstücks, sondern gehörte von jeher dem Bezirk Oberbayern. Anders als für den kleineren, genehmigten Biergarten auf der Hinterseite des Hauses gab es für die Aufbauten somit keine Konzession.

Einige Nachbarn, deren Wohnungen teils nur wenige Meter entfernt liegen, beschwerten sich vom Frühjahr an über die Lärmbelastung der Open-Air-Veranstaltungen, die bei gutem Wetter oft mehrmals wöchentlich und bis spät in die Nacht stattfanden. Im Juli gab es zwei Ortsbegehungen durch das Landratsamt. Zwar sei dabei keine Lärm-Immissionsmessung vorgenommen worden, jedoch der "Eindruck" entstanden, dass eine "erhebliche Belästigung der Anwohnerschaft" nicht ausgeschlossen werden könne, heißt es in der Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums. Ein Schlichtungsgespräch zwischen Vertretern der Nachbarschaft, Gemeinde und Bezirk sowie Intendant Matthias Riedel-Rüppel scheiterte Ende August an Differenzen über das Protokoll.

Laut Katharina Klenk gab es die Forderungen der Anwohner nicht zufriedenstellend wieder. Wenige Tage später, am 3. September, schickte sie die Petition mit 13 Unterschriften an den Landtag. Klenk betont, dass die Petition nicht als Angriff auf das Kleine Theater zu verstehen sei. Ganz im Gegenteil, die Anwohner stünden "uneingeschränkt" hinter der Kulturstätte: "Es ging ihnen nur um eine ausreichende Nachtruhe und damit um Einhaltung der gültigen Lärmvorschriften." Das sei jetzt, nach der Erklärung der Staatsregierung, sichergestellt. Auch sei nun die Rechtslage um die umstrittene Freifläche sowie die Lärmregelung für den Veranstaltungs- und Gastrobetrieb des Kleinen Theaters endgültig geklärt. Damit würde einem "guten nachbarschaftlichen Verhältnis" nun "alle Türen offen stehen", so Klenk.

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