80 Jahre KriegsendeEine Schule erinnert und blickt nach vorn

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Sie haben das geschichtliche Mitmach-Projekt gestaltet: Irmela Wedler, Katharina Herbst, Eva Bürger, Marco Keller und Michaela Stadler.
Sie haben das geschichtliche Mitmach-Projekt gestaltet: Irmela Wedler, Katharina Herbst, Eva Bürger, Marco Keller und Michaela Stadler. (Foto: Claus Schunk)

Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs rekapitulieren, aber gleichzeitig Perspektiven für eine europäische Zukunft aufzeigen: Das soll am Gymnasium Kirchheim mit einem neuen Projekt gelingen. Auch internationale Beiträge sind darin zu finden.

Von Thomas Schimmer, Kirchheim

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa ist 80 Jahre her. Vielerorts werden daher in diesen Wochen Erinnerungsveranstaltungen organisiert, Schicksale erzählt und Fragen thematisiert wie: Was können wir aus der Vergangenheit lernen? Am Gymnasium Kirchheim wird all dies mit einem Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft von Europa verbunden. Unter dem Motto „Damals Krieg – heute Europa – morgen ???“ wird seit vergangenem Donnerstag in der Aula ein Projekt in einer Ausstellung präsentiert, das Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen einlädt.

In einem Kreis haben Lehrerinnen und Lehrer der Fachschaft Geschichte mehrere Pinnwände aufgestellt. Zwei davon zeigen eine Karte von Europa, auf der einzelne Länder über einen Faden mit QR-Codes verbunden wurden. Scannt man diese, werden Sprachnachrichten von Bürgerinnen und Bürgern aller Altersgruppen aus den jeweiligen Nationen abgespielt. In ihnen werden fünf verschiedene Fragen durchgespielt und beantwortet: „Welche Bedeutung hat der 8. Mai für dich persönlich, in deiner Familie, in deinem Bekanntenkreis oder in deinem Land?“ Zudem: „Wie blickst du heute auf Deutschland?“ – „Welche Errungenschaften der letzten 80 Jahre sind für dich am bedeutsamsten?“ – „Wie siehst du das vereinte Europa heute?“ Und: „Was hältst du von einer europäischen Armee?“

27 Beiträge wurden gesammelt, von Nordmazedonien über Schweden bis Spanien, gesprochen wird Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch. Manche der Teilnehmer und Teilnehmerinnen drücken in den Nachrichten ihre Sorgen in Bezug auf den Rechtsruck in Europa und Parteien wie der AfD aus. Andere teilen Erfahrungen und Erlebnisse ihres Umfelds aus dem Zweiten Weltkrieg und betonen, wie wichtig eine geeinte EU und die deutsche Erinnerungskultur ihrer Meinung nach sind. Eine tschechische Lehrerin erzählt auch eine Anekdote zu zwei Schülern, die sich bei einem Austauschprogramm kennengelernt haben und auch Jahre später noch befreundet sind. Durch die vielen internationalen Perspektiven soll sich ein Bild des aktuellen Europas aus möglichst vielen Blickwinkeln ergeben. Die Kontakte dazu ergaben sich aus den vielen internationalen Projekten, an denen das Gymnasium Kirchheim seit vielen Jahren teilnimmt, etwa dem Planspiel Modell Europa Parlament.

Um eine Perspektive für die Zukunft zu visualisieren, sind die Schülerinnen und Schüler dazu eingeladen, die Fragen auch selbst zu beantworten und an die dafür bereitgestellten Tafeln zu pinnen. Auf den dafür vorgesehenen Antwortkarten ist die „Remembrance Poppy“, eine Klatschmohn-Blüte, zu sehen. Sie gelten, vor allem in Großbritannien, als Symbol des Gedenkens an Kriegsopfer, insbesondere derer der beiden Weltkriege. In ihren Antworten betonen die Kinder und Jugendlichen die Wichtigkeit von internationalen Freundschaften, sehen aber auch aktuelle Probleme im europäischen Zusammenhalt. Mit Blick auf Deutschland scheint vor allem die Sicherheit eine große Rolle zu spielen, es sei ein „gutes, kriegsfreies Land.“

Doch auch die Erinnerung an vergangene Schrecken, aus denen ein geeintes Europa erst hervorgehen konnte, soll nicht zu kurz kommen. Auf einer weiteren Pinnwand können grundlegende Fakten zum Verlauf des Zweiten Weltkriegs studiert werden, die in einem Plakat anschaulich zusammengefasst werden. Daneben sind viele Fotografien aus dem Krieg und Nazi-Deutschland zu sehen. Bilder seien „wichtig als Veranschaulichung, um ein Gefühl für die Zeit des Geschehens zu bekommen“, meint Irmela Wedler. Die Fachschaftsleiterin für Geschichte/Politik und Gesellschaft an der Schule ist die Hauptverantwortliche für das Projekt. Nachdem viele Aktionen mit den Schülerinnen und Schülern in Kursen gemeinsam geplant werden, wollte man dieses Mal auf Initiative der Lehrkräfte den Kindern und Jugendlichen etwas zum Mitmachen anbieten.

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