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Kirchheim:Ein guter Ort zum Leben

Altertumsforscher bei der Arbeit: Martina Görner, Jennifer Bagley und Stefan Sandbichler (von links).

(Foto: Claus Schunk)

Archäologen finden in Kirchheim Siedlungsreste aus der Eisenzeit

Dass die Gemeinde Kirchheim reich an archäologischen Funden ist, zeigt sich immer wieder, sobald für ein Bauprojekt die Erde aufgegraben wird. Vorgeschichtliche Siedlungen, bedeutende Gräber aus der römischen Kaiserzeit und ein frühmittelalterliches Gräberfeld - all das haben Archäologen hier in den vergangenen Jahren wieder ans Tageslicht gebracht. Auch der Bau des neuen Gymnasiums kann erst beginnen, wenn Fachleute den Boden nach verborgenen Schätzen abgesucht haben. Seit Ende Juli sind die Wissenschaftler damit beschäftigt, nun konnten sie erste Befunde vorstellen.

Wie eine Hügellandschaft sieht das knapp einen Hektar große Feld aus, auf dem momentan die Bauvorbereitungen laufen. Überall sind kleine Gruben ausgehoben, umgeben von Erdhaufen und Steinen. Auf den Boden sind blaue Markierungen gemalt, um die sich einige Archäologen versammeln. Ausgerüstet mit Spitzhacken und Schaufeln bearbeiten sie die Flächen. Über das gesamte Feld verteilt befand sich in der Eisenzeit wohl eine Siedlung, wie Grabungsleiter Stefan Sandbichler erzählt. Gefunden haben die Archäologen beispielsweise die Grundrisse von Langhäusern, die den Menschen einst als Wohnstätten dienten.

Dunkle Stellen auf dem Boden zeigen, wo die Holzpfosten standen, die die Gebäude stützten. Einige der Gruben wurden als Kochstellen oder für Handarbeiten genutzt, vermuten die Archäologen. Offenbar war Kirchheim bereits seit der späten Steinzeit ein guter Ort zum Siedeln: Der Boden war zwar trocken genug, um Gebäude zu errichten, wie Gemeindearchäologin Jennifer Bagley erläutert. Doch gleichzeitig war das Grundwasser durch Brunnen gut erreichbar.

Am Rand des Feldes präsentiert der stellvertretende Grabungsleiter Carl Göderz einige der Fundstücke, die das Team seit Beginn der Arbeiten ausgegraben hat. Anhand eines Geländeplans verdeutlicht er, dass es sich bei der eisenzeitlichen Siedlung nicht um eine kurzzeitige Niederlassung handelte: Mehrere Überlagerungen zeigen, dass die Gebäude immer wieder überbaut wurden. Fundmaterial gibt es bislang noch wenig - zu sehen sind unter anderem Fragmente von Sandsteinen, die vermutlich zum Mahlen von Getreide verwendet wurden, ein Stück eines Hirschgeweihs, ein abgesägtes Ziegenhorn und Bruchteile aus Keramik.

Eine solche Scherbe konnten die Archäologen auf die Periode zwischen der früheren und späteren Eisenzeit datieren. Die Fachleute gehen davon aus, dass die nun gefundene Siedlung die Fortsetzung jenes Dorfes ist, das bereits beim Bau des jetzigen Gymnasiums im Jahr 1981 auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckt worden war. Bisher fehlt dafür laut Gemeindearchäologin Bagley allerdings noch der entscheidende Beweis. Doch Göderz ist "optimistisch, dass noch Einiges zum Vorschein kommt. Es bleibt spannend".

Wie lange die Arbeiten noch dauern werden, ist unter anderem von der Menge der weiteren Funde abhängig. Der Zeitplan für den Neubau des Gymnasiums soll dadurch allerdings nicht beeinflusst werden.