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Kirchheim:Geschrumpfte SPD wird belohnt

Die Sozialdemokraten haben in Kirchheim bei der Wahl CSU-Bürgermeister Maximilian Böltl unterstützt. Ihr Frontmann Stephan Keck ist nun sein Stellvertreter

Jetzt ist Stephan Keck doch noch Bürgermeister von Kirchheim geworden: Zweimal bewarb er sich für die SPD um den Chefposten im Rathaus und unterlag. Diesmal trat er gar nicht an und gewann - allerdings nur das Amt des Zweiten Bürgermeisters. Erster Bürgermeister bleibt Maximilian Böltl von der CSU, der Keck nach seiner Wahl in der ersten Sitzung des neuen Gemeinderates am Donnerstagabend vereidigte und der sich schon zuvor für ihn ausgesprochen hatte.

Keck sei inzwischen ein lieb gewonnener Kollege, betonte Böltl, mit dem er allerdings auch schon schwierige Zeiten durchlebt habe - eine Anspielung auf den Wahlkampf 2014, in dem sich die beiden noch erbittert bekämpft hatten. Am Ende trennten sie nicht einmal fünf Prozentpunkte. Doch es vergingen sechs Jahre, in denen Keck andere Aufgaben übernahm - zum Beispiel wurde er als gelernter Landschaftsbauer Geschäftsführer der GmbH, die die Landesgartenschau in Kirchheim organisieren soll. Außerdem wirkte der 55-Jährige in einer Arbeitsgruppe mit, die die Bebauung der neuen Ortsmitte plante und die die Rahmenbedingungen für eine stärkere finanzielle Beteiligung der Bauträger schuf. Das brachte die einstigen Rivalen Keck und Böltl näher zusammen. Im Wahlkampf dieses Frühjahr nominierte die SPD keinen eigenen Kandidaten, sondern sprach sich für Böltl aus.

Kirchheim, Turnhalle der Grundschule, konstituierende Gemeinderatssitzung

Vom Konkurrenten zum lieb gewonnenen Kollegen und Stellvertreter: Stephan Keck (links) bei seiner Vereidigung als Zweiter Bürgermeister durch Rathauschef Maximilian Böltl.

(Foto: Angelika Bardehle)

Dass Keck nun auch noch stellvertretender Bürgermeister werden sollte, gefiel nicht allen. "Das hat ein Gschmackerl", sagte Wolfgang Heinz-Fischer (Vereinigte Freie Wählergemeinschaft, VFW). Es wirke, als ob das vorher alles schon abgekartet gewesen sei. Schließlich sei vor sechs Jahren das Wahlergebnis der SPD deutlich besser gewesen. Heute sitzen statt sieben bloß noch vier Sozialdemokraten im Gemeinderat. Trotzdem wurde damals Marianne Hausladen (CSU) Zweite Bürgermeisterin. Sie sei die "gute Seele" des Rathauses, sagte Böltl. Dennoch wird sie dort künftig als Dritte Bürgermeisterin die Geschäfte nur dann führen, wenn auch Keck ausfällt.

Dessen Parteibuch störte Heinz-Fischer offensichtlich weniger. Denn er schlug als Zweite Bürgermeisterin Michaela Harlander vor, die für die SPD neu im Gemeinderat sitzt. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie in Kirchheim die IT-Firma Genua gegründet, dann ihre Anteile verkauft und eine Stiftung ins Leben gerufen, die bei Kindern Interesse für Wissenschaft wecken soll. Harlander ist promovierte Physikerin. Heinz-Fischer lobte ihre Expertise, doch er hatte sie offensichtlich nicht gefragt, ob sie das Amt überhaupt haben wollte. Denn sie lehnte ab. "Ich kenne meine Grenzen", sagte Harlander. Sie müsse sich erst in den Gemeinderat einarbeiten, da könne sie nicht gleich Bürgermeisterin werden.

Kirchheim, Turnhalle der Grundschule, konstituierende Gemeinderatssitzung

Marianne Hausladen von der CSU ist künftig nur noch Dritte Bürgermeisterin.

(Foto: Angelika Bardehle)

Doch auch unter erfahrenen Gemeinderäten können langwierige Diskussionen entbrennen. Rüdiger Zwarg von den Grünen etwa stellte diverse Anträge zur Änderung der Geschäftsordnung. Zum Beispiel forderte seine Partei so wie die VFW, die Ausschussgröße um einen Sitz auf zwölf zu erhöhen. Denn derzeit erhält die SPD dort zwei Sitze, während die Grünen nur einen bekommen - obwohl beide Parteien mit gleich vielen Mitgliedern im Gemeinderat vertreten sind. Die Mehrheit lehnte eine Vergrößerung letztlich ab - weil sich sonst bei insgesamt zwölf Ausschussmitgliedern ein Patt ergeben könne, wie Thomas Heinick (CSU) erklärte.

Von ihrer ersten Sitzung jedenfalls scheint Michaela Harlander erschöpft nach Hause gegangen zu sein. Hinterher twitterte sie: "Habe gerade meine erste Gemeinderatssitzung hinter mir. Inkl. Schlammschlacht, Dauernörglern, Genervten, einem Vorschlag für eine Position, für die ich nicht kandidieren wollte und ganz viel schlechter Kommunikation. Aber andererseits auch viel gutem Willen. Hat Luft nach oben!"

© SZ vom 13.05.2020

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