Jahresrückblick 2024Was für ein Sommer

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Sommer dahoam: Hunderttausende besuchen an 145 Tagen die Landesgartenschau in Kirchheim.
Sommer dahoam: Hunderttausende besuchen an 145 Tagen die Landesgartenschau in Kirchheim. (Foto: Sebastian Gabriel)

Mehr als eine halbe Million Menschen besuchen die Landesgartenschau in Kirchheim. Bürgermeister Stephan Keck zieht eine rundum zufriedene Bilanz – und die Bürgerinnen und Bürger dürfen sich über ein neues Ortszentrum freuen.

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim

Das Plakat mit dem Parkplan hängt noch am nördlichen Eingang. Eintrittskarten für die Landesgartenschau 2024 kann man aber nicht mehr kaufen, die Kassen wurden abgebaut. Die Bäume sind kahl, die Blumenbeete verblüht. Doch der See glitzert immer noch in der Sonne. Selbst an einem Dienstagvormittag im Dezember spazieren einige Menschen durch den neuen Ortspark in Kirchheim.

Eine ältere Frau, die mit ihrem Hund unterwegs ist, spricht Bürgermeister Stephan Keck (SPD) an. Schön sei es geworden, früher sei es ja so furchtbar gewesen, als das Gebiet zwischen den beiden Ortsteilen Kirchheim und Heimstetten nur aus Äckern und der alten Hauptstraße bestand. Während der Gartenschau sei sie allerdings nie auf dem Gelände gewesen. Keck wirkt ungläubig: „Da haben Sie aber was verpasst.“

Noch immer hallt der Gartenschau-Sommer nach, sagt der Rathauschef. Im Ort trifft er eigenen Worten zufolge oft Bürger, die sich mit Freude an die Großveranstaltung erinnern. Viele würden ihm auch erzählen, sie hätten sich gar nicht vorstellen können, dass ihre Gemeinde ein solches Ereignis stemmen könne. In der Tat wurde der ehemalige Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) belächelt, als er 2018 Kirchheims Bewerbung um die erste Landesgartenschau in der Region München ins Rollen brachte.

Für Bürgermeister Stephan Keck (rechts) ist das Areal der Landesgartenschau für mehrere Monate zum Outdoor-Büro geworden.
Für Bürgermeister Stephan Keck (rechts) ist das Areal der Landesgartenschau für mehrere Monate zum Outdoor-Büro geworden. (Foto: Claus Schunk)

Keck war von Anfang an dabei, er wehrte sich gemeinsam mit Böltl gegen Kritiker, die unter anderem bemängelten, dass für die Bauarbeiten Bäume gefällt wurden. Weite Kiesflächen und Baustellen prägten lange das Bild der Gemeinde. Immer wieder betonten Böltl und Keck, dass die Unannehmlichkeiten sich letztlich auszahlen würden. Am Eröffnungstag Mitte Mai, an dem auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu Gast in Kirchheim war, wurde Keck emotional: „Ich könnte heulen, so schön ist es.“ Der Kirchheimer Rathauschef war selbst „statistisch gesehen öfter als täglich da“, wie er lachend sagt. Teils waren seine Besuche privat, teils beruflich: In seiner Funktion als Bürgermeister führte Keck regelmäßig Gäste durch den Park. „Dem Image von Kirchheim hat es gutgetan.“

Mehr als 4000 Veranstaltungen hat die Mega-Show zu bieten – darunter auch die Vorführung einer Minenräumung.
Mehr als 4000 Veranstaltungen hat die Mega-Show zu bieten – darunter auch die Vorführung einer Minenräumung. (Foto: Sebastian Gabriel)

Man müsste im Sommer eigentlich keinen Urlaub in der Ferne planen, sagte er immer wieder. In Kirchheim sei ohnehin so viel geboten. Insgesamt sprechen die Veranstalter von mehr als 4200 Veranstaltungen auf dem 14 Hektar großen Gelände, das in fünf Sphären aufgeteilt war: Wasser, Wildnis, Wald, Wiese und Garten. Von Umweltbildung für Kinder bis hin zur Vorführung einer Minenräumung waren die verschiedensten Programmpunkte zu finden. Es gab Konzerte, Vorträge, Workshops und unzählige Sportkurse.

