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Kindertagesstätten:Regelbetrieb auf Abstand

Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Großtagespflege der FortSchritt GmbH

Die Kitas im Landkreis müssen sich auf den Regelbetrieb vorbereiten und viele Corona-Vorgaben beachten.

(Foto: Angelika Bardehle)

Nach den Sommerferien soll in den Kindertageseinrichtungen im Landkreis so viel Normalität wie möglich einkehren. Die Betreiber arbeiten an Hygienekonzepten und bereiten sich auch auf neue Infektionsfälle mit dem Coronavirus vor

Von Daniela Bode, Haar/Ottobrunn/Neubiberg

Von 1. September an gilt in den Kindertagesstätten in Bayern wieder der Regelbetrieb, wenn es die Corona-Infektionszahlen zulassen. Auch die Einrichtungen im Landkreis München haben sich darauf vorbereitet, jede auf ihre Weise. Allen ist gleich, dass sie vorsichtig agieren und für viele Szenarien gewappnet sind. "Wir sind jetzt ganz gut vorbereitet", sagt etwa Peg Schäfer, Geschäftsführerin der Kindertagesstätte Haar gemeinnützige GmbH, die in der Gemeinde Haar zwei Krippen und zwei Kinderhäuser betreibt.

Schäfer sagt, sie hätten unter anderem ihr Hygienekonzept an die neuen Vorgaben des bayerischen Sozialministeriums angepasst. Das so genannte Drei-Stufen-Modell des Kabinetts für die Zeit von 1. September an besagt, dass bei einem niedrigen Infektionsgeschehen Regelbetrieb stattfindet, bei schlechterem Infektionsgeschehen ein eingeschränkter Regelbetrieb und bei starker Verschlechterung eine eingeschränkte Notbetreuung. "Wir haben das Modell für uns ergänzt, wann wir die Gruppe schließen und wann wir die Einrichtung schließen, wenn bei uns ein Corona-Fall auftritt", sagt Schäfer. Auch hätten sie den Eltern den Hinweis des Robert-Koch-Instituts zugeschickt, in dem mitgeteilt wird, was zu tun ist, wenn sie in einem Risikogebiet im Urlaub waren. Sonst werden die Haarer Einrichtungen an ihren Hygieneregeln der vergangenen Monate festhalten. Das heißt unter anderem: Die Eltern werden die Kinder weiterhin an der Tür abzugeben haben, auch wenn das laut Schäfer im Regelbetrieb nicht mehr sein müsste. "Die Anzahl der Menschen in der Einrichtung muss aber gering gehalten werden", sagt sie. Da mache es einen Unterschied, ob etwa die Eltern von 74 Kindern - so groß ist eines der Kinderhäuser - zweimal am Tag das Haus beträten oder nicht. Das erste, was die Kinder mit den Erziehern bei Betreten der Einrichtung zudem weiterhin machen werden, wird Händewaschen sein. "Das haben sie seit April geübt, das hat gut funktioniert", sagt Schäfer.

Ähnlich umsichtig handhabt die evangelische Kinderkrippe Einstein in Ottobrunn die Situation. Die Einrichtung hat die gesamten Ferien geöffnet, um den Eltern, die arbeiten müssen, eine Notbetreuung für die Kinder anzubieten. Während die Einrichtung bisher drei Gruppen hatte und zwei der Gruppenräume nebeneinander lagen, werden im September nur zwei Gruppen starten und die Räume stark getrennt sein. "Jede Gruppe wird ihr eigenes Bad haben und festes Personal. Etwas kritisch sieht Naseri die neue Vorgabe des Sozialministeriums, ab 1. September, wenn ein Kind Schnupfen hat. Bis Ende August darf es keine Einrichtung besuchen, von 1. September an ist das wieder erlaubt. "Woher soll man wissen, ob es nur ein Schnupfen ist oder eine Coronainfektion?", sagt sie. Für das pädagogische Personal, das keine Maske trage und nicht geschützt sei, sei das ungerecht.

Vergleichsweise gut hatte es Hans-Albert Birkner mit seiner kleinen Krippe Inzi winzi in Neubiberg, die momentan elf Kinder besuchen. "Wir haben einen Garten, da hatte ich eine Gruppe immer drinnen und eine draußen", sagt der Geschäftsführer. Im September starten nur vier Kinder, so dass eine Aufteilung nicht nötig ist. "Wenn es wieder mehr Kinder wären, würde ich auch den Garten wieder nutzen", sagt er. Auch in seiner Einrichtung sollen die Eltern die Kinder bereits an der Tür abgeben. Wie vor der Corona-Krise würde er gerne wieder Frühstück mit den Kindern zubereiten "das ist eine schöne pädagogische Maßnahme". Doch er ist sich unsicher, hier wünscht er sich klarere Vorgaben des Ministeriums, ob das möglich ist.

Zum Regelbetrieb gehört freilich auch, dass Kinder eingewöhnt werden. Die Einführung der neuen Kinder findet im Großen und Ganzen wie unter normalen Umständen statt. "Wir versuchen eine sanfte Eingewöhnung zu gestalten wie immer", sagt Schäfer aus Haar. Anders als ohne coronabedingte Einschränkungen wird sein: Die Eltern, die das Kind bei der Eingewöhnung begleiten, haben eine Maske zu tragen. Das ist in den Krippen in Haar genauso wie in den Einrichtungen in Ottobrunn und Neubiberg. "Wir gehen davon aus, dass die Kinder das mittlerweile gewohnt sind", sagt Schäfer. Wie auch sonst würden die Eingewöhnungen bis spätestens November dauern. In der Krippe Inziwinzi stehen bis Januar drei Eingewöhnungen an. In der Kinderkrippe Einstein hingegen sollen die Eingewöhnungen von September an etwas entzerrt werden. Wenn genügend Erzieher da sind, sagt Naseri, wollen sie versuchen, das Kind, den Elternteil und die Erzieherin in den ersten drei Tagen einen separaten Raum nutzen zu lassen und das Kind erst nach dieser Zeit zur weiteren Eingewöhnung in die Gruppe zu geben. Außerdem sollen pro Gruppe und Monat nur zwei Kinder eingewöhnt werden. "Deshalb werden wir bis Februar Eingewöhnungen haben", sagt die Leiterin.

Die Pläne in den Einrichtungen stehen, der September kann kommen. "Nur mental müssen wir uns vorbereiten, wenn ein Kind oder ein Mitarbeiter an Corona erkrankt und wir eine Gruppe oder die Einrichtung schließen müssen", sagt Schäfer.

© SZ vom 24.08.2020
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