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Kirchheim:Zug um Zug zum neuen Ortszentrum

Die neue Ortsmitte soll auf ein freies Grundstück zwischen Kirchheim und Heimstetten.

(Foto: lks)

Die Kirchheimer Gemeinderäte einigen sich darauf, dass zuerst das neue Rathaus gebaut wird. Damit ist das Bürgerbegehren obsolet - zumindest vorläufig.

Von Christina Hertel, Kirchheim

Wahrscheinlich gibt es nun doch kein Bürgerbegehren in Kirchheim. Mit diesem wollten SPD, Grüne sowie die Wählergruppen Lebenswertes Kirchheim (LWK) und Vereinigte freie Wählerschaft (VFW) erreichen, dass mit dem neuen Rathaus auch Begegnungsstätten in der Ortsmitte geschaffen werden - zum Beispiel durch eine Bücherei, ein Café und einen Bürgersaal für Veranstaltungen und Ausstellungen. Seit der Gemeinderatssitzung am Montag steht fest: In den Planungen soll all das und zusätzlich eine Kindertagesstätte berücksichtigt werden. Allerdings wird womöglich nicht alles auf einmal gebaut, sondern in mehreren Abschnitten. So will sich die Gemeinde absichern, falls ihr das Geld ausgeht.

"Die Basis für ein Bürgerbegehren ist jetzt ziemlich dünn geworden", sagt Rüdiger Zwarg (Grüne). "Eigentlich steht in dem Beschluss nun alles drin, was wir reinhaben möchten." So ganz zufrieden ist Zwarg aber trotzdem nicht. Denn: Wenn das nötige Geld für alle Vorhaben fehlt, könnten Bürgersaal und Bücherei unter den Tisch fallen. In der Sitzung beschloss der Gemeinderat gegen drei Stimmen, dass die Planung vorsehen muss, die Aufgabe auch in einzelnen Abschnitten zu erfüllen.

Der Entwurf muss möglichst flexibel sein

Die Architekten müssen also einen möglichst flexiblen Entwurf erarbeiten, sodass notfalls auch zunächst nur das Rathaus gebaut werden kann. Denn das braucht die Gemeinde auf jeden Fall. Zwarg wäre es lieber gewesen, der Gemeinderat hätte sich gleich auf alle Elemente festgelegt. "Modularität schränkt die Möglichkeiten immer ein und normalerweise kostet Flexibilität auch mehr Geld", sagt er.

Eine ähnliche Meinung vertritt der Vorsitzende der SPD Kirchheim-Heimstetten, Thomas Gebhardt, der das Bürgerbegehren mitgeplant hatte. "Der Bürgermeister ist weit auf uns zugegangen. Hundertprozentig sind wir aber nicht zufrieden." Bücherei und Rathaus gleich in einem Aufwasch zu schaffen, wäre auch ihm lieber. "Aber das Leben ist kein Ponyhof, wenn das Geld am Ende wirklich fehlt, wird es natürlich schwierig."

Das Rathaus soll oberste Priorität haben

Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) ist froh, dass auf der Gemeinderatssitzung dieser Kompromiss zustande kam. "So musste niemand etwas aufgeben. Und eigentlich wollen wir ja auch alle das gleiche." Aber er betont auch, dass sich die Gemeinde ein solches Ensemble leisten können muss: "Wenn wir alles gleich fest miteinplanen und dann das Geld nicht reicht, müssen wir alles noch einmal umplanen." Das koste Zeit und Geld. Durch einen Entwurf in mehreren Bauabschnitten könne die Gemeinde bestmöglich auf neue Entwicklungen reagieren. Auch Marianne Hausladen (CSU) ist der Ansicht, dass das Rathaus oberste Priorität haben müsse: "Das brauchen wir ja unbedingt."

Ganz zu den Akten legen, will Zwarg seine die Idee eines Bürgerbegehrens aber noch nicht. "Ob wir doch noch Unterschriften sammeln, hängt auch davon ab, wie der Auslobungstext für den Architektenwettbewerb genau lautet", sagt Zwarg. Und bis das feststeht, dauert es noch. Voraussichtlich beschließt der Gemeinderat erst im Juli endgültig, welche Aufgaben die Planer und Architekten erfüllen müssen. Der Siegerentwurf, der aus diesem Wettbewerb hervorgeht, wird frühestens Ende 2016 präsentiert. Erst dann wird geplant, Baubeginn soll erst 2018 sein.

Ideen zum neuen Rathaus können die Kirchheimer an diesem Mittwoch von 17 bis 18 Uhr beim Bürgerdialog auf dem alten Volksfestplatz einbringen.

© SZ vom 04.05.2016/hilb
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