Ein Highlight kann Keck gar nicht herausheben, wie er sagt, er habe viele schöne Momente erlebt: Kinder, die am Wasserspielplatz durch die Fontänen springen, Kirchheimer, die das Areal loben. Die Gartenschau brachte im Sommer Leichtigkeit und Festival-Atmosphäre in den Ort, diesen Eindruck hatte man schnell, wenn man an einem warmen, sonnigen Tag durch den Park spazierte. Menschen machten es sich in Hängematten gemütlich, nahmen mit einem Bier in der Hand auf den Liegestühlen am See Platz oder bestaunten die Blumenbeete, die Planerin Hanne Roth nach einem besonderen Konzept angelegt hatte: Anders als sonst bei Gartenschauen üblich, wurden während der Veranstaltung keine Pflanzen herausgenommen. Die Beete veränderten sich dennoch durch natürliches Wachstum stetig.

Die Landesgartenschau war eine Veranstaltung der Superlative. In den 145 Tagen wurden 511 523 Besuche registriert, 12 000 Dauerkarten wurden verkauft. Die Statistik ist für Keck allerdings Nebensache, denn das Hauptziel habe man erreicht: „Das Zusammenwachsen ist uns echt gelungen.“ Die zwei bisher räumlich getrennten Ortsteile Kirchheim und Heimstetten sind nicht nur durch den neuen Park verbunden, „es ist ein ganz anderes Miteinander“.

Es wird auch in Zukunft im neuen Kirchheimer Ortspark blühen.
Es wird auch in Zukunft im neuen Kirchheimer Ortspark blühen. (Foto: Sebastian Gabriel)

Seit Oktober ist das Gartenschau-Areal ein Erholungsgebiet für die Kirchheimer. Vier der 14 Hektar waren temporäre Ausstellungsflächen und mussten unter anderem für Wohnungsbau weichen, etwa am westlichen Rand, wo die Bäume in der Sphäre Wildnis üppig wucherten. Auf einem Teil der Fläche fahren nun Bagger umher. Auch dort, wo im Sommer Gartenbaubetriebe ihre Kunst in verschiedenen Themengärten zeigten, ist bereits eine Grube ausgehoben. Am südlichen Parkende entsteht bald eine Einrichtung für betreutes Wohnen.

Zehn Hektar bleiben hingegen unberührt: Der See wird nicht wieder zugeschüttet und auch der Park-Pavillon bleibt stehen. Die Gemeinde will ihn für ihr Kulturprogramm nutzen. Kürzlich hat man vier neue Bäume gepflanzt, um den Besuchern im Sommer mehr Schatten zu bieten. Die Wiese liegt momentan brach, doch im Frühjahr werden die mehrjährigen Saaten wieder zum Vorschein kommen, auch in den Blumenbeeten. Diese sollten ursprünglich direkt nach der Gartenschau entfernt werden, man habe sich aber umentschieden, sagt Keck. „Solange es schön ausschaut, lassen wir sie da.“

Was von der Landesgartenschau in Kirchheim bleibt: Eine neue Ortsmitte samt Rathaus, Bürgerhaus, Park und See.
Was von der Landesgartenschau in Kirchheim bleibt: Eine neue Ortsmitte samt Rathaus, Bürgerhaus, Park und See. (Foto: Sven Simon/IMAGO)

Eine ebenso üppige Blütenpracht wie im Gartenschau-Sommer können die Kirchheimer aber künftig nicht mehr erwarten. Die Pflege des Parks übernimmt die Kirchheim 2024 GmbH, die auch für die Organisation der Veranstaltung zuständig war. „Ein Zustand wie 2024 wird in dieser Intensität nicht zu halten sein“, sagt Keck. „Es ist jetzt ein ganz normaler Park.“

Trotz der kalten Jahreszeit wird die Grünfläche schon lebhaft genutzt, erzählt der Bürgermeister. Älteren Kirchheimern etwa, die in der Ortsmitte leben, sei der Weg zum Heimstettener See oft zu weit. Sie könnten nun den neuen Park für ihre Spaziergänge nutzen. Insbesondere am Wochenende sei viel los. Das bringt auch Herausforderungen mit sich: Vandalismus ist laut Keck ein Problem, seit der Park offen zugänglich ist. Die Zerstörungen reichten von Schmierereien und Lagerfeuerresten bis zu umgekippten Farbkübeln. Kürzlich wurde eine rot-weiße Absperrbarke im See gefunden, berichtet Keck. „Das sind blöde Idioten. Ich weiß nicht, was mit der Gesellschaft los ist.“

Drei Parkranger, die bei der GmbH angestellt sind, gehen morgens über das Gelände und beseitigen den gröbsten Unrat. Die Schäden werden laut Keck zur Anzeige gebracht, „das kann richtig teuer werden“. Der Bürgermeister hofft auf die Vernunft der überwiegenden Mehrheit der Kirchheimer und darauf, dass sie ihren neuen Park mit Leben füllen: „Je belebter der Park ist, desto weniger Vandalismus gibt es.“

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