bedeckt München 28°

Kirchen:Jugend mit Gott

Bis zum 31. Mai läuft die Online-Befragung des Erzbistums zur Erfassung von Ministranten in den Gemeinden

Sie führen Prozessionen an, organisieren Zeltlager, sind im Gottesdienst des Pfarrers rechte Hand und im Gemeindeleben überall präsent. Die Ministranten gehören in den katholischen Kirchen dazu wie das Kreuz über dem Altar. Vor fünf Jahren waren es 22 500 Mädchen und Buben, die im Erzbistum München und Freising ihren Dienst am Altar leisteten. Das ergab die statistische Erhebung des Erzbistums, die heuer im Juni wiederholt werden sollte. Aufgrund der vielen Mitarbeiter im Home-Office wurde die Online-Umfrage nun vorgezogen. Bis zum 31. Mai haben die Gemeinden und Pfarrverbände Zeit, die Fragen zu Anzahl, Alter, Geschlecht und Organisation der "Minis" zu beantworten.

Fronleichnam in München, 2010

Vor fünf Jahren waren es 22 500 Mädchen und Buben, die im Erzbistum München und Freising ihren Dienst am Altar leisteten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Pastoralreferent Martin Soos vom Pfarrverband Höhenkirchen hat die Zahlen bereits parat. Insgesamt 145 Ministranten verteilen sich auf acht Kirchen. Eine große Mehrheit von 137 Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehört zu den Gemeinden in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Eine Nachwirkung der Zusammenlegung mit der Pfarrei Brunnthal, erklärt Soos, viele hätten dort die Übernahme damals nicht akzeptiert. Normalerweise finden alle zwei Wochen Gruppenstunden für die Ministranten statt. Diese fallen aus bekannten Gründen momentan aus, weshalb auf digitale Möglichkeiten zurückgegriffen wird. "Ein Spieleabend mit Stadt, Land, Fluss und ,Wer bin ich' ist auch übers Internet möglich", sagt Soos. Neben dem jährlichen Zeltlager steht alle vier Jahre ein besonderer Höhepunkt im Kalender der "Minis". Die Ministrantenwallfahrt nach Rom zieht Tausende aus ganz Deutschland an. Die Betreuer aus dem Pfarrverband Höhenkirchen müssen dann auf 30 bis 40 jugendliche Teilnehmer in einer Millionenstadt achtgeben. "Erholung ist was anderes", sagt Soos und lächelt.

Lara Adams.

(Foto: privat)

Eine sehr lange Schlange habe vor dem Petersdom angestanden, erinnert sich Pfarrer Michael Ljubisic von der Pfarrgemeinde St. Severin in Garching. "Der Kontrast zu heute ist riesig", sagt er und spielt auf die Bilder von Papst Franziskus vor dem leeren Petersplatz an. Coronabedingt musste Ljubisic die Erstkommunionen bis nach Pfingsten verschieben. Auch die Gruppenstunden der Ministranten seien in Mitleidenschaft gezogen worden.

In Rom war vor zwei Jahren auch Lara Adams,21, aus Garching dabei. Sie war zwölf Jahre lang Ministrantin in St. Severin. Seit Januar sitzt sie im Pfarrgemeinderat und hofft, dort etwas für die Jugend bewegen zu können. Das Engagement bei den Ministranten habe ihr viel gegeben, erzählt die ehemalige Oberministrantin. "Ich konnte Selbstvertrauen dazugewinnen und total viel über mich lernen." Die Gruppenleitung habe ihr Spaß gemacht, zu sehen, wie die eigenen Schützlinge älter würden, sei etwas Besonders. In der Pubertät komme oft ein Motivationseinbruch, sagt Adams, die im vergangenen Sommer ihr Pädagogik-Studium abgeschlossen hat. "Dann muss man die Jugendlich dadurch lotsen, bis es ihnen wieder Spaß macht."

Pfarrer Konrad Eder.

(Foto: privat)

Pubertäre Unlust ist nicht immer ein Hindernis für das Engagement als Ministrant. Überzeugung sei es, was die Ministranten von heute antreibe, stellt Pfarrer Konrad Eder vom Pfarrverband Aschheim-Feldkirchen fest. "Die, die sich dafür entscheiden, schätzen die Arbeit sehr, erwarten aber auch, dass was gemacht wird." Und gemacht wird in seinem Pfarrverband eine Menge, vom Skilager bis zur Fahrt zur Trampolin-Welt in München. Gut 115 Ministranten tun ihren Dienst im Pfarrverband Aschheim-Feldkirchen. Die Aufnahme der Neulinge ist jedes Jahr wieder ein Höhepunkt. "Es geht sehr feierlich zu, die Kinder sind sehr aufgeregt, wenn ihnen ihr Gewand überreicht wird." Vorbereitet wurden sie auf diesen Moment durch die Oberministranten und Gruppenleiter.

Pfarrer Michael Ljubisic schätzt die Arbeit der Ministranten.

(Foto: privat)

Patzer, die nicht nur Neulingen passieren können, lacht Antonia Friedrich aus Pullach einfach weg. "Es kommt öfter vor, dass mal eine Hostie aus der Schale fällt oder jemand beim Auszug auf einmal woanders herläuft", erzählt die 17-Jährige. Sie ist seit drei Jahren Oberministrantin im Pfarrverband Pullach-Großhesselohe. Eine schöne Verantwortung, findet die Schülerin. "Wir kümmern uns um organisatorische Fragen und darum, dass sich die Neuen wohlfühlen und alles lernen." Gruppenstunden werden allerdings nur von der Pfarrjugend angeboten, die zwar unabhängig von den Ministranten agiert, ihnen aber sehr verbunden ist. "Da geht es mehr um den Freizeitteil der Jugendgemeinde", sagt Antonia Friedrich.

© SZ vom 29.05.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite