SZ-Fitparade:Erst der Mondgruß, dann die Praline

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Im tiefen Ausfallschritt kann man auch ein Weinglas balancieren. Yoga-Trainerin Kamilla Kowalewski (rechts) hält Schokolade zum Verkosten bereit. (Foto: Claus Schunk)

Kamilla Kowalewski reicht in Kirchheim einmal im Monat Schokolade und Wein zu den Yoga-Übungen. Sie sagt: „Der erste Schluck löst oft schon etwas.“

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim

Mit sanfter Stimme leitet Kamilla Kowalewski durch die Körperhaltungen des Mondgrußes. Die Bewegungsabfolge aus dem Yoga soll für Ruhe und Gelassenheit sorgen, wie die Trainerin erläutert – was anfangs nicht einfach ist. Man muss schon mitdenken, um die Asanas – die Positionen – hinzubekommen. Irgendwann fließen die Bewegungen jedoch, die Entspannung setzt ein. „Und jetzt machen wir das noch einmal mit dem Weinglas in der Hand.“

Ein Scherz? Nein, Kowalewski meint es ernst. Es ist Samstagabend, fünf Teilnehmerinnen sind in das Yoga-Studio der 44-Jährigen in Kirchheim gekommen. Die Einheit ist etwas Besonderes, zum Wohlfühlen und Abschalten, wie Kowalewski sagt. „Yoga, Wein und Schokolade“ nennt sich das Konzept, das sie ein Mal pro Monat anbietet. Auch auf der Landesgartenschau in Kirchheim gibt es einige Termine.

Im Vorraum schenkt Kowalewski jeder Teilnehmerin ein Glas Rotwein ein, die Flasche nimmt sie mit zu den Matten. Wer will, bekommt jederzeit nachgeschenkt. „Aber wir wollen uns nicht betrinken“, sagt die Trainerin und lacht.

Vor den Matten stehen kleine Teller mit verschiedenen Schokoladensorten bereit. Leise Klaviermusik läuft im Hintergrund. Die Teilnehmerinnen nehmen im Schneidersitz Platz, schließen die Augen. Kowalewski fordert sie auf, langsam einen Schluck Wein zu nehmen. Sie sollen bewusst wahrnehmen, wie sich das Getränk im Mund anfühlt, wie sich der Geschmack ausbreitet.

Es folgt ein Bissen Schokolade. Manche schmecken leichte Aromen von Salz, andere haben zuerst die Sorte mit Chili probiert. Ist die Schokolade im Mund zergangen, gibt es erneut einen Schluck Wein. Durch die Kombination entstehe ein ganz neuer Geschmack, sagt Kowalewski.

Die Verkostung hilft, die Wahrnehmung zu schärfen

Eigentlich reize sie am Yoga weniger das Esoterische, erzählt die 44-Jährige. Sie selbst war früher Leistungssportlerin im Eiskunstlauf, bevor sie in den Neunzigerjahren die sportliche Variante des Yoga für sich entdeckte. „Aber eine Gedankenreise gehört zu jeder Einheit“, sagt Kowalewski. Wein und Schokolade böten dafür eine schöne Variation. Die Verkostung helfe auch, die Wahrnehmung zu schärfen. Dabei brauche es gar nicht viel Wein: „Der erste Schluck löst oft schon etwas.“

Nun kommt das Glas allerdings zunächst wieder auf die Seite. Kowalewski zeigt nacheinander zwei Übungen aus dem Yin Yoga – die sanfte Art des Yoga, die durch langes Halten von Dehnungspositionen für Tiefenentspannung sorgen soll. Zwischendurch gibt es immer wieder einen Bissen Schokolade oder einen Schluck Wein.

Nach dem Mondgruß – erst mit, dann ohne Weinglas – ist der „anstrengende Teil“ geschafft, wie Kowalewski sagt. Sanfte Dreh- und Dehnübungen leiten die Entspannungsphase ein. In der Position des liegenden Schmetterlings drückt Kowalewski jeder Teilnehmerin noch eine Praline in die Hand.

Allmählich kommen die Frauen wieder zurück in die Realität, strecken sich sichtlich entspannt. Für Kowalewski selbst sind ihre Yoga-Einheiten – auch die klassischen ohne Wein und Schokolade – nach eigener Aussage „wie ein Kurzurlaub“. Erst Ende Februar hat sie ihr Studio im Kirchheimer Industriegebiet eröffnet, das sie als „großes Hobby“ bezeichnet. Denn eigentlich arbeitet Kowalewski beim Kirchheimer Sportclub und hat drei Kinder. Anfangs hatte sie daher auch geplant, Trainer in ihrem Studio einzustellen. Ihr Mann habe sie jedoch ermutigt, die Stunden zumindest zu Beginn selbst zu leiten. „Jetzt will ich es gar nicht mehr abgeben.“

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