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Geschichte für Kinder:Mit der Römerin Silva durch Kirchheim

Kinderbuch

An dem Geschichtsbuch für Kinder haben viele Kirchheimer Institutionen und Vereine mitgewirkt.

(Foto: privat)

Das Mädchen, das vor 1800 Jahren seinen Namen in eine Tonscherbe ritzte, ist Heldin eines neuen Buchs, das auch an Grundschüler verteilt wird.

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim

Tonscherben, Kupferdolche, Knochen von Menschen und Tieren - immer wieder werden bei Ausgrabungen in Kirchheim solche und ähnliche Spuren ans Tageslicht geholt. Es sind Hinweise darauf, dass auch vor Hunderten von Jahren bereits Menschen in dem Gebiet lebten, in dem sich heute die Gemeinde befindet.

Mithilfe der Funde können Archäologen immer besser rekonstruieren, wie das alltägliche Leben der frühen Bewohner wohl aussah. Doch interessieren sich auch Kinder für die Vergangenheit ihres Orts? Ist Geschichte für sie nicht langweilig?

Nein, sagt Jennifer Bagley, Archäologin und Leiterin des Freilichtmuseums Bajuwarenhof in Kirchheim. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kinder mit Begeisterung dabei sind, wenn es um Archäologie geht." Asterix, Obelix und die Römer, das sei für die Kleinen besonders spannend.

Dass es gerade aus dieser Zeit in Kirchheim viele archäologische Funde gibt, das wüssten die meisten aber nicht. Mit dem Buch "Kirchheimer Geschichte(n) für Kinder", verfasst von Bagley und der Dornacher Kinderbuchautorin Petra Breuer, möchte die Gemeinde den kleinen Kirchheimern nun die Vergangenheit der Gemeinde näher bringen.

Inspiriert ist das Kirchheimer Buch nach Aussage der Autorinnen vom Kinderbuch der Gemeinde Aschheim. Christine Sarkar, die Rektorin der Silva-Grundschule in Heimstetten, initiierte schließlich das Projekt. Im Sommer 2019 begann laut Kirchheims Kulturreferentin Katharina Ruf die Arbeit.

"Jeder, der in dem Buch vorkommt, hat auch mitgewirkt"

Die Gestaltung erwies sich als aufwendig, sogar die Farbgebung der Illustrationen ist durchdacht: "Jennifer Bagley hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass es bestimmte Farben vor 1500 Jahren ja noch gar nicht gab", erzählt Breuer lachend. In die Entwicklung haben die Autorinnen auch beispielsweise die örtlichen Feuerwehren und die Vereine eingebunden. "Jeder, der in dem Buch vorkommt, hat auch mitgewirkt", sagt Ruf.

Lange haben sich die Autorinnen eigenen Angaben zufolge Gedanken darüber gemacht, welche Hauptfiguren die jungen Leser durch das Buch führen sollen. Laut Breuer gab es viele Ideen: Bürgermeister Maximilian Böltl habe sich ein Pferd gewünscht, weil im Gemeindegebiet bereits mehrere Skelette der Tiere gefunden worden waren.

Bagley hingegen schlug einen Vogel als Leitfigur vor, denn auch darauf habe man bei Ausgrabungen Hinweise entdeckt. Die Wahl fiel schließlich auf die Namensgeberin der Heimstettener Grundschule: Die Römerin Silva, die vor über 1800 Jahren ihren Namen in eine Tonscherbe geritzt hatte. Bei Bauarbeiten wurde das Stück von Archäologen gefunden und ist seither in der Aula der Schule ausgestellt. Das römische Mädchen wird begleitet vom Bajuwarenjungen Tassilo, benannt nach einem bedeutenden bayerischen Herzog des frühen Mittelalters.

Gemeinsam führen die beiden die Kinder durch die Geschichte Kirchheims: Sie zeigen unter anderem Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit, erklären, wie die Römer früher in Kirchheim lebten, wer die Bajuwaren waren und welche Kleidung sie trugen. Historische Gebäude im Ort sind ebenso Thema wie das Gemeindeleben, die traditionellen Vereine und die Natur rund um Kirchheim. Auch einen Blick in die Zukunft erlaubt das Buch den kleinen Kirchheimern: Mit dem Ortsentwicklungsprojekt Kirchheim 2030 wird sich viel verändern.

Die 1000 Exemplare der ersten Auflage sind für 12,90 Euro pro Stück in den örtlichen Buchhandlungen erhältlich und werden an die Kirchheimer Dritt- und Viertklässler verteilt.

© SZ vom 08.02.2021/wkr
